Wie verhindert man, dass Erfolg träge macht?

  15 Auqust 2018    Gelesen: 655
Wie verhindert man, dass Erfolg träge macht?

Zidane: zurückgetreten. Cristiano Ronaldo: weg. Nach drei Champions-League-Triumphen muss Real Madrid sich neu erfinden. Den radikalen Umbruch scheut man - mit einer Ausnahme.

 

Dreimal in Folge haben sie die Champions League gewonnen. Kein anderer Klub im europäischen Fußball stand in den vergangenen Jahren so sehr für Kontinuität wie Real Madrid - und das nicht nur, was den sportlichen Erfolg anging.


In den beiden siegreichen Endspielen 2017 und 2018 starteten die Königlichen sogar mit exakt derselben Aufstellung: Keylor Navas, Dani Carvajal, Sergio Ramos, Raphaël Varane, Marcelo, Casemiro, Toni Kroos, Luka Modric, Isco, Karim Benzema und Cristiano Ronaldo. Das war sie offensichtlich, die Formel für den maximalen Erfolg. Warum also etwas ändern, wenn es so perfekt funktioniert?

Weil Fußball so nun einmal nicht funktioniert. Spieler werden älter, Spieler werden satter, Erfolgsphasen lassen sich ohne neue Impulse nicht beliebig verlängern. Auch Trainer Zinédine Zidane hatte dieses Gefühl, als er Ende Mai wenige Tage nach dem 3:1-Finalsieg gegen Liverpool überraschend seinen Rücktritt erklärte. "Ich glaube, es ist der richtige Moment für mich, für das Team und für den Verein", sagte Zidane damals. Eine andere Ansprache und andere Methoden, das sei es, was die Mannschaft benötige. Nationaltrainer Julen Lopetegui trat die Nachfolge an, nicht ohne Nebengeräusche.

Alles neu bei Real? Nein!

Spätestens mit dem Abgang von Superstar Cristiano Ronaldo, der nach neun Jahren zu Juventus Turin weiterzog, war klar, dass im Sommer 2018 in Madrid eine Ära endete. Zidane weg, Ronaldo weg - alles neu bei Real? Nein. Was zunächst nach dem ganz großen Umbruch klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen nämlich eher als wohldosierter Neuanfang.

Am Mittwochabend (21 Uhr) startet Real Madrid in die neue Pflichtspielsaison, in Tallinn kommt es im Duell um den europäischen Supercup zum Stadtduell mit Europa-League-Champion Atlético, am Wochenende beginnt die spanische Liga. Die Frage, die über allem steht: Wie ersetzt man einen Mann, der in seinen 438 Spielen für Real 450 Tore erzielt hat? Das ist mehr als ein Treffer pro Spiel. Im Schnitt. Über neun Jahre hinweg. Wie ersetzt man Cristiano Ronaldo?

"50 Tore pro Saison sind nicht einfach zu übertragen", sagte Toni Kroos dem "Kicker", er glaubt aber trotzdem: "Wir werden auch dieses Jahr wieder schwer zu schlagen sein." Ein Schlüssel könnte der erst 18 Jahre alte Brasilianer Vinícius Júnior werden. Dessen Verpflichtung hatte Real bereits im Mai 2017 perfekt gemacht, 46 Millionen Euro an Flamengo Rio de Janeiro überwiesen - für einen damals 16-Jährigen, der allerdings erst nach Erreichen der Volljährigkeit in Europa spielberechtigt war.

Antrittsschnell, dribbelstark, er fühlt sich wohl auf der linken Seite, kann aber auch als hängende Spitze spielen: Vinícius Júnior bringt perspektivisch alles mit, um den 15 Jahre älteren Ronaldo irgendwann zu beerben. Trotzdem arbeitet man in Madrid noch immer an einer Lösung, die weniger eine Wette auf die Zukunft als eine Investition in die Gegenwart ist.

spiegel


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