Superflares: Gigantische Strahlungsausbrüche der Sonne können Stromnetze lahmlegen

  19 Juni 2019    Gelesen: 386
Superflares: Gigantische Strahlungsausbrüche der Sonne können Stromnetze lahmlegen

Sonnenstürme können Elektronik und Stromnetze auf der Erde massiv stören, das ist in der Vergangenheit bereits passiert. Nun haben Forscher herausgefunden: Es geht noch schlimmer. Neben diesen sogenannten Flares gibt es Superflares der Sonne - und die haben die Macht, unsere moderne Zivilisation nahezu lahmzulegen.

Ein gigantischer Strahlungsausbruch, ein sogenannter Superflare der Sonne, könnte große Teile der irdischen Elektronik, Stromnetze und Satelliten lahmlegen.

Das zeigt die Analyse eines Wissenschaftlerteams, die Forschungsleiter Yuta Notsu von der Universität von Colorado auf der Jahrestagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft AAS in St. Louis vorgestellt hat.

Auch unsere Sonne kann demnach diese Superflares produzieren, wie sie bei anderen Sternen bereits beobachtet worden sind.

Superflares galten lange als Eigenschaft junger Sterne

Superflares sind hunderte bis tausende Male stärker als alle Eruptionen, die bisher auf der Sonne beobachtet worden sind. Sie galten lange als eine typische Eigenschaft junger, aktiver Sterne.

Das Weltraumteleskop "Kepler" der US-Raumfahrtbehörde Nasa hatte jedoch überraschend viele Superflares auch bei Sternen registriert, die unserer Sonne ähneln. "Kepler" hatte bei zigtausend Sternen nach Helligkeitsschwankungen gespäht, die ferne Planeten verraten. Dabei stieß das Weltraumteleskop auch auf die plötzlichen Ausbrüche.

Das Team um Forschungsleiter Notsu hat nun 43 sonnenähnliche Sterne genau analysiert, bei denen "Kepler" Superflares registriert hatte. Das auch im Fachblatt "The Astrophysical Journal" veröffentlichte Ergebnis zeigt, dass junge Sterne zwar viel häufiger Superflares produzieren, es aber keine Altersgrenze, aber der keine Ausbrüche mehr stattfinden.

Selbst unsere 4,6 Milliarden Jahre alte Sonne kann demnach noch solche Extrem-Eruptionen erzeugen. "Junge Sterne haben etwa jede Woche einen Superflare", erläuterte Notsu in einer Mitteilung der Hochschule. "Bei der Sonne ist es im Schnitt einmal alle paar tausend Jahre."

Wann der nächste Superflare unserer Sonne kommt, lasse sich nicht absehen. Denn es sei nicht klar, wie lange der letzte Superflare der Sonne zurückliege. Notsu und seine Kollegen sehen Hinweise darauf, dass die Erde vor 7.500 Jahren und im Jahr 775 von Sonneneruptionen getroffen worden ist.

"Das spricht dafür, dass extreme Sonnenflares sich sogar mehrfach in den letzten 1.000 Jahren ereignet haben", sagen die Wissenschaftler. "Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass wir ein solches Ereignis in den nächsten 100 Jahren oder so erleben werden."

Die Universität betont: Der nächste Ausbruch kann noch Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte hin sein.

Forscher: Welt gegen Strahlungsausbrüche der Sonne wappnen

Auch gewöhnliche Sonneneruptionen hatten in der Vergangenheit bereits Auswirkungen auf Satelliten, Elektronik und Stromnetze auf der Erde. Ein hundert bis tausend Mal stärkerer Superflare könnte den Forschern zufolge weltweite Folgen haben.

Notsu hofft, dass die Ergebnisse seines Teams die Gesellschaft wachrütteln, die heute immer stärker vernetzte Welt besser gegen Strahlungsausbrüche von der Sonne zu wappnen.

Gemessen an der Häufigkeit von Superflares nutzt die Menschheit erst sehr kurze Zeit Elektronik, so dass diese Gefahr noch nicht Realität geworden ist. "Wenn sich vor 1.000 Jahren ein Superflare ereignet hat, war das wahrscheinlich kein großes Problem - die Menschen haben vielleicht ein großes Polarlicht gesehen", erläuterte Notsu. "Heute ist es ein viel größeres Problem, wegen unserer Elektronik." (pak)

 

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