Gefährliche Affenpocken-Mutante breitet sich aus

  08 Juli 2024    Gelesen: 525
  Gefährliche Affenpocken-Mutante breitet sich aus

Forschende blicken besorgt nach Zentralafrika: Die Demokratische Republik Kongo kämpft derzeit mit einer neuen Variante des Affenpockenvirus. Sie überträgt sich leichter von Mensch zu Mensch - und könnte im schlimmsten Fall zu einer globalen Bedrohung werden.

In Zentralafrika greift eine neue Variante des Mpox-Virus, auch Affenpockenvirus genannt, rasant um sich. Experten zufolge verbreitet sich der Erreger derzeit auf "besorgniserregende" Weise - und könnte im schlimmsten Fall per Flugzeug auch in Europa landen. Bei dieser neuen Variante handelt es sich um eine Mutation einer bestimmten Virusuntergruppe, der Clade I. Daher wird die Mutation als "Clade Ib" bezeichnet.

Die neue Affenpocken-Variante verursacht bei Erkrankten im Vergleich zu anderen Virusuntergruppen von Affenpocken schwerere Symptome, die auch länger anhalten. "Clade Ib" sei "zweifellos der gefährlichste aller bekannten Mpox-Stämme", sagte John Claude Udahemuka, Dozent an der Universität von Ruanda, auf einer Pressekonferenz Ende Juni. Die Sterblichkeit nach einer Infektion liegt demnach bei Erwachsenen bei fünf Prozent, bei Kindern bei zehn Prozent. Zudem wird das Virus auch von schwangeren Müttern auf deren Kinder übertragen und führt so vermehrt zu Fehlgeburten.

Virus infiziert wohl auch ohne intimen Kontakt

Vermutlich ist die Variante erstmals im September 2023 aufgetreten und breitet sich seitdem vor allem im Osten der Demokratischen Republik Kongo aus. Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation (Stand Mai 2024) haben sich in diesem Jahr dort bereits fast 8000 Menschen infiziert, 384 von ihnen sind gestorben. Dass Ende Mai auch im benachbarten Ruanda erste Fälle bekannt wurden, alarmierte die Forschenden. Denn ein möglicher Grund für die rasche Ausbreitung könnte die deutlich leichtere Übertragung von Mensch zu Mensch außerhalb von Haushalten sein.

Mpox-Viren werden nur durch direkten Kontakt von Haut oder Schleimhaut mit Körperflüssigkeiten übertragen, insbesondere im Rahmen sexueller Aktivitäten. Vieles deutet aber darauf hin, dass "Clade Ib" bei weniger intimen Kontakten deutlich schneller übertragen wird als bisherige Varianten. Wie schnell sich die neue Variante genau verbreitet und wie ansteckend sie im Detail ist, darüber weiß man bislang noch wenig. "Wir gehen davon aus, dass man ohne Beschwerden infiziert sein kann, und dabei andere anstecken kann", sagte Trudie Lang, Direktorin des Global Health Network an der Universität Oxford, in einem Briefing der WHO.

"Ich sehe eine reale Gefahr"

Sie und weitere Experten warnen nun davor, dass sich "Clade Ib" weltweit ausbreiten könnte. Bei dem betroffenen Gebiet in Zentralafrika handle es sich um eine instabile Region mit viel Grenzverkehr in die nahen Nachbarländer, sagte Charité-Infektiologe Leif Erik Sander dem "Deutschen Ärzteblatt". Neben Kongo und Ruanda seien auch in Burundi und Kamerun Mpox-Fälle nachgewiesen worden. Eine weitere überregionale Verbreitung der neuen Affenpocken-Variante hält der Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin für wahrscheinlich. "Ich sehe eine reale Gefahr, dass das Virus sich über kurz oder lang weltweit und auch in Europa verbreiten könnte", so Sander.

Vor zwei Jahren hatte es bereits einen Affenpocken-Ausbruch über Ländergrenzen hinweg gegeben. Die USA waren besonders stark betroffen. So infizierten sich dort 32.000 Menschen, 58 von ihnen starben. Auch in Deutschland gab es rund 3800 Fälle, jedoch ist hierzulande niemand an einer Infektion mit dem Affenpocken-Virus gestorben. Die WHO rief einen internationalen Gesundheitsnotstand aus, der im vergangenen Mai wieder aufgehoben wurde. Damals war der Auslöser allerdings die Affenpocken-Variante "Clade IIb". Die aktuelle Variante "Clade Ib" ist eine Mutation einer noch älteren Form von Mpox.

In Deutschland gibt es bislang keine Fälle mit "Clade Ib". "Wir gehen aktuell nicht von einer erhöhten Gefährdung in Deutschland aus", sagte Klaus Jansen, Infektionsepidemiologe am Robert-Koch-Institut (RKI), der "Apotheken Umschau". "Wir beobachten die Situation aber weiter sehr genau und passen unsere Empfehlungen bei Bedarf an."

Hochansteckende Pusteln

In den Symptomen unterscheiden sich die beiden Varianten kaum voneinander. Typisch sind Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. In seltenen, schwereren Fällen kann es auch zu Atemnot und Erblindung kommen. Charakteristisch für eine Affenpocken-Infektion sind zudem Bläschen und Pusteln auf der Haut. Diese zum Teil schmerzhaften Läsionen sind mit ansteckendem Sekret gefüllt und können stark jucken. Meist verkrusten diese Bläschen nach spätestens zwei bis drei Wochen und fallen schließlich ab.

"Infizierte sollten jede Art von engem Kontakt, auch geschützten sexuellen Kontakt (oral, anal, vaginal), mit anderen Menschen vermeiden, bis der Ausschlag abgeklungen und der letzte Schorf abgefallen ist", empfiehlt das RKI. Außerdem sollte bei Symptomen ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Es gibt auch eine Impfung gegen Affenpocken, die für einige Personen empfohlen wird.

Quelle: ntv.de


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