Britische Wirtschaft schwächelt - Spekulation auf rasche Zinssenkung

  13 Januar 2020    Gelesen: 654
  Britische Wirtschaft schwächelt - Spekulation auf rasche Zinssenkung

London (Reuters) - Vor dem anstehenden EU-Austritt schwächelt die britische Wirtschaft und lässt die Aussichten auf eine baldige Zinssenkung steigen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im November binnen Jahresfrist lediglich um 0,6 Prozent, wie das nationale Statistikamt ONS am Montag mitteilte. Dies ist der schwächste Zuwachs seit Juni 2012. Im Oktober hatte es noch ein Plus von 1,0 Prozent gegeben. Nach dem jüngsten Hinweis von Notenbankchef Mark Carney auf eine Zinssenkung in diesem Jahr tippen Investoren mittlerweile darauf, dass dieser Schritt womöglich bereits Ende des Monats kommen wird. Sie taxieren die Wahrscheinlichkeit dafür auf 50 Prozent. Noch vorige Woche war sie auf lediglich 21 Prozent geschätzt worden.

Die Spekulationen auf eine nahende Zinssenkung setzten dem Pfund zu: Es verbilligte sich auf 1,2962 Dollar von zuvor 1,2990 Dollar. Großbritannien will Ende Januar die EU verlassen. Lange Zeit stand im Raum, dass das Land bereits Ende Oktober 2019 die EU womöglich ohne Abkommen verlässt. Dies hatte für Unsicherheit bei britischen Firmen und Verbrauchern gesorgt. Nach der Trennung müssen Großbritannien und die Europäische Union ihre künftigen Beziehungen klären - etwa im Handel. Premierminister Boris Johnson hat angekündigt, dass seine Regierung die Frist bis Ende des Jahres nicht verlängern werde. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hält es für “praktisch unmöglich”, dass die Verhandlungen 2020 abgeschlossen werden können.

Auf einer Konferenz der Bank of England (BoE) hatte deren Chef Carney am Donnerstag eine “relativ schnelle” Reaktion der Währungshüter in Aussicht gestellt, falls sich eine anhaltende Schwäche der Wirtschaft abzeichnen sollte. Zugleich verwies er auf den relativ begrenzten Spielraum beim Leitzins, der derzeit bei 0,75 Prozent liegt. Doch hat die Notenbank laut Carney noch mehr Munition, um gegen einen Abschwung zu kämpfen: Er rechnet dazu neben dem klassischen zinspolitischen Arsenal auch etwaige Wertpapierkäufe in großem Stil mit ein, was insgesamt der Feuerkraft einer Zinssenkung um 2,5 Prozentpunkte entsprechen würde.


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