Südost-EU: Staatsbanken aus Russland retten Großkonzern aus der Krise

  25 April 2018    Gelesen: 833
Südost-EU: Staatsbanken aus Russland retten Großkonzern aus der Krise

Lange Zeit hat Kroatien Investitionen aus Russland auszuschlagen versucht. Doch sind die Mühen der Transatlantiker in Zagreb erfolglos geblieben: Russische Staatsbanken werden derzeit zu einem der größten Auslandsinvestoren in dem Balkanstaat. Dies berichtet das Portal „Expert.ru“.

Die russischen Staatsbanken Sberbank und VTB erwerben in Kürze ein Aktienpaket des größten kroatischen Handelskonzerns Agrokor. Die Sberbank hielt ohnehin Schuldverschreibungen des kroatischen Konzerns im Wert mehrerer Hundert Millionen Euro und hat sich nun in langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen das Recht erstritten, Anteilseignerin des angeschlagenen Unternehmens zu werden. Die russische VTB ist diesem Beispiel gefolgt.

Die beiden russischen Banken erwerben Unternehmensanteile im Umfang von 1,4 Milliarden Euro. Dies ist deutlich mehr als alle russischen Investitionen in dem Balkanland des letzten Vierteljahrhunderts zusammen, schreibt „Bloomberg“.

Das Sberbank-Management führt das Engagement ausschließlich auf wirtschaftliche Motive zurück. Der russische Botschafter in Zagreb betont jedoch auch die politische Seite des Deals: „Warum haben eure westlichen Freunde, eure strategischen Partner dem Agrokor-Konzern nicht geholfen?“ sagte der Diplomat Anwar Asimow auf einer Pressekonferenz. „Russland hat erneut bewiesen, dass es ein zuverlässiger Freund Kroatiens bleibt.“ Russlands Engagement in Kroatien werde auch künftig darauf gerichtet sein, die Stabilität des Landes zu stärken.

Besonders bedeutsam ist der Umstand, dass die beiden Banken Sberbank und VTB die Schuldverschreibungen gegen Konzernaktien zu einer Zeit eintauschen, in der die Spannungen in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen zunehmen, wie seit Jahrzehnten nicht. Es ist deshalb nicht überraschend, dass die Aktivitäten russischer Unternehmen im Osten und Südosten der EU die besondere Aufmerksamkeit Brüssels auf sich lenken. Ähnlich war es 2014 in Ungarn, als Budapest den russischen Technologiekonzern Rosatom mit dem Ausbau eines Kernkraftwerks beauftragte. Es ging um ein Auftragsvolumen von 12,5 Milliarden Euro.

Heikel ist außerdem, dass Kroatien sich als einer der größten US-Verbündeten in der EU für die Ausweitung der Anti-Russland-Sanktionen einsetzt. Es nimmt deshalb kein Wunder, dass Russlands Beitrag zum Wiederaufbau Kroatiens sich bislang auf Investitionen in Hotelketten und Tankstellennetze beschränkte. So lehnte Zagreb einst auch Moskaus Angebot ab, sich am Bau der Gaspipeline South Stream zu beteiligen. Zudem verweigert die kroatische Führung russischen Energiekonzernen eine größere Beteiligung am Raffineriebetreiber INA.

Dass Washington sich in dieser Angelegenheit voll und ganz hinter die Kroaten stellt, ist unschwer zu erraten. Der US-Botschafter in Zagreb, Robert Cohorst, sagte unlängst, es sei eine schlechte Idee, Russland eine größere Beteiligung am INA-Konzern einzuräumen, weil Russland „eine destruktive Rolle“ in der Region spiele.

Die Bedeutung des Agrokor-Deals wird auch aus dem Umstand ersichtlich, dass der kroatische Konzern zu den 500 größten Unternehmen Mitteleuropas zählt. Die russischen Geldhäuser haben ihre Aktivität 2014 verstärkt, als der Konzerninhaber Ivica Todorić Geld für den Erwerb des slowenischen Konkurrenten Mercator Poslovni Sistem benötigt hatte. So baute Todorić sein Unternehmen zum größten in der Balkanregion auf. Im Oktober letzten Jahres wurde der Konzernchef der Veruntreuung angeklagt, nachdem eine Prüfung Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung ergeben hatte.

Dass Russland zum Großinvestor bei Agrokor werde, habe viele überrascht. „Aber man hat nichts zu befürchten. Die Russen versuchen lediglich, ihr Geld zu investieren“, sagt Andrej Grubisic, Chefanalyst bei der Beratungsgesellschaft Grubisic & Partners.

sputnik.de


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