Merkel zittert – und die Welt kriegt einen Krampfanfall

  19 Juni 2019    Gelesen: 849
  Merkel zittert – und die Welt kriegt einen Krampfanfall

Plötzlich ist die Wissenschaft wieder wichtig. Plötzlich interessieren sich alle Redaktionen für Tremor und Parkinson. So ganz allgemein, natürlich, und dann auch in Bezug auf die Kanzlerin. Es scheint, als könnte die Welt sich nicht schlafen legen, bevor sie eine Diagnose gestellt hat. Und ich habe dazu nur eine Frage.

Wir brauchen uns nicht vormachen, es ist nichts Neues: Nervöse Zuckungen unbekannter Herkunft im Staatsapparat haben bekanntlich öfter ganze Länder ergriffen. Manchmal hat ein Wort genügt und zehntausend Gerüchte rankten sich über Nacht drum und am andern Tag schlugen sich die Leute die Schädel drüber ein. Heute hat die Bundeskanzlerin gezittert und in den Redaktionen brennen die Leitungen.

Plötzlich ist es unglaublich wichtig zu erfahren, wie das nochmal mit dem Tremor war und wie sich Parkinson-Patienten geben. Neurodegenerative Erkrankungen – dieses abstoßende und langweilige Feld, in dem keine Verkaufszahlen blühen – rücken plötzlich auf zu der Königsdisziplin unter den Wissenschaften und das ist ja alles so schlimm und was kann man da machen?

Oder nehmen wir einmal die Pharmaindustrie mit ihren Medikamenten und deren Nebenwirkungen. Was nicht alles an Menschen schon erzittert ist, weil die falsche Pille auf der Zunge lag. Und welche nimmt man da besser nicht? Und welche nehmen Politiker öfters?

Vergessen wir auch nicht, was man über Beben in der Finanzwelt weiß. Was bedeutet so ein Zittern auf der Richterskala der Währungen? Trägt die Marke Merkel noch, was sie verspricht, lohnen Investitionen? Droht gar ein Börsencrash? Und wie sieht der DAX heute so ganz allgemein aus?

Aber Moment einmal, war die Erklärung nicht die Sommerhitze und Verdurstungserscheinungen in Berlin? Wie war das noch einmal mit den Nieren, dem Schwitzen und wann gilt man als ausgetrocknet? Denn: Die Menschen müssen sich doch richtig schützen bei der Hitze, man darf sie doch nicht so austrocknen als Presse, wo wäre da die Verantwortung.

Kurzum die gesamte Wissenschaftswelt wird mobilisiert, die gestern noch schnurzegal an einem vorbeizog und höchstens für Weltuntergangszenarien und Allheilmittelversprechungen taugte, und alle Facetten, beginnend bei dem schlimmsten, werden für einen einzigen Patienten aufgerollt.

Ja, wenn ein Oberhaupt so zittert und das Land in ergebener Dienstbereitschaft nach der Diagnose ringt, dann stellt sich mir nur eine Frage: Wer ist hier eigentlich der Patient und was ist die Diagnose?

sputniknews


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