Sohn von südkoreanischem Ex-Minister läuft in den Norden über

  09 Juli 2019    Gelesen: 434
Sohn von südkoreanischem Ex-Minister läuft in den Norden über

Es klingt wie ein neuer Propaganda-Coup: Der Sohn des früheren Außenministers von Südkorea ist seinen Eltern in den Norden gefolgt. Nordkorea sei sein "wahres Vaterland" hieß es in einem Statement.

Mehr als 30 Jahre nach der Übersiedlung des früheren südkoreanischen Außenministers Choe Dok Shin nach Nordkorea hat dessen Sohn offensichtlich den gleichen Schritt getan. Choe In Guk sei am Samstag in Pjöngjang eingetroffen, teilte eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul mit. Choe habe aber nicht die erforderliche Reisegenehmigung der Regierung für einen Grenzübertritt nach Nordkorea gehabt.

Über eventuelle Absichten zum Überlaufen sei nichts bekannt gewesen. Südkoreaner, die ohne Genehmigung ins Nachbarland reisen, machen sich laut Gesetz strafbar.

Die offizielle nordkoreanische Propaganda-Website "Uriminzokkiri" hatte dagegen Choe mit den Worten zitiert, er wolle sich permanent in Nordkorea niederlassen, um den Wunsch seiner Eltern zu erfüllen, dort zu leben und sich für die Wiedervereinigung einzusetzen. In einem Statement nannte Choe Nordkorea demnach "mein wahres Vaterland". Auf der Website waren Videos zu sehen auf denen Choe offiziell mit Blumen willkommen geheißen wird und ein Statement abgibt.

Die Übersiedlung gilt auch als Propaganda-Coup für das abgeschottete Nordkorea, aus dem jedes Jahr zahlreiche Menschen wegen Unzufriedenheit mit der Regierung oder Armut flüchten. Berichte über Südkoreaner, die sich in den Norden absetzen, sind hingegen eher selten.

Es sei bekannt, dass sich 15 Südkoreaner seit 2013 nach Nordkorea abgesetzt hätten, sagte die Ministeriumssprecherin. Choe In Guk sei seit 2001 zwölf Mal mit Genehmigung nach Nordkorea gereist, entweder zu offiziellen innerkoreanischen Veranstaltungen oder aus persönlichen Gründen.

Der jetzige Schritt Choes machte auch deshalb Schlagzeilen, weil er der Sohn eines früheren Ministers ist. Choe Dok Shin war in den Achtzigerjahren Jahren mit seiner Frau nach Nordkorea ausgewandert, nachdem sie bereits 1976 in die USA übergesiedelt waren. Choe war von 1961 bis 1963 Außenminister unter dem Militärdiktator Park Chung Hee. Choe starb 1989 in Nordkorea, seine Frau starb vor drei Jahren.

Ihren Sohn hatte sie zuletzt im Jahr 2000 getroffen, bei einer von der Regierung organisierten Besuchsaktion in Südkorea. Laut südkoreanischen Medien hinterlässt Choe nach seiner Übersiedlung seine Frau und zwei erwachsene Kinder in Südkorea.

spiegel


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