Die zwei Trumps mögen sich

  20 März 2019    Gelesen: 243
Die zwei Trumps mögen sich

Der umstrittene brasilianische Präsident besucht den nicht minder umstrittenen US-Präsidenten im Weißen Haus. Und Trump und Bolsonaro harmonieren prächtig. Bolsonaros Sohn steht irgendwann auf und wird wie ein Schuljunge gelobt.

Wie zwei Staatschefs öffentlich auf einer Wellenlänge funken, haben am heutigen Dienstag US-Präsident Donald Trump und Brasiliens Jair Bolsonaro gezeigt. Nach Gesprächen über die künftige Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der größten südamerikanischen Volkswirtschaft gaben die beiden eine gemeinsame Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses. Es ist Bolsonaros erster Amtsbesuch in den USA. Und der sogenannte Tropen-Trump, er versteht sich offenbar blendend mit seinem Vorbild.

Das alles überstrahlende Thema in der Region ist die Krise in Venezuela. Über Hilfe für eine mögliche Militärintervention der USA von brasilianischem Boden aus hält sich Bolsonaro bedeckt. "Wenn wir es diskutiert hätten, würden wir es aus strategischen Gründen nicht öffentlich tun", sagt der ehemalige Armeeoffizier nebulös. Trump erwidert auf eine entsprechende Frage, er wisse nicht, wie lange der Machtwechsel in Venezuela dauere. Es seien weiterhin "alle Optionen auf dem Tisch". Bei den Sanktionen gegen die Regierung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro seien die USA nur auf halbem Wege: "Wir können noch viel härter sein". Trump ruft das venezolanische Militär auf, sich von Maduro, "der nicht mehr als eine kubanische Marionette ist", abzuwenden.

Steve Bannon beriet beide

Neben der Mitteilung einiger inhaltlicher Punkte ist die Veranstaltung aber vor allem eine Demonstration des gegenseitigen Einverständnisses. Mehrmals lobt Trump seinen Gast für dessen Aussagen und schüttelt ihm die Hand. Ex-Militär Bolsonaro lächelt zum Dank breit, wirkt in der restlichen Zeit jedoch ziemlich verkrampft. Es ist kein Zufall, dass beide den Rechten Steve Bannon als Wahlkampfberater hatten; sie stehen sich ideologisch nahe. Und so veranstaltet Bolsonaro in seinem Resümee über das Treffen eine Art Namedropping, was Trump sichtlich gefällt.

Was die beiden zu Partnern macht, ist einerseits die Bereitschaft des Brasilianers, Trump bedingungslos zu loben und andererseits des US-Präsidenten, die dunklen Seiten Bolsonaros schlicht zu ignorieren. Der verklärt die Zeit der brasilianischen Militärdiktatur zwischen 1964 bis 1985 und wettert innenpolitisch gegen alles, was nicht dem traditionellen christlichen Weltbild und weißer gesellschaftlicher Dominanz entspricht. Bei der Pressekonferenz sagt Bolsonaro nun, Brasilien stehe "Seite an Seite mit den USA in ihren Anstrengungen traditionelle Familien-Lebensentwürfe, Respekt für Gott unseren Schöpfer, gegen die Gender-Ideologie der Anhänger von politischer Korrektheit und Fake News".

Trump gratulierte Bolsonaro zum großen Wahlsieg und lobte seinen Gast für viele gemeinsame Ansichten und "großen Mut". Er habe Brasilien "zusammengebracht". Das stimmt allerdings nicht, das Land ist nach dem schmutzigen Wahlkampf politisch noch immer zerrissen und leidet unter den Folgen. Bolsonaro selbst wurde kurz vor der Wahl Opfer eines Attentats. Trump lobt auch den ebenfalls anwesenden Sohn Eduardo Bolsonaro für dessen "fantastischen Job" und lässt ihn aufstehen wie einen Schuljungen. Bolsonaros Familie steht derzeit unter enormem Druck wegen mutmaßlicher Verwicklungen in die Tötung der afrobrasilianischen Bürgerrechtlerin Marielle Franco in Rio de Janeiro vor einem Jahr.

Großes Amerika, großes Brasilien

Bolsonaro nennt sich einen "Verehrer" der Vereinigten Staaten, was sich nach der Wahl Trumps noch verstärkt habe. Zudem lobt er sich als ersten "nicht antiamerikanischen Präsidenten Brasiliens seit Jahrzehnten" und sagt, er werde das Geschäftsklima radikal verändern. US-Bürger sollen zudem in Zukunft ohne Visum einreisen dürfen. Trump lobt: "Wenn wir reinen Tisch haben, sind amerikanische Unternehmen bereit." Die USA unterstützten auch Brasiliens Bestrebungen, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beizutreten.

Wir wollen ein "großes Amerika", aber auch ein "großes Brasilien", sagt Bolsonaro. Das passt zur Anweisung seines Bildungsministers, der vor wenigen Wochen brasilianische Schulen anwies, Schüler morgens vor dem Unterricht die Nationalhymne singen zu lassen sowie Bolsonaros Wahlkampfslogan "Brasilien über alles, Gott über allem" vorzutragen.

Als ein Reporter den brasilianischen Präsidenten fragt, was es denn für die Beziehungen der beiden Ländern bedeuten würde, wenn bei der US-Wahl 2020 die oppositionellen Demokraten, also die Sozialisten gewönnen, sagt Bolsonaro zunächst das Übliche: Brasilien werde jedes Votum respektieren. Dann fügt er hinzu: "Ich bin vollkommen überzeugt, dass Trump wiedergewählt wird." Da unterbricht ihn sein Gastgeber mit "Danke, ich stimme zu" - und Bolsonaro darf wieder breit und auch ein bisschen stolz lächeln.

Quelle: n-tv.de


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