China weicht Trumps Zölle auf

  20 September 2018    Gelesen: 711
China weicht Trumps Zölle auf

Auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar hat US-Präsident Trump Strafzölle verhängt. Doch die Chinesen haben einen Weg gefunden, die Salve verpuffen zu lassen.

Kaum haben die USA und China eine neue Eskalationsstufe im Handelsstreit gezündet, drohen die Regierungen bereits mit Vergeltungsmaßnahmen. Die Volksrepublik hat dabei eine wirkungsvolle Waffe in ihrem Arsenal, mit der sie die Auswirkungen der US-Strafzölle spürbar dämpfen kann: ihre eigene Währung.

Peking kann wie in der Vergangenheit den Yuan zum Dollar abwerten lassen. Dadurch werden in China hergestellte Produkte in den USA billiger und etwa Preiserhöhungen durch Zölle spürbar gemindert. Und es sieht ganz danach aus, als würden die Chinesen diese Methode bereits anwenden. Denn in den vergangenen Monaten hat der Yuan zum Dollar kräftig an Wert verloren.

Zwar gibt es durchaus ökonomische Gründe für die Yuan-Abwertung. Dazu gehören etwa die Zinserhöhungen in den USA. Somit wird es attraktiver, Geld dort und nicht in China anzulegen. Die Folge: Anleger tauschen Yuan in Dollar, damit fällt der Kurs von Chinas Währung. Doch seit einigen Monaten tut die chinesische Zentralbank wenig, um gegenzusteuern. Mitte April setzte die Talfahrt des Yuan ein, das Minus beläuft sich mittlerweile auf etwas mehr als neun Prozent. Das bedeutet, dass die bisher verhängten US-Strafzölle abgefedert wurden und die neuen Zehn-Prozent-Zölle nur eine geringe Wirkung haben.

Das zeigt ein kurzes Rechenbeispiel: Im April kostete ein 100-Yuan-Produkt in den USA rund 15,95 Dollar. Nach der Abwertung des Yuan sind es knapp 14,60 Dollar. Schlägt man darauf zehn Prozent Zoll, ergibt das 16,06 Dollar. Das Produkt ist damit in den USA lediglich 0,7 Prozent teurer geworden.

Selbst solche kleinen Preiserhöhungen können bei bestimmten Produkten zwar einen großen Unterschied ausmachen. Das gilt vor allem bei Dingen, die in erheblichen Mengen gekauft werden und bei denen sich Cent-Beträge zu großen Beträgen summieren. Allerdings geben Unternehmen höhere Kosten ungern in vollem Umfang an ihre Kunden weiter. Sie verzichten in der Regel lieber auf Marge als auf Marktanteile. Mit anderen Worten: Es ist durchaus möglich, dass US-Firmen und Konsumenten die nun verhängten Zölle auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar kaum spüren werden - und dass nicht weniger von China in die USA exportiert wird als bisher, was Präsident Donald Trump eigentlich erreichen will.

US-Unternehmer bremsen Trump

Das kann sich ändern, wenn der US-Präsident die Strafzölle - wie angedroht - auf 25 Prozent erhöht. Ob Trump tatsächlich so weit geht, steht jedoch in den Sternen. Mit der jüngsten Zollerhöhung will er Peking im Handelsstreit zu Zugeständnissen zwingen. Und es ist durchaus möglich, dass die Volksrepublik den Amerikanern entgegenkommt.

Zudem dürfte es auch im Interesse Trumps sein, eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden. Dem "Wall Street Journal" zufolge hatte der Präsident ursprünglich vor, in der nun erfolgten Zinsrunde gleich auf 25 Prozent zu gehen. Doch nach Gesprächen mit US-Unternehmen ließ das Weiße Haus davon ab. Die US-Importeure hatten damit argumentiert, dass sie vor allem im Weihnachtsgeschäft Preiserhöhungen für amerikanische Verbraucher vermeiden wollten. Zudem stehen im November wichtige Zwischenwahlen an. Wenn US-Amerikaner dann mehr Geld für ihren Konsum ausgeben müssen, dürfte das den ohnehin unter Druck stehenden Republikanern um Präsident Trump schaden.

Das heißt nicht, dass eine Verschärfung des Streits ausgeschlossen ist. Trump könnte die Zölle auf chinesische Produkte kräftig ausweiten, wenn er davon überzeugt ist, dass die Chinesen zu wenig Konzessionen machen - etwa bei Marktabschottung, Technologietransfer und Subventionen für die eigene Wirtschaft.

Derweil versichert Chinas Ministerpräsident Li Keqiang, die Volksrepublik lasse den Wert des Yuan nicht gezielt fallen. "Eine einseitige Abwertung bringt mehr Schaden als Vorteile für China", sagte er und ergänzte: "China wird niemals den Weg gehen, auf eine Stimulierung der Exporte durch eine Yuan-Abwertung zu vertrauen."

Genau diesen Weg der Abwertung ist China in den vergangenen Jahren allerdings gegangen. Und der jüngste Rutsch spricht dafür, dass die Volksrepublik die eigene Währung im Konflikt mit den USA durchaus als ein Mittel sieht, die Folgen der von den USA verhängten Strafzölle zu lindern. Sollten die USA eine neue Zoll-Salve in Richtung China feuern, dürfte der Yuan weiter an Wert verlieren.

Quelle: n-tv.de


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