Deutschland wird zum wichtigsten Gas-Hub für Europa

  12 Februar 2019    Gelesen: 698
Deutschland wird zum wichtigsten Gas-Hub für Europa

Die Europäische Kommission wird den Nord Stream 2 nicht kontrollieren. Unter diesen Bedingungen einigten sich Deutschland und Frankreich darauf, Änderungen der europäischen Gasrichtlinie zu genehmigen. Dies werde die Position des Projekts stärken, sagten Experten gegenüber Sputnik.

In Brüssel haben sich die EU-Staaten auf eine gemeinsame Position zu Nord Stream 2 geeinigt. Im Kern sieht der Kompromiss vor, dass dasjenige EU-Land für eine Pipeline aus einem Drittstaat zuständig ist, in dem die Leitung erstmals das europäische Netz erreicht. In diesem Fall ist es also Deutschland, was dem Projekt tatsächlich grünes Licht gibt. So werde Deutschland zum wichtigsten Gasdrehkreuz Europas, stellt der Professor an der Finanzuniversität, Leonid Krutakov, fest.

„Die Länder Europas, einschließlich Osteuropas, die früher Gas durch die Ukraine erhalten haben, können es jetzt über Deutschland erhalten. Die Preise und Konditionen von Gazprom mit konstanten Rabatten sind mit den Flüssiggaspreisen aus Australien, Neuseeland oder Katar nicht vergleichbar. Die europäische Industrie ist auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig, auch weil sie billiges russisches Gas erhält.“

Die Verabschiedung der Richtlinie mit den gemeinsamen Änderungsanträgen von Deutschland und Frankreich sei eine gute Nachricht für das Projekt Nord Stream 2 gewesen, unterstrich der Generaldirektor des Instituts für regionale Probleme, Dmitry Zhuravlev. Dies werde zweifellos die Position des Projekts stärken.

„Dies bedeutet, dass sowohl Deutschland als auch Frankreich das Projekt als wirtschaftlich tragfähig anerkennen, was sehr wichtig ist. In vielerlei Hinsicht wird das Projekt heute unter weit hergeholten Vorwänden behindert — angeblich ist dies ein politisches Projekt Russlands, das Europa durch Gasdiplomatie beeinflussen soll. Die Entscheidung in Brüssel wird die erhitzte Atmosphäre rund um Nord Stream 2 entschärfen und es ermöglichen, das Projekt unter ruhigeren Bedingungen fortzusetzten.“

Die weitere Position Deutschlands zu Nord Stream 2 werde auf jeden Fall unverändert  bleiben, meint der Politologe Dmitry Ofitserov-Belsky, „insbesondere weil ein großer Teil der Pipeline bereits gebaut wurde und niemand das Projekt aufgeben will“.  In der Haltung der Europäischen Kommission sieht er den Wunsch, nicht im Abseits zu bleiben: „Die Europäische Kommission möchte aktiver an europäischen Energieprojekten teilnehmen, aber Deutschland ist geneigt, diese Probleme eigenständig zu lösen. Das gefällt der EU- Kommission nicht. Innerhalb Europas gibt es einen Machtkampf um die Stärkung der Europäischen Kommission.“

Deutschland habe trotz starken Drucks von außen her den Wunsch gezeigt, bei der Verteidigung seiner nationalen Interessen unabhängig zu sein, betonte der Experte des Instituts für Weltwirtschaft, Wladimir Olenchenko, seinerseits. Als Flaggschiff der Europäischen Union sei Deutschland „nicht nur für das Wohlergehen der eigenen Bevölkerung und die nachhaltige Entwicklung seines Landes verantwortlich, sondern auch für stabile Prozesse in Europa“.

Gleichzeitig schließt der Experte nicht aus, dass die Gegner von Nord Stream 2 auch nach der Inbetriebnahme beider Stränge der Gaspipeline den Druck auf Europa nicht mindern werden. Deutschland hat eine starke konkurrenzfähige Wirtschaft, was von den Amerikanern selbst anerkannt wird. Daher werden die Amerikaner die Versuche, der Energiezusammenarbeit mit Russland entgegenzuwirken, nicht aufgeben.

Mit Nord Stream 2 sollen jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland an Drittstaaten wie der Ukraine oder Polen vorbei durch die Ostsee nach Deutschland transportiert werden. Ende 2018 waren bereits 370 Kilometer der 1200 Kilometer langen Pipeline verlegt.


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