Lkw-Startup Nikola angeblich bloßer "Betrug"

  14 September 2020    Gelesen: 414
Lkw-Startup Nikola angeblich bloßer "Betrug"

Mit wasserstoffbetriebenen Lkw will Nikola die Transportbranche revolutionieren. Zwischenzeitlich war das Startup an der Börse mehr wert als Ford. Nun behauptet ein Spekulant, die angebliche Zukunftstechnologie von Nikola sei ein aufwendig inszenierter, "komplexer Betrug".

Die Aktien des selbsterklärten künftigen E-Auto- und Lkw-Pioniers Nikola haben bereits eine wilde Achterbahnfahrt hinter sich. Im Frühsommer war das Unternehmen kurzzeitig gemessen am Börsenwert an den Autoriesen Ford und GM vorbeigezogen. Vorzuweisen hatte Nikola neben dem vom Tesla-Namensgeber Nikola Tesla entliehenen Vornamen bis dahin eigenen Angaben zufolge unter anderem einen Prototyp für einen Wasserstoff-betriebenen Laster. Hergestellt hat das Startup bis heute kein Fahrzeug - geschweige denn verkauft. Entsprechend groß war die Skepsis vieler Anleger, und die Rally der Aktie hielt nicht lange. Der Kurs stürzte von mehr als 90 auf zeitweise unter 30 Dollar ab.

Dann allerdings die überraschende Nachricht, die auch viele Kritiker - zunächst - überzeugt. Das Startup mit der Zukunftstechnologie verkündete eine weitreichende Partnerschaft mit GM, dem traditionellen Autobauer, mit dem notwendigen Produktions- und Vertriebsknowhow. Die Nikola-Aktie sprang innerhalb von nur zwei Tagen um gut 30 Prozent in die Höhe.

Doch fast genauso steil geht es nun wieder bergab. Ein Leerverkäufer - also, jemand der auf einen Kursverfall bei Nikola spekuliert - bezeichnet Nikola in einer Analyse als "komplexen Betrug". Hindenburg Research, so nennt Leerverkäufer Nate Anderson seine Firma, hat eigenen Angaben zufolge "umfangreiche Beweise gesammelt - darunter Telefonaufnahme, SMS, private Emails und Fotos hinter den Kulissen - die Dutzende Falschbehauptungen von Nikola-Gründer Trevor Milton belegen". Noch habe Hindenburg "dieses Level von Irreführung bei einem börsennotierten Unternehmen gesehen".

Lkw beim "Herunterrollen gefilmt"

Unter anderem behauptet Hindenburg, ein Video, mit dem Nikola die Leistungsfähigkeit seines Prototyps "Nikola One" unter Beweis stellen wollte, sei manipuliert. Um ihn bei hoher Geschwindigkeit zu filmen, sei der Laster einen Berg hochgeschleppt "und einfach beim Herunterrollen gefilmt worden". Technologisches Knowhow, das Nikola entwickelt haben will, existiere teils nicht.

Nikola wies alle Anschuldigen zurück und kündigt umgehend Klage gegen Hindenburg an. Für das Startup ohne Einnahmen ist die hohe Börsenbewertung lebenswichtig, um weiteres Kapital für Investitionen und seine hohen laufenden Ausgaben gewinnen zu können.

Hindenburg ist als Leerverkäufer alles andere als ein neutraler Beobachter, sondern profitiert je tiefer die Nikola-Aktie fällt. In der Vergangenheit haben sich ähnliche Analysen allerdings mehrfach als wasserfest erwiesen. Zudem springen den Spekulanten andere Nikola-Skeptiker beiseite. Der Leerverkäufer Citron Research etwa versprach, die Hälfte der Anwaltskosten von Hindenburg zu übernehmen. Auch viele Anleger halten die Vorwürfe offenbar für glaubwürdig. Seit Veröffentlichung des Berichts verlor die Nikola-Aktie wieder einmal fast 40 Prozent ihres Wertes.

Quelle: ntv.de, mbo


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