Hessens Innenminister sieht Hinweise auf rassistische Gesinnung

  20 Februar 2020    Gelesen: 481
Hessens Innenminister sieht Hinweise auf rassistische Gesinnung

In Hanau sind zehn Menschen bei einer Bluttat gestorben, auch der mutmaßliche Täter ist tot. Der Generalbundesanwalt ermittelt wegen Terrorverdachts. Nach jetzigen Erkenntnissen sei ein rassistisches Motiv gegeben.

Der hessische Innenminister Peter Beuth hat Hinweise auf einen mutmaßlich rechtsextremen Hintergrund der Tat von Hanau bestätigt. "Nach unseren jetzigen Erkenntnissen ist ein fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben", sagt der CDU-Politiker. Darauf deute etwa eine Homepage hin, aus der sich ein mutmaßlicher rechter Hintergrund ergebe.

Der mutmaßliche Schütze Tobias R. war zuvor nicht im Visier der Ermittler. Der Mann sei weder als Rassist bekannt gewesen noch polizeilich in Erscheinung getreten, sagte Beuth im Wiesbadener Landtag. Er verurteilte die Gewalttaten. "Das ist ein Anschlag auf unsere freie und friedliche Gesellschaft."

Bundesanwaltschaft ermittelt
Der 43-jährige Deutsche war zuvor den Behörden nicht bekannt. Er sei ebenso wie seine 72-jährige Mutter tot in seiner Wohnung gefunden worden, sagte Beuth. Tobias R. wurde nach SPIEGEL-Informationen anhand seines Kennzeichen identifiziert, danach ist die Polizei zu der Adresse gefahren.

Durch Schüsse in und vor einer Shisha-Bar und an einem Kiosk waren am Mittwochabend mindestens neun Menschen getötet worden. Der mutmaßliche Täter wurde während einer Großfahndung tot in seiner Wohnung aufgefunden. Dort entdeckte die Polizei noch eine weitere Leiche.

R. hat auch ein Bekennerschreiben veröffentlicht und Videos, in dem er Verschwörungstheorien verbreitete. Er behauptete etwa, Deutschland werde von einem Geheimdienst mit weitreichenden Fähigkeiten gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe zog die Ermittlungen noch in der Nacht an sich. Es gebe "Anhaltspunkte für eine fremdenfeindliche Motivation", sagte ein Behördensprecher.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier zeigte sich erschüttert über die tödlichen Schüsse in Hanau. "Das ist furchtbar", sagte Bouffier. Diese Tat mache "im Grunde sprachlos". Alle Bürger in Hessen seien entsetzt.

Nach Bouffiers Worten entschied der hessische Landtag wegen der Bluttat, die begonnene Plenardebatte abzubrechen. Es sei "nicht angemessen", nach den Geschehnissen einfach die parlamentarische Arbeit fortzusetzen, sagte der Ministerpräsident. Die Abgeordneten hätten mit der Beendigung der Sitzung "ein wichtiges Zeichen" gesetzt.

Bouffier telefonierte nach eigenen Angaben wegen der Ereignisse in Hanau mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Im Laufe das Tages wolle Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) dorthin kommen, sagte der Ministerpräsident weiter.

spiegel


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