Nikola-Chef wirft hin

  21 September 2020    Gelesen: 437
Nikola-Chef wirft hin

Der US-Elektrolastwagenbauer Nikola sorgt für Wirbel: Die einen feiern das Startup als zweites Tesla, die anderen warnen vor einer gefährlichen Luftnummer. Angesichts massiver Betrugsvorwürfe zieht sich Firmenchef Milton zurück.

Der Gründer und Chef des US-Elektrolastwagenbauers Nikola zieht die Konsequenzen aus den Betrugsvorwürfen gegen das Unternehmen und tritt zurück. Neuer Chairman wird Stephen Girsky, früher Vize-Chairman bei General Motors. Milton sei an den Vorstand herangetreten und habe angeboten, freiwillig aus dem Amt auszuscheiden, teilte Nikola mit. Der Verwaltungsrat habe das Angebot akzeptiert.

Hintergrund ist der Streit mit Hindenburg Research. Der Leerverkäufer hatte Nikola des "komplexen Betrugs" bezichtigt, kurz nachdem das Unternehmen eine milliardenschwere Kooperation mit General Motors verkündet hatte. Nikola habe Partner in die Irre geführt, indem falsche Behauptungen über die Technologie des Unternehmens aufgestellt worden seien - einschließlich der Wasserstoff-Brennstoffzellenbatterien, die nie existiert hätten, so Hindenburg. Milton habe jahrelang Lügen verbreitet. Hindenburg ist als Leerverkäufer kein neutraler Analyst, sondern profitiert, je tiefer die Nikola-Aktie fällt.

Nikola hat die Behauptungen zurückgewiesen und die Investmentgesellschaft wegen versuchter Kursmanipulation bei der US-Börsenaufsicht angezeigt. Nikola dementierte einen der gravierendsten Vorwürfe allerdings nur in Teilen. Dabei geht es um eine Szene aus einem Video des Startups von 2017, in dem ein Prototyp der neuen Lastwagen in Aktion zu sehen ist. Laut Hindenburg Research wurde das Fahrzeug dafür zuerst auf einen Hügel gezogen - und rollte dann einfach von selbst wieder hinunter. Von einem neuen Antrieb keine Spur. Nikola rechtfertigte sich damit, das Unternehmen habe niemals explizit behauptet, dass der Prototyp in dem Video von einem eigenen Motor angetrieben worden sei.

Das US-Justizministerium prüft derweil die Anschuldigungen des Leerverkäufers. Milton sagte laut Unternehmensmitteilung, der Fokus sollte auf dem Unternehmen und seiner "weltverändernden Mission und nicht auf mir" liegen. "Ich beabsichtige, mich gegen falsche Anschuldigungen zu verteidigen, die von außenstehenden Kritikern gegen mich erhoben werden", twitterte Milton.

Aktienkurs fährt Achterbahn

Der Startschuss für Nikola fiel im Jahr 2015. Seither arbeitet das Unternehmen an alternativen Antriebstechnologien für Lastwagen und große Geländewagen. Diese sollen in Zukunft auf der Basis elektrischer Batterien und Wasserstoff-Brennstoffzellen fahren. Auch an Ladestationen für Wasserstoff-Lkw arbeitet das Startup.

Bislang blieben die Pläne aber weitgehend Theorie, denn auf die Straße brachte Nikola noch kein einziges fertiges Modell seiner Öko-Lastwagen. Vor zwei Wochen kam ein prominenter Partner an Bord: Der US-Autobauer General Motors. Kaum war die Zusammenarbeit verkündet, schoss der Kurs der Nikola-Aktien um mehr als 40 Prozent in die Höhe. Dabei war das Startup erst im Juni an die Börse gegangen.

Die kalte Dusche folgte zwei Tage später, der Aktienkurs brach wegen der Vorwürfe gegen den Börsenliebling ein. Die Nikola-Aktie verlor seitdem rund ein Drittel des Werts. Seit Jahresbeginn hat die Bewertung des Unternehmens aber immer noch 231 Prozent zugelegt.

Quelle: ntv.de, jga/rts/DJ/AFP


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