Hoeneß verlässt den FC Bayern euphorisch

  10 November 2019    Gelesen: 430
Hoeneß verlässt den FC Bayern euphorisch

Zum letzten Mal verfolgt Uli Hoeneß ein Spiel des FC Bayern in mächtiger Funktion. Die Fußballer aus München schenken ihrem Präsidenten einen phänomenalen Abschied. Dass in ihm noch Feuer brennt, bekommt Alphatier-Kollegen Karl-Heinz Rummenigge zu spüren.

Fast wäre es in der 17. Minute des Topspiels zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund am elften Spieltag der Fußball-Bundesliga zur Katastrophe gekommen. Die Münchener hatten über den abermals außergewöhnlichen Robert Lewandowski ihre erste Wegmarke zu ihrem beeindruckenden 4:0-Erfolg gegen den großen Rivalen auf den Rasen der ausverkauften Fröttmaninger Arena gelegt, da hätte Präsident Uli Hoeneß beinahe Klubchef Karl-Heinz Rummenigge "die Treppe heruntergestoßen." Aus Jubel und Freude freilich. Wie Rummenigge bestätigte. Es war die wohl letzte Attacke des Präsidenten. Denn am kommenden Freitag endet seine Amtszeit. Und für eine neue steht der 67-Jährige nicht mehr zur Verfügung. Auch wenn das Feuer unübersehbar noch da ist.

Ergriffen, sentimental gar, war Hoeneß nicht. Die Zeit komme erst am Mittwoch oder Donnerstag, wenn er sich mit seinem Abschied bei der Jahreshauptversammlung beschäftigen werde. Wie so oft in seinen 50 Jahren beim FC Bayern changierte er dagegen wieder zwischen guter Laune und ehrlicher Biestigkeit. Als er im ZDF noch einmal nach Zerwürfnissen zwischen der Mannschaft und den Ex-Trainern Niko Kovac und Carlo Ancelotti gefragt wurde, bellte er: "Wollen Sie an solch einem Abend nur negative Fragen stellen?"

"Demonstration von der ersten bis zur letzten Sekunde"


Er selbst hatte keine Lust über diese Dinge zu reden. Zu aufregend und zu unangenehm waren die vergangenen Wochen beim FC Bayern mit Spielidee- und Ergebniskrise gewesen. Zu stark und dominant hatte sich die spielfreudige Mannschaft an diesem Samstag vor 75.000 Zuschauern gegen einen erschreckend teilnahms- und körperlosen BVB von all ihrem Leid befreit. Lewandowski (76.) erzielte noch einen zweiten Treffer - und heimste gleich zwei weitere Rekorde ein. Serge Gnabry war ebenfalls erfolgreich (47.) und am Ende gab's auch noch ein Eigentor von Dortmunds Bestem, von Mats Hummels (80.).

"Das war ein wunderschöner Abschluss", flötete Hoeneß wenig später in der Mixed Zone. Den Puls bereits wieder runtergekühlt erfreute er sich an der "Demonstration" von der "ersten bis zur letzten Sekunde." Überragend guten Fußball habe die Mannschaft gespielt. Und toll gekämpft habe sie. Beim Bezahlsender Sky, der während der Übertragung große technische Probleme hatte, erklärte Hoeneß noch, dass er dieses "Spiel ewig in Erinnerung bleiben werde." Ein größeres Kompliment kann das Team um die neuen Helden Serge Gnarby und Kingley Coman, um die alten Helden Manuel Neuer und Robert Lewandowski sowie um Interimstrainer Hansi Flick gar nicht bekommen.

Das Spiel taugte sogar bereits wieder dazu, beim FC Bayern alte Mia-san-mia-Gefühle zu wecken. Dominant bei Ballbesitz, sehr aggressiv im Gegenpressing, so wurde die Borussia hergespielt. Mal ging's schnell durch die offensive Mitte, die erneut mit den dynamischen Leon Goretzka und Thomas Müller statt der künstlerischen Thiago und Coutinho besetzt war. Mal ging's über außen, wo diesmal Kingsley Coman mehr überragende Akzente setzte als Gnabry. Was dessen legendärer Vorgänger Franck Ribéry auf der Tribüne gut gelaunt verfolgte. Top-Chancen für mehr als doppelt so viele Tore waren da, aber selbst Lewandowski nutzt nicht jede.

"Ich übergebe einen Weltklub"

Eiligst hatte sich die Mannschaft den seltsam anfälligen und uninspirierten Fußball der letzten, frustrierenden Kovac-Wochen aus den Leiberln gelaufen. "Die Köpfe waren wieder frei. Aber die Spieler wussten, dass sie liefern mussten. Sie hatten ja auch einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass Niko Kovac nicht mehr da ist", urteilte Hoeneß. Sein, wie er sagt, "Freund" Niko, zu dem er auch weiter Kontakt hat. Wenngleich er folglich den Beitrag lobt, den Flick zur Dominanz-Blitzgenesung beigetragen hatte. "Man sieht, dass der Hansi mit der Mannschaft sehr gut zurecht kommt." Er werde sicher in den nächsten Wochen der erste Gesprächspartner für die "Führung" sein. "Führung", das sagte Hoeneß tatsächlich. Sehr oft sogar. Ein wohl deutlich zu interpretierendes Signal der Macht-Distanz, die sich ab Freitag endgültig manifestiert.

Ein Teil der bayrischen Führung, Rummenigge nämlich - daneben gibt es ja noch Sportdirektor Hasan Salihamidzic - hatte da aber bereits erklärt, dass "Flick bis auf Weiteres der Trainer" des FC Bayern bleibe. Was das nun bedeutet, darauf wollte sich der Klubchef indes nicht festlegen. Aber ein "großes Kompliment" dürfe man dem Hansi schon machen. Und Ruhe habe der Verein jetzt auch. Dieser Verein, der Uli Hoeneß so ziemlich alles zu verdanken habe, wie der auf Nachfrage gerne noch einmal bestätigte: "Ich habe den Verein als kleinen Klub übernommen und übergebe jetzt einen Weltklub. Da habe ich schon meinen Beitrag geleistet."

Und womöglich doch auch bei der Entscheidung für Flick? Beim Abgang sagte er jedenfalls: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Karl-Heinz da nur über eine Woche spricht."

Quelle: n-tv.de


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