»Ich war das Stinktier beim Picknick«

  25 Januar 2021    Gelesen: 191
  »Ich war das Stinktier beim Picknick«

Anthony Fauci war Donald Trumps wichtigster Corona-Berater, das Verhältnis der beiden aber trotzdem schwierig. Nun hat der Virologe Details aus seinem Alltag im Weißen Haus verraten – Spitzname inklusive.

Die Coronakrise hat Anthony Fauci zum wohl bekanntesten Virus-Experten der USA gemacht. Sein Verhältnis zu Ex-Präsident Donald Trump galt dabei, vorsichtig formuliert, als turbulent. Nun hat sich Fauci in einem Interview mit der »New York Times« zu seiner Rolle in der Corona-Taskforce unter dem 45. Präsidenten der USA geäußert.

Beide seien immer wieder aneinandergeraten, trotzdem habe Fauci selbst nie darüber nachgedacht, den Job hinzuwerfen. »Ich dachte, wenn ich gehe, bleibt eine Lücke zurück«, so Fauci zur »New York Times«. Es habe jemanden im Team geben müssen, der sich traut, unangenehme Wahrheiten anzusprechen.

»Manche aus dem Personal im Weißen Haus haben versucht, die Lage herunterzuspielen und ein nettes Gespräch darüber zu führen, dass doch im Grunde alles in Ordnung sei«, so Fauci. Er selbst habe dann regelmäßig auf den Ernst der Lage hingewiesen. »Daher gab es diesen Witz, einen freundlichen Witz, laut dem ich das Stinktier beim Picknick war.«

Mit dem Ausscheiden von Trump als Präsident ist Faucis Arbeit im Dunstkreis des Weißen Hauses aber noch nicht getan. Er wird unter dem neuen Präsidenten Joe Biden als wissenschaftlicher Berater weitermachen. Ein weiteres prominentes Mitglied der Trump-Taskforce scheidet hingegen bald aus: die Ärztin Deborah Birx. Auch sie hatte sich zuletzt über ihre eigenen Erfahrungen in der Machtzentrale geäußert.

Im US-Sender CBS erklärte sie, manche dort hätten die Corona-Pandemie als »Schwindel« bezeichnet und so eine konsequente Reaktion verlangsamt. Den Präsidenten selbst, der tatsächlich die Gefahren des Virus immer wieder verharmlost hatte, erwähnte sie namentlich nicht. Ihre Anspielungen waren aber so konkret – unter anderem sprach sie von wenig hilfreichen »Aussagen durch politische Anführer« –, dass klar sein dürfte, wen sie meinte.

Anthony Fauci zeigte sich im Interview mit der »New York Times« diplomatischer. So wich er der Frage aus, ob Trump Zehntausende oder gar Hunderttausende Todesopfer zu verantworten habe: »Das werde ich ständig gefragt. Aber eine derart direkte Verbindung wäre verurteilend. Davon halte ich mich fern, tut mir leid.«

  spiegel


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