Nissan-Chef schließt Auflösung der Allianz mit Renault nicht aus

  25 Juni 2019    Gelesen: 980
  Nissan-Chef schließt Auflösung der Allianz mit Renault nicht aus

Yokohama (Reuters) - Im Machtkampf mit Großaktionär Renault hat der japanische Autobauer Nissan seinen Aktionären wenig Hoffnung auf eine rasche Einigung gemacht.

Nissan wolle zwar das seit Jahren bewährte Verhältnis erhalten, sagte Hiroto Saikawa am Dienstag auf der Hauptversammlung in Yokohama. Wenn sich die Partnerschaft aber zum Nachteil von Nissan entwickle, könnte sie auch beendet werden. “Die Allianz war bis jetzt erfolgreich, weil wir die Unabhängigkeit des anderen respektiert haben”, sagte Saikawa. “Wenn aber die Beziehung eine Win-Lose-Beziehung wird, wird sie sich sehr schnell auflösen.” Mit Renault-Chairman Jean-Dominique Senard wolle er Optionen der Allianz diskutieren.

Ein Aktionär sprach die schlechte Beziehung der beiden Autobauer an und warf Senard, der auch stellvertretender Nissan-Chef ist, vor, die bei seinem Amtsantritt im April versprochenen Interessen von Nissan und seinen Mitarbeitern nicht wahrgenommen zu haben. Senard erklärte dazu: “Seit ich gekommen bin, habe ich alles getan, um die Beziehung eines Bündnisses zu verbessern, das sich in einem viel schlimmeren Zustand befand, als ich dachte. Ich hatte nicht die Absicht, gegenüber Nissan aggressiv zu sein.”

Von den Aktionären hagelte es derweil weitere Kritik: Saikawa konzentriere sich zu sehr darauf, Renault abzulehnen, statt Lösungswege für eine erfolgreiche Partnerschaft auf Augenhöhe zu finden. “Es gibt so viele Probleme im Zusammenhang mit der Allianz, die das Unternehmen beschäftigen, dass es eine Schande ist, dass Nissan sich nicht auf größere Probleme konzentrieren kann”, sagte Aktionär Hideyuki Tamura. “Wir müssen nicht fusionieren, aber ich bin besorgt, dass es unserer Führung möglicherweise an einer zukunftsorientierten Vision der Allianz mangelt.”

Das Verhältnis der beiden Partner ist in den vergangenen Monaten merklich abgekühlt, auch seit Ex-Chef Carlos Ghosn im vergangenen Jahr wegen möglicher finanzieller Verfehlungen verhaftet worden war. Der Renault-Konzern, der mehr als 43 Prozent an Nissan hält, hatte den Partner vor der Hauptversammlung unter Druck gesetzt und angedeutet, Nissans geplante neue Führungsstruktur auf dem Aktionärstreffen zu blockieren, sollte Renault nicht mehr Mitsprache bekommen. Saikawa räumte Renault-Chef Thierry Bollore daraufhin Sitze in seinen Nominierungs- beziehungsweise Prüfungsausschüssen ein.

Am Dienstag segneten die Aktionäre von Japans zweitgrößtem Autohersteller denn auch die neue Führungsstruktur mit einem elfköpfigen Vorstand ab. Sie bestätigten auch Saikawa im Amt. Die Stimmrechtsberater International Shareholder Services und Glass Lewis hatten den Nissan-Aktionären empfohlen, gegen die erneute Ernennung von Saikawa zu stimmen.


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