Deutsche Umwelthilfe will Nord Stream 2 stoppen

  06 Auqust 2020    Gelesen: 314
Deutsche Umwelthilfe will Nord Stream 2 stoppen

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will vor Gericht die Genehmigung der Ostseepipeline Nord Stream 2 nachträglich kippen. Nach Darstellung der DUH soll unkontrolliert das Klimagas Methan austreten: Es gäbe Lecks bei Förderung, Transport und Verarbeitung von Erdgas. Die Umweltverträglichkeitsprüfung durch das Bergamt Stralsund reicht dem Verein nicht.

Die DUH klagt vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Greifswald auf Überprüfung der Betriebsgenehmigung der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2.

„Die DUH fordert das zuständige Bergamt Stralsund mit der Klage auf, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu unkontrolliertem Methanaustritt zu berücksichtigen und Lecks bei Förderung, Transport und Verarbeitung von Erdgas zu prüfen.“

Methan als Hauptbestandteil von Erdgas sei bis zu 86-mal klimaschädlicher als CO2, heißt es weiter in der Pressemitteilung der DUH. Gemäß neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen sollen die Methan-Emissionen bei der Erdgas-Förderung deutlich höher als bislang angenommen sein.

Einen Antrag der DUH auf Überprüfung der Genehmigung von Nord Stream 2 auf dieser Grundlage hatte das Bergamt Stralsund zuvor abgelehnt, daher ziehe die DUH jetzt vor das Greifswalder Gericht. Die DUH fordert, bis zum Abschluss des Verfahrens den Bau von Nord Stream 2 auszusetzen.

Ein Sprecher des OVG bestätigte gegenüber der DPA den Eingang der Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss des Bergamtes Stralsund. Ein Verhandlungstermin stehe allerdings noch nicht fest. In ihrer Klage beantragt die DUH auch eine Vorlage beim Europäischen Gerichtshof.

Stralsunder Umweltverträglichkeitsprüfung unvollständig?
Die bereits erfolgte Prüfung der Umweltverträglichkeit durch das Bergamt Stralsund vom 31. Januar 2018 habe sich auf mögliche Methan-Austritte der Nord Stream 2-Pipeline selbst bezogen und bewertete diese seeseitig als nicht vorhanden. Diese Betrachtung sei jedoch unvollständig, so die Umwelthilfe. Die Prüfung der Umweltverträglichkeit müsse Methan-Lecks aus Förderung, Transport und Verarbeitung des Erdgases einbeziehen.

„Wir sind uns sicher, dass Nord Stream 2 mit den mittlerweile vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht genehmigt worden wäre“, so Constantin Zerger, der bei der DUH für Energie und Klimaschutz zuständig ist. „Die neuen Messmethoden für Methan-Lecks müssen jetzt zwingend berücksichtigt werden, denn sie belegen einen massiven Einfluss der Pipeline auf unser Klima.“

Die Pipeline zwischen Russland und Deutschland durch die Ostsee ist zu 93 Prozent fertig gebaut. Über sieben Monate nach dem Baustopp für die Ostsee-Gasleitung wegen der US-Sanktionen ist unklar, ob und wann die letzten Rohre des Milliardenprojekts verlegt werden. Von den insgesamt 2460 Kilometern (die 1230 Kilometer lange Pipeline besteht aus zwei parallelen Strängen) fehlen nur noch etwa 120 Kilometer in dänischen und mehr als 30 Kilometer Bauabschnitt in deutschen Gewässern.

sputniknews


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