Israelisches Militär rückt in Rafah weiter vor

  12 Mai 2024    Gelesen: 472
  Israelisches Militär rückt in Rafah weiter vor

Für die Offensive in Rafah wird Israel scharf kritisiert. US-Präsident Biden droht sogar damit, Waffenlieferungen zu beschränken. Dennoch setzt das Militär seine Vorstöße im südlichen Gazastreifen fort. Zugleich beklagt der Armeechef das Fehlen eines diplomatischen Prozesses.

Die israelische Armee setzt ihre nach eigenen Angaben ihre Vorstöße in der mit Flüchtlingen überfüllten Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens fort. "Unsere Operationen gegen die Hamas in Rafah bleiben begrenzt und konzentrieren sich auf taktische Vorstöße, taktische Anpassungen und militärische Vorteile und haben dicht besiedelte Gebiete gemieden", teilte Armeesprecher Daniel Hagari in einer Erklärung mit. Zugleich griff Israel auch Ziele im Zentrum und im Norden des Gazastreifens an, unter anderem in Zeitun in Gaza-Stadt und in Dschabalija. In den vergangenen Wochen seien Versuche der Hamas beobachtet worden, sich dort militärisch neu aufzustellen, sagte Hagari. Palästinenser berichteten von massiven Luftangriffen und mehreren Todesopfern und Verletzten.

Am Samstag hatte die Armee die Bevölkerung aufgerufen, weitere Gebiete in Rafah sowie unter anderem auch in Dschabalija zu verlassen. Israel hatte zu Wochenbeginn den Einsatz von Bodentruppen zunächst in den östlichen Außenbezirken von Rafah gestartet. Seither seien "Dutzende von Terroristen ausgeschaltet", unterirdische Tunnel freigelegt und große Mengen an Waffen sichergestellt worden, sagte Hagari. Israels militärisches Vorgehen in dem an Ägypten grenzenden Teil des abgeriegelten Küstenstreifens ist international höchst umstritten.

Versorgung könnte zusammenbrechen

Bis zuletzt drängten sich dort mehr als eine Million Menschen zusammen, die aus anderen Teilen des Gazastreifens geflohen waren. Nicht nur Hilfsorganisationen befürchten, dass eine Ausweitung der israelischen Offensive dazu führen könnte, dass Hunderttausende Zivilisten zwischen die Fronten geraten. Die ohnehin prekäre Versorgung der Menschen könnte völlig zusammenbrechen. Die USA, Israels wichtigster Verbündeter, warnen eindringlich vor einer großangelegten Offensive.

US-Präsident Joe Biden drohte zuletzt sogar mit der Beschränkung von Waffenlieferungen an Israel. Bundeskanzler Olaf Scholz warnte Israel vor einer Ausweitung des Einsatzes. "Wir halten eine Offensive auf Rafah (...) für unverantwortlich", sagte der SPD-Politiker. Die israelische Armee begründet das schon vor Monaten angedrohte militärische Vorgehen in Rafah damit, die letzten Bataillone der Hamas zerschlagen und die unter der Grenze zu Ägypten vermuteten Schmuggel-Tunnel zerstören zu wollen. Mit dem "präzisen" Einsatz wolle man eine "dauerhafte Niederlage der Hamas" erreichen und alle Geiseln zurückholen, sagte Hagari.

Zugleich äußerte der israelische Armeeschef deutliche Kritik an der politischen Führung im Krieg. Die Soldaten müssten mangels einer politischen Strategie für die Zeit nach dem Krieg immer wieder an Orten im Gazastreifen wie jetzt in Dschabalia kämpfen, die sie eigentlich zuvor eingenommen und aus denen sie sich bereits wieder zurückgezogen hatte, klagte Generalstabschef Herzi Halevi Medienberichten zufolge bei Sicherheitsberatungen mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. "Solange es keinen diplomatischen Prozess gibt, um eine Verwaltung im Gazastreifen aufzubauen, die nicht der Hamas angehört, müssen wir immer wieder Kampagnen an anderen Orten starten, um die Infrastruktur der Hamas zu zerstören", wurde der israelische Militärchef in der "Times of Israel" zitiert. "Es wird eine Sisyphusarbeit sein."

Quelle: ntv.de, tkr/mbo/dpa/rts


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