Die Maßzahl der Pandemie

  02 April 2020    Gelesen: 197
Die Maßzahl der Pandemie

Die Welt kämpft gegen das Coronavirus. Nun, da die Infiziertenkurven nicht mehr ganz so steil nach oben gehen, wird ein Wert immer wichtiger: die Verdopplungszeit.

Die Zahl der Corona-Infizierten und der Toten weltweit wächst unaufhörlich. DER SPIEGEL berichtet über die dramatischen Folgen der Pandemie - und versucht die Entwicklung immer wieder auch in Zahlen greifbar zu machen, so gut das mit den vorliegenden Daten möglich ist.

Eine Maßzahl, die wir in den vergangenen Wochen oft genutzt haben, ist der tägliche relative Anstieg der Fallzahlen. Genauer gesagt der Anstieg der kumulierten Zahl an Menschen, die sich nachweislich mit dem Virus infiziert haben. Kumuliert bedeutet: Wird eine infizierte Person wieder gesund oder stirbt sie, wird sie im kumulierten Wert weiter mitgezählt.

Anfangs erhöhten sich diese kumulierten Infiziertenzahlen von Tag zu Tag um 40 Prozent und mehr - eine solche Zahl ist intuitiv gut zu verstehen. Um Tagesschwankungen entgegenzuwirken, haben wir in der Regel den durchschnittlichen täglichen Anstieg über die vergangenen sieben Tage angegeben.
Doch mittlerweile sind die Prozentwerte kleiner geworden - zumindest bei den Infiziertenzahlen in Deutschland. Am 31. März betrug der Anstieg nur noch zwölf Prozent. Wenn es zugleich noch Länder gibt, die bei 20 oder 30 Prozent liegen, gehen kleinere Werte unter. Die Unterschiede zwischen fünf Prozent und zehn Prozent fallen kaum auf, obwohl sie entscheidend sein können.

Daher zeigen wir ab sofort in unseren Übersichten einen anderen Kennwert: die Verdopplungszeit. Sie gibt an, nach wie vielen Tagen sich die Fallzahl verdoppelt, wenn die Dynamik so bleibt wie derzeit. Es gibt allerdings nicht die eine Verdopplungszeit: Denn was ist schon die "derzeitige Dynamik"? Die Entwicklung der vergangenen zwei Tage, der vergangenen Woche? Wir haben uns für fünf Tage entschieden - der Zeitraum ist kurz genug, um die aktuelle Situation widerzuspiegeln, und lang genug, um einzelne Tagesschwankungen auszugleichen. Damit nutzen wir übrigens die gleiche Formel wie die "Süddeutsche Zeitung", die ebenfalls seit mehreren Tagen die Verdopplungszeiten der Länder zeigt.

In unserer Ländertabelle finden Sie stets die aktuellen Kennzahlen: Wie viele bestätigte Infektionen gibt es in einem Land und wie viele Infizierte sind gestorben? Diese Zahlen werden automatisiert ständig aktualisiert. Wir nutzen dafür die Zusammenstellung der Johns-Hopkins-Universität, die Daten internationaler Organisationen und nationaler Quellen zusammenträgt.

Darüber hinaus berechnen wir am Ende eines jeden Tages, wie hoch der Anstieg der Kennzahlen gegenüber dem Vortag waren und wie sich die Verdopplungszeit verändert hat. Konkret berechnet sich die Verdopplungszeit also anhand der Veränderung der kumulierten Fallzahlen am unmittelbar zurückliegenden Tag gegenüber der Fallzahl von vor sechs Tagen. Auch diese Berechnung erfolgt automatisiert, in der Regel in den frühen Morgenstunden.

Der Vorteil der Verdopplungszeit ist, dass die Unterschiede zwischen kleineren Anstiegen deutlicher hervortreten. Ein täglicher Anstieg von fünf Prozent entspricht einer Verdopplungszeit von 14,2 Tagen. Bei sieben Prozent sind es neun Tage und bei zehn Prozent 7,3 Tage.

Folgendes Diagramm verdeutlicht die Unterschiede zwischen täglichem Anstieg und der Verdopplungszeit für Deutschland - ebenfalls berechnet mit den Zahlen der Johns-Hopkins-Universität für den März 2020.

Man sieht gut, wie gegenläufig die rote Kurve der Verdopplungszeit und die blaue Kurve mit dem täglichen Anstieg verlaufen.

spiegel


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