Wo ist Khashoggis Leiche?

  21 Oktober 2018    Gelesen: 665
Wo ist Khashoggis Leiche?

Saudi-Arabien liefert im Fall von Jamal Khashoggi nur wenige überzeugende Informationen darüber, wie der Journalist zu Tode kam. Inzwischen dringen weitere Details an die Öffentlichkeit. Mehr Aufschluss könnte Khashoggis Leichnam geben, doch der ist angeblich unauffindbar.

Nach dem Eingeständnis Saudi-Arabiens, dass der Journalist Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat seines Landes getötet wurde, werden Fragen nach dem Verbleib seiner Leiche lauter. Freunde von Khashoggi fordern von den Behörden, die sterblichen Überreste zu übergeben.

Der US-Sender CNN berichtet, dass vor dem saudi-arabischen Konsulat unter anderem Turan Kislakci, der Chef der Arabischen Medienvereinigung der Türkei und Freund von Khashoggi, von Saudi-Arabien die Freigabe der Leiche verlangte. "Geben Sie uns Jamal, damit wir ihn beerdigen können. Damit alle Leute, die sich um ihn scheren, die Führer der Welt, zur Beerdigung nach Istanbul kommen können", sagte Kislakci.

Khashoggis Freunde hätten zunächst die Hoffnung gehabt, dass auch dieser Fall so ausgeht wie die mutmaßliche Verschleppung des libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri im November 2017. Hariri war in Riad festgehalten worden, konnte später aber körperlich unversehrt ausreisen. "Drei Tage später verloren wir die Hoffnung", betonte Kislakci. "Wir wollen Gerechtigkeit für Jamal." Die Festnahme von bisher 18 Verdächtigen sei nicht genug. Man fordere die Verhaftung derjenigen, die den Mord in Auftrag gaben.

Faustschlag oder Würgegriff?

In der saudi-arabischen Erklärung zu Khashoggis Tod hatte es geheißen, es sei bei einer Diskussion im Konsulat zu einer Prügelei gekommen, in deren Folge der 59-Jährige gestorben sei. Über den Verbleib der Leiche wisse man nichts. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete zuletzt unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten hochrangigen saudischen Regierungsvertreter, Khashoggi sei durch einen Würgegriff gestorben. Der Plan sei gewesen, Khashoggi notfalls in einem Versteck außerhalb Istanbuls festzuhalten, so der  saudische Regierungsvertreter. Er sollte aber "nach einer gewissen Zeit" wieder freigelassen werden, sollte er nicht nach Saudi-Arabien zurückkehren wollen.

Der Journalist habe sich jedoch widersetzt. "Sie haben versucht zu verhindern, dass er schreit." Dabei sei der Journalist gestorben. "Es war nicht die Absicht, ihn zu töten." Die Leiche sei in einen Teppich eingewickelt und in einem Auto des Konsulats weggeschafft worden. Sie sei an einen lokalen Helfer übergeben worden. Es werde versucht herauszufinden, wo sie entsorgt worden sei. Die türkischen Behörden suchen unter anderem in einem Waldstück bei Istanbul nach den sterblichen Überresten.

Türkische und US-Medien hatten berichtet, Khashoggi sei von einem saudi-arabischen Killerkommando in dem Konsulat gefoltert und ermordet worden. Sie beriefen sich auf Tonaufnahmen, die türkischen Sicherheitskräften vorliegen sollen. Im Anschluss an die Tat sei der Leichnam zerstückelt worden.

Trauerpost der Verlobten

Weltweit reagierten Regierungen und Diplomaten skeptisch auf die Erklärungen und forderten weitere Untersuchungen. US-Präsident Donald Trump sagte, er sei unzufrieden mit den Antworten aus Riad. Die EU-Außenbauftragte Federica Mogherini forderte "umfassende, glaubwürdige und transparente Ermittlungen". Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilten die gewaltsame Tötung Khashoggis "in aller Schärfe". Von Saudi-Arabien erwarteten sie "Transparenz im Hinblick auf die Todesumstände und die Hintergründe", hieß es in einer vom Auswärtigen Amt veröffentlichten gemeinsamen Erklärung.

Auch Khashoggis Verlobte, Hatice Cengiz, reagierte inzwischen auf die Todesnachricht. Bei Twitter postete sie ein Video, das bei der Aufnahme eines Interviews entstand. Khashhoggi beantwortet auf arabisch eine Frage, als eine Katze auf seinen Schoß springt. Khashoggi muss lachen, schließlich hebt ein Mann das Tier herunter. Cengiz schreibt dazu: "Sie haben Deine körperliche Präsenz aus meiner Welt genommen. Aber Dein schönes Lachen wird für immer in meiner Seele bleiben."

Der Kolumnist der "Washington Post" war vor einem Jahr aus Sorge vor Vergeltungsmaßnahmen durch das saudische Königshaus in die USA gezogen. Er wollte am 2. Oktober in dem Konsulat Dokumente für seine bevorstehende Hochzeit abholen. Seither galt er als vermisst.

Quelle: n-tv.de


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