Jetzt kommt Bewegung in die Zinsen

  21 Februar 2021    Gelesen: 374
Jetzt kommt Bewegung in die Zinsen

Selten konnten Immobilienkäufer entspannter mit ihrer Bank verhandeln als in den vergangenen sechs Monaten. Die Zinsen für Baugeld verharrten, wie zementiert, auf rekordverdächtig niedrigem Niveau. Doch nun brechen andere Zeiten an.

Es war schon fast langweilig. Von Anfang Juli 2020 bis Januar 2021 bewegte sich der durchschnittliche Bauzins für zehn Jahre fest so gut wie nicht. Er pendelte konstant zwischen 0,70 und 0,65 Prozent. Wer sich für die Zinsentwicklung der letzten drei Jahre interessiert, sollte die Zinsgrafiken der FMH-Finanzberatung besuchen. Wer nach einer Finanzierung suchte, hatte also weder Zeit- noch Entscheidungsdruck, sondern konnte entspannt die Angebote vergleichen, überlegen und abwägen. Irgendwann allerdings ist auch die ausgedehnteste Ruhephase zu Ende. Und dieses Irgendwann ist jetzt.

Seit Anfang Februar haben sich die Zinsen im Mittel von 0,66 auf 0,71 Prozent nach oben geschraubt. Das ist noch immer überschaubar, dürfte aber der Beginn eines Trends sein, denn auch die zehnjährige Bundesanleihe hat sich von minus 0,51 auf minus 0,36 Prozent verteuert. Das ist deshalb relevant, weil die Renditen der Bundesanleihe stets die Entwicklung bei den Bauzinsen vorzeichnen. Entsprechend ist davon auszugehen, dass sich dieses Plus schon bald auch in den Konditionen für Hypothekendarlehen wiederfinden wird.

Für Kaufinteressenten und Bauherren wirft diese Entwicklung zahlreiche Fragen auf. Die wichtigsten will ich im Folgenden beantworten.

Steigen die Bauzinsen nur, weil die Bundesanleihe teurer wird?

Nein. Die Bundesanleihe ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Faktor, der die Zinshöhe fürs Baugeld beeinflusst. Daneben spielen aber auch die Inflationsrate und die Renditen der US-amerikanischen Staatsanleihen eine Rolle. Doch auch sie weisen in dieselbe Richtung: Beide sind zuletzt (zum Teil deutlich) gestiegen.

Um wie viel werden sich Hypothekendarlehen verteuern?

Auch wenn die Zinsen spürbar anziehen dürften, muss niemand befürchten, dass wir innerhalb weniger Monate wieder Bauzinsen von zwei Prozent oder mehr haben werden. Ein Anstieg der Mittelwerte auf 0,8 oder 0,9 Prozent für zehn Jahre fest bis Mitte des Jahres ist aber durchaus denkbar.

Wie sollten Kunden reagieren, die einen Baukredit brauchen?

Sie sollten nichts überstürzen, aber zügig agieren. Warnungen von Vermittlern oder Außendienstlern, die auf anstehende Preiserhöhungen hinweisen, sind durchaus ernst zu nehmen. Gerade erst hat ein Kunde bei der FMH nachgefragt, ob es stimmen könne, dass die Schwäbisch Hall die Zinsen für das Bankvorausdarlehen bei 15 Jahren Zinsbindung von 0,69 auf 0,99 Prozent erhöht, wenn ihr innerhalb der nächsten drei Tage keine beleihungsfähigen Unterlagen vorliegen. Eine solche Erhöhung von 43 Prozent erscheine ihm unrealistisch - der Vertreter wolle doch sicher nur Druck ausüben? Ich musste leider widersprechen. Angesichts des noch immer extrem niedrigen Zinsniveau sind Erhöhungen von 50 Prozent derzeit ohne weiteres möglich. Der Kunde tut daher gut daran, die Unterlagen beizubringen und das Angebot möglichst schnell zu unterschreiben.

Meine Finanzierung läuft noch einige Jahre. Sollte ich jetzt schon ein Forward-Darlehen abschließen?

Das ist sehr zu empfehlen. Die Aufschläge für die Zinssicherheit sind (noch) extrem niedrig und lassen sich durch einen Wechsel der kreditgebenden Bank mehr als ausgleichen. So sichert ein Forward-Darlehen nicht nur einen entspannten Nachtschlaf, sondern spart im besten Fall auch richtig viel Geld. Details zum Forward-Darlehen finden Interessierte auf den Seiten der FMH.

Steigen mit den Bauzinsen auch Festgeld- und Tagesgeldzinsen?

Vermutlich nicht. Der Grund: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Zinspolitik erstmal fortführen, um die Menschen zum Geldausgeben zu bewegen und so die Konjunktur auch in der Krise einigermaßen am Laufen zu halten. Höhere Renditen auf Festverzinsliches werden wir daher wohl erst einmal nicht sehen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: ntv.de


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