Irans Armee droht mit »fürchterlicher Rache« – Uno mahnt zur Zurückhaltung

  28 November 2020    Gelesen: 177
Irans Armee droht mit »fürchterlicher Rache« – Uno mahnt zur Zurückhaltung

Für das Attentat auf den iranischen Atomwissenschaftler Mohsen Fakhrizadeh gibt Iran Israel die Schuld – und kündigt Vergeltung an. Der Uno-Generalsekretär warnt vor einer Eskalation des Konflikts.

Nach der Ermordung eines hochrangigen iranischen Atomphysikers und Schuldzuweisungen Teherans an Israel hat Uno-Generalsekretär António Guterres Zurückhaltung angemahnt. Man habe Berichte über den Vorfall zur Kenntnis genommen, teilte Uno-Sprecher Farhan Haq der dpa mit. »Wir fordern Zurückhaltung und sehen es als notwendig an, dass Maßnahmen vermieden werden, die zu einer Eskalation der Spannungen in der Region führen könnten.«

Mohsen Fakhrizadeh war am Freitag nach Angaben der iranischen Regierung in seinem Auto angeschossen und schwer verletzt worden. Kurz darauf sei er in einem Krankenhaus gestorben. Das iranische Verteidigungsministerium sprach bei Bekanntgabe der Nachricht von einem »Märtyrertod«.

Außenminister Dschawad Sarif berichtete von »ernstzunehmenden Hinweisen« auf eine Beteiligung Israels. Zunächst gab es jedoch keine Klarheit, wer hinter dem Anschlag steckt.

Sarif appellierte auf Twitter insbesondere an die Europäische Union, »ihre beschämenden Doppelstandards aufzugeben und diesen Akt des Staatsterrors zu verurteilen«. Der Generalstabschef der iranischen Streitkräfte, Mohammad Bagheri, drohte »fürchterliche Rache« an.

Irans Uno-Botschafter Madschid Tacht verwies in einem Schreiben an Guterres, dass in den vergangenen zehn Jahren mehrere hochrangige iranische Wissenschaftler »in terroristischen Anschlägen« getötet worden seien. Verantwortlich dafür zeichneten »bestimmte ausländische Kreise«. Die Tötung Fakhrizadeh – bei der es ernsthafte Hinweise auf Israels Verantwortung gebe – sei ein weiterer Versuch, die Region ins Chaos zu stürzen und die wissenschaftliche Entwicklung Irans zu stören.

Rawanchi warnte zugleich die USA und Israel vor »Abenteueraktionen« in der verbleibenden Amtszeit des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump. Iran werde »alle notwendigen Maßnahmen« zu seiner Verteidigung ergreifen, unterstrich er.

Nach Medienberichten wurde Fakhrizadeh in der Stadt Absard erschossen, einem Vorort östlich der Hauptstadt Teheran. Örtlichen Behörden zufolge wurden auch mehrere Angreifer getötet.

Fakhrizadeh war Mitglied der iranischen Revolutionsgarden und ein Experte für die Herstellung von Raketen. Nach Informationen der iranischen Nachrichtenagentur Fars sollen israelische Geheimdienste seit Jahren bemüht gewesen sein, ihn auszuschalten. Zuletzt leitete Fakhrizadeh die Abteilung für Forschung und technologische Erneuerung im Verteidigungsministerium.

Bei westlichen Staaten und in Israel sowie bei im Exil lebenden Gegnern der iranischen Führung stand der Wissenschaftler im Verdacht, der Architekt eines verdeckten Atomwaffenprogramms gewesen zu sein, das nach Darstellung der Regierung in Teheran 2003 eingestellt wurde.

spiegel


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