Überraschender Corona-Rückgang - das könnte der Grund sein

  22 November 2022    Gelesen: 431
  Überraschender Corona-Rückgang - das könnte der Grund sein

Mit den sinkenden Temperaturen sind Atemwegserkrankungen auf dem Vormarsch. Doch ausgerechnet Covid-19 ist - anders als in den Vorjahren - seit Wochen auf dem Rückzug. Auch die Krankenhäuser leeren sich. Epidemiologe Ulrichs nennt ntv.de eine mögliche Ursache.

Auch nach fast drei Jahren Pandemie zeigt sich das Coronavirus weiter unberechenbar: Die von vielen erwartete schwere Winterwelle zeichnet sich bisher nicht ab. Im Gegenteil, seit Wochen sinkt die Zahl der erfassten Infektionen in Deutschland. Und auch auf den Covid-19-Intensivstationen gibt es weniger Patienten. Gleichzeitig nehmen laut Robert-Koch-Institut (RKI) andere Atemwegserkrankungen wie Grippe - der Jahreszeit entsprechend - zu. Nur bei Covid-19 ist es anders, und das ganz im Unterschied zu den Vorjahren.

Das verblüfft auch den Epidemiologen Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften: "In der Tat habe ich mit dieser Entwicklung nicht gerechnet. Ich war von einer größeren Herbst- und Winterwelle ausgegangen", sagt Ulrichs zu ntv.de. Doch was ist der Grund für den Rückgang der Kennzahlen? "Möglicherweise gibt es mittlerweile eine gewisse Herdenimmunität in der Bevölkerung durch Impfungen und überstandene Infektionen", erklärt Ulrichs im Gespräch.

 Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist seit Wochen rückläufig und hatte laut RKI zuletzt mit rund 180 den tiefsten Stand des Jahres erreicht. Allerdings gehen Experten seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem, weil bei weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik.

Natürlich sei es möglich, dass aufgrund eines veränderten Testverhaltens mittlerweile viele Fälle nicht erfasst würden, sagt auch Epidemiologe Ulrichs. Allerdings spräche die ebenfalls sinkende Zahl an Covid-Intensivfällen in den Krankenhäusern dafür, dass der Trend tatsächlich rückläufig sei. Und eine Trendwende hin zu einer Winterwelle sei nicht zu erkennen, sagt der Experte. So liefere etwa die mittlerweile in Deutschland etablierte Abwassersurveillance keine Hinweise darauf.

Bei der Abwassersurveillance werden deutschlandweit an mittlerweile bis zu 25 Standorten Abwasserproben auf Spuren von Sars-CoV-2 untersucht. Denn durch Ausscheidung von Urin, Kot und Speichel geraten Genfragmente des Virus ins Abwasser. Forscher hoffen, durch diese Abwasseranalysen Infektionswellen früher erkennen zu können. Laut RKI gibt es seit Mitte Oktober mehr Standorte mit fallenden als mit steigenden Trends, wie es im jüngsten Corona-Wochenbericht heißt. Allerdings seien für die Zukunft wieder steigende Corona-Kennzahlen natürlich nicht ausgeschlossen, betont Ulrichs.

Neue Variante "nicht sehr wahrscheinlich"

Zudem sei es denkbar, dass eine neue Corona-Variante der bestehenden Immunität in der Bevölkerung wieder besser entkommt - und sich dann wieder mehr Menschen anstecken und erkranken, prognostiziert Ulrichs. Diese neue Variante müsste aber wohl "ganz anders" sein als die derzeit dominante Omikron-Variante BA.5 und ihre Sublinien wie etwa BQ.1.1. "Die Wahrscheinlichkeit, dass eine völlig neue Variante auftaucht, halte ich aber für gering. Weltweit gibt es derzeit keine Hinweise darauf."

Dennoch sei es wichtig, dass die existierenden Maßnahmen gegen Corona weiterhin beibehalten würden, betont der Epidemiologe. Maskentragen und Abstandhalten schützten vor Infektionen und behinderten die Verbreitung des Virus. "Für Risikopatienten ist auch eine Impfung mit angepassten Impfstoffen gegen die derzeit kursierenden Omikron-Varianten wichtig", sagt Ulrichs.

Quelle: ntv.de


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