Die 25 Mitglieder des EZB-Rats werden an diesem Donnerstag diskutieren müssen, warum ihre Maßnahmen weitgehend verpuffen. Zwar steigt das Wachstum in der Euro-Zone leicht an, und auch die Banken vergeben etwas mehr Kredit. Doch bei einem Leitzins von 0,05 Prozent und einem Kaufprogramm in Billionenhöhe, hätte Europas Wirtschaft eigentlich einen fulminanten Kickstart hinlegen müssen. Das Wachstum stockt, und die EZB kann dagegen wenig ausrichten. Die Frustration der Notenbanker wird durch den Umstand gesteigert, dass die Inflation in der Euro-Zone sinkt, obwohl die Geldmenge steigt. Die EZB möchte eine Inflation von nahe zwei Prozent erreichen. Dieses Ziel verfehlt sie seit Jahren. Draghis Glaubwürdigkeit ist angekratzt.
Die EZB hat sich seit Beginn der Finanzkrise zu einer der wichtigsten Machtzentralen in Europa entwickelt. Die Notenbank kontrolliert als mächtiger Aufseher seit einem Jahr die größten Banken Europas. Die Experten der EZB sind auch mit an Bord, wenn die vereinbarten wirtschaftspolitischen Reformen in Griechenland überprüft werden. Draghi hat zudem am "Bericht der fünf Präsidenten" mitgearbeitet, in dem der konkrete Plan zur Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion formuliert wurde.
Die EZB, einst eine Schattenexistenz, mischt überall mit. Und wie das so ist, wenn alle Welt einen plötzlich hofiert: Es besteht die Gefahr, dass man sich überschätzt. Die EZB tut mehr, als ihr guttut.
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