Weltpremiere für den VW ID.3

  10 September 2019    Gelesen: 445
Weltpremiere für den VW ID.3

Mit der ID-Familie hat VW große Pläne: Man will Marktführer der weltweiten Elektromobilität werden. So jedenfalls heißt es am Vorabend der IAA in Frankfurt. Als ernsthaften Anwärter, um den Markt aufzurollen, präsentiert Volkswagen den ID.3 - eine Art stromernden Golf.

Bereits am Vorabend der IAA präsentiert VW sein Elektroauto fürs Volk und verkündet dabei fast als Randnotiz, dass man mit dem ID.3 und der kommenden ID-Familie "weltweiter Marktführer der Elektromobilität" werden wolle. Ein großes Ziel, das man sich da in Wolfsburg gesteckt hat, zumal der Auftritt mit einem klemmenden Vorhang doch etwas holprig von der Bühne ging. Aber egal, der Wagen zählt und das Ansinnen, die Welt schöner, grüner und vor allem CO2-frei zu machen.

Mit dem ID.3 soll es gelingen und der kompakte Stromer soll nach dem Willen von VW die elektrische und elektrisierende Alternative zum Golf sein. Dessen achte Auflage, die eigentlich auf der IAA gezeigt werden sollte, hat man dabei auch gleich geflissentlich hinten angestellt. Und in den Augen von VW braucht es den mit fossilen Brennstoffen betriebenen Bestseller aus längst verstaubten Zeiten auch gar nicht mehr. Der ID.3 erfüllt alle Ansprüche und Designchef Klaus Bischoff betont: "Mit dem ID.3 fährt Volkswagen in die Zukunft".

Ein Auto mit Gesicht

Und wie? Mit "einer neuen Formensprache und dem absolut intuitiven Fahrerlebnis", so Bischoff. Nun gut, zum Ersten lässt sich nach der Weltpremiere auf der IAA etwas sagen, zum Zweiten noch nicht. Um das zu untermauern, hat man zum Konzernabend Ina auf die Bühne gebeten. Das Mädchen gab, böse Zungen würden sagen, die Greta Thunberg des VW-Konzerns, und erklärte, wie sie sich ein Elektroauto für die Zukunft vorstellen würde. Währenddessen zeichnete Bischoff auf einem Tablet das "Gesicht" eines "lachenden Autos" mit lustiger VW-Nase. Am Ende war das was? Richtig, der ID.3.

Und bei aller Häme muss einfach mal zugegeben werden, dass das kompakte Elektroauto recht gefällig aussieht. Es hat ein freundliches Gesicht mit Scheinwerfern, die einen anzwinkern, wenn man sich dem Wagen nähert. Er hat einen weiten Radstand, der ein gutes Platzangebot für die Passagiere verspricht und einen ausreichenden Kofferraum. Gemessen an den Maßstäben, die man an einen Kompakten setzt, erfüllt der ID.3 alle Ansprüche. Und am Ende sieht er auch noch aus wie ein VW. Das darf und muss man als gelungen anerkennen.

Neues Logo, neuer Klang

Auch im Innenraum haben die Designer darauf geachtet, dass dieses Gefühl des Nach-Hause-Kommens, wenn man in den Wagen steigt, nicht verloren geht. Natürlich sind die Anzeigen- und Bedienelemente nicht mehr analog, sondern digital. Neben den Displays im Cockpit liefert ein zentral positioniertes Touch-Display mit einer Bilddiagonale von zehn Zoll dem Fahrer alle wichtigen Infos. Ebenfalls neu ist, dass sämtliche Bedienelemente - auch am Lenkrad - über Touch-Funktionen mit berührungssensitiven Tasten bedient werden. Lediglich die Fensterheber und die Warnblinkanlage werden noch über analoge Schalter bedient.

Selbstredend gibt es auch eine Sprachsteuerung, die bei Volkswagen "Natural Voice" heißt und mit "Hallo ID.3" zum Leben erweckt wird. Und noch was: VW hat mit dem ID.3 nicht nur ein neues Logo auf den Weg gebracht, das stark an das aus den 1960er-Jahren erinnert, sondern auch ein Sound-Logo erfunden. Das hat die Telekom seit gefühlt 20 Jahren und Audi mit dem Herzschlag nicht weniger lange, aber für VW ist auch das der Paukenschlag in ein neues mobiles Zeitalter. Und Paukenschlag ist hier nicht untertrieben. Warten Sie mal ab, wenn Sie es das erste Mal hören. Vielleicht schon in der kommenden ID.3-Werbung.

Unter 30.000 Euro für das Basismodell

So weit, so neu, aber wie weit geht es denn jetzt mit dem ID.3? Für die Basisversion verspricht VW einen nutzbaren Energiegehalt des Akkus von 45 kWh und damit eine Reichweite von 330 Kilometern nach WLTP. Für diese Version liegt der Preis bei unter 30.0000 Euro. Abzüglich der E-Auto-Prämie von 4000 Euro würde das Stromauto aus Wolfsburg also 26.000 Euro kosten. Wer mehr will, zahlt natürlich entsprechend mehr. Das gilt für die Ausstattung ebenso wie für den Akku. In der mittleren Variante mit 58 kWh geht es 420 Kilometer weit und wer die größte Batterievariante mit 77 kWh ordert, der kann sogar bis zu 550 Kilometer völlig emissionsfrei fahren, muss dann aber auch mit einem Preis über 40.000 Euro für den Stromer rechnen. Wer den Akku dann doch mal richtig leergefahren hat, der kann, so er denn eine Ladestation mit 100 kW findet, dem ID.3 innerhalb von 30 Minuten wieder Leben für 290 Kilometer einhauchen.

Das hört sich doch alles gar nicht schlecht an. Also ist der ID.3 nun endlich der ersehnte elektrische Volkswagen? Mitnichten. Die beiden Moderatoren, die launig durch den Abend führten, haben es nämlich erklärt: "Das Auto ist für dich perfekt", hieß es. "Du mit deinem Häuschen kannst über Nacht laden und am nächsten Tag fahren." Genau, kann er, aber was ist mit den Menschen, die in Mietwohnungen in Großstädten wohnen? Wird das Elektroauto etwas für einen elitären Kreis in den Speckgürteln der Städte? Und ist es dann noch ein Volkswagen? Ist das die neue Form der Mobilität, die nach Aussage von VW mit dem ID.3 an die Idee des VW Käfer anknüpft und alle mobilisieren soll?

Wie dem auch sei: VW hat mit dem ID.3 vorgelegt und wird andere Hersteller in Zugzwang bringen. Inwieweit sich hier ein entsprechend großes Publikum für den Wagen begeistert, wird sich zeigen. Und wer sich einen solchen Wolfsburger Stromer kauft, der muss am Ende nicht tonlos ums Eck zischen. Wer will, kann auf Knopfdruck den Klang der Millennium Falcon aus "Star Wars" imitieren. Na dann: "Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis ..."


Quelle: n-tv.de


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