Iran will US-Ölembargo umgehen

  13 September 2018    Gelesen: 554
Iran will US-Ölembargo umgehen

Wegen neuer Sanktionen sind Irans Ölexporte bereits eingebrochen. Nun will US-Präsident Trump die Ausfuhr der Islamischen Republik auf Null senken. Experten sprechen von einem unrealistischen Ziel. Und der Iran trifft bereits Vorkehrungen.

Wenn die USA im November weitere Sanktionen gegen den iranischen Ölsektor verhängen, droht Teheran der Verlust seiner wichtigsten Einnahmequelle. Das Ziel von US-Präsident Donald Trump ist es, die iranischen Ölexporte auf Null zu senken. Doch auch wenn die Sanktionsdrohungen bereits Wirkung zeigen, sehen Beobachter dieses Ziel als unrealistisch. Der Iran hat viel Erfahrung bei der Umgehung von Sanktionen und trifft bereits Vorkehrungen, um seine Ölexporte trotz der Sanktionen fortzusetzen.


Während des Ölembargos 2012 bis 2015 nannte der Iran seine Öltanker um, strich sie neu oder schaltete ihre Ortungsgeräte ab, um ihre Identifizierung zu erschweren. "Wir finden recht oft diese Tanker, die mit abgeschaltetem Transponder heimlich im Iran ein- und ausfahren", sagt Samir Madani von der Spezialwebsite TankerTrackers.com, die über Satelliten den Ölhandel verfolgt und mehrere solche Schiffe im Monat zählt.

Der Iran dürfte verstärkt auf solche Maßnahmen setzen, wenn am 5. November weitere US-Sanktionen gegen den Ölsektor in Kraft treten. Die Handelsbeschränkungen sind die Folge des im Mai verkündeten einseitigen Rückzugs der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran. Zwar halten die Europäer, Russland und China an dem Abkommen fest, doch zeigen die Sanktionsdrohungen bereits Wirkung.

Unter dem Druck Washingtons gingen die iranischen Ölexporte laut der Finanzgruppe Bloomberg zwischen Mai und August um 24 Prozent zurück. Entgegen vorherigen Erwartungen reduzierte auch China seine Einfuhren um 35 Prozent, Indien kürzte sie laut Eurasia Group sogar um 49 Prozent. "Wir haben unterschätzt, wie sehr Neu Delhi und Peking sich Washingtons Forderungen beugen würden", gab die Beratungsfirma zu.

Asiatische Länder abhängig von iranischem Öl


Laut Eurasia Group will Indien seine strategischen Beziehungen zu den USA vertiefen, während China eine Verschärfung des Handelsstreits mit Washington vermeiden will. Die iranischen Exporte sind bereits von täglich 2,7 Millionen Barrel im Mai auf 2,1 Millionen gefallen, und Eurasia Group erwartet bis November einen weiteren Rückgang auf 1,2 Millionen. Nach aktuellen Preisen ist dies ein Verlust von 1,7 bis 2,1 Milliarden Euro im Monat.

Das Ziel der USA, die Ölexporte auf Null zu reduzieren, sehen Analysten aber als unrealistisch. Viele Länder in Asien sind abhängig von iranischem Öl und können nicht einfach auf andere Anbieter umstellen, da ihre Raffinerien für die iranischen Ölsorten ausgelegt sind. Um seine Ölexporte aufrechtzuhalten, kann der Iran eine Bezahlung in anderen Waren akzeptieren oder vom Dollar auf andere Währungen umstellen, sagt Madani.

Möglich ist auch, das Geld auf einem Konto zu deponieren, bis die Sanktionen wieder aufgehoben sind. Zudem könnte der Iran sein Öl im Hafen eines befreundeten Landes mit Öl aus einem anderen Land mischen, um es dann weiterzuverkaufen, sagt Thijs Van de Graaf, Professor für Internationale Politik an der Universität Gent. "Iran hat dieses Katz-und-Maus-Spiel bereits das letzte Mal gespielt und wird es wohl wieder tun", sagt er.

Exportrückgang lässt Ölpreis steigen

Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei hat gewarnt, dass der Iran das Atomabkommen fallenlassen werde, wenn er nicht länger wirtschaftliche Vorteile daraus ziehe. Besonders die Europäer stehen nun im Zugzwang, einen weiteren Einbruch des Handels zu verhindern. Viele europäische Reeder, Versicherungen und Banken haben sich jedoch zurückgezogen, sodass die Ölimporte um 35 Prozent zurückgegangen sind.

Allerdings führt der Rückgang der iranischen Ölexporte zu einer Verknappung des weltweiten Angebots, was den Ölpreis in die Höhe treibt. Einige Analysten erwarten einen Preisanstieg von 70 auf 100 Dollar pro Barrel. Die USA drängen daher Saudi-Arabien, die Ölfördermenge zu erhöhen. "Theoretisch ist es möglich, dass der Ölpreis so ansteigt, dass dies die Exportrückgänge Irans ausgleicht", sagt Van de Graaf.

Quelle: n-tv.de


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