Die Konsequenzen der Raffinerie-Brände

  16 September 2019    Gelesen: 425
Die Konsequenzen der Raffinerie-Brände

Nach einem Drohnenangriff auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien hat US-Präsident Trump die Freigabe von Öl aus den staatlichen Reserven, falls erforderlich, genehmigt. Jemenitische Huthis hatten sich zu dem Angriff mit zehn Drohnen bekannt. Die USA machen den Iran verantwortlich. Teheran bestreitet das.

Was ist passiert?

Am frühen Samstagmorgen hat ein Drohnenangriff Brände in zwei Raffinerie-Komplexen des saudischen Ölkonzernes Saudi Aramco in Churais und Abkaik ausgelöst Die Brände sind unter Kontrolle, haben jedoch einen Einbruch der Ölproduktion um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des täglichen Volumens nach sich gezogen. Das meldete die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA. Die Anlage in Abkaik gilt als das Zentrum der saudischen Ölindustrie, Saudi Aramco bezeichnete die Raffinerie als größte Rohölstabilisierungsanlage der Welt.

Welche Auswirkungen hat der Einbruch der Ölproduktion?

Nach Einschätzungen des Mineralölwirtschaftsverbandes MWV werden sich die Auswirkungen für Deutschland in Grenzen halten. Aus Saudi-Arabien komme kaum Öl nach Deutschland, die Gefahr für einen Engpass bestehe nicht, erklärte ein Sprecher des Verbandes. Auch die Internationale Energieagentur IEA in Paris sieht derzeit keine Versorgungsengpässe für den weltweiten Markt.

Die Ölpreise stiegen als Reaktion auf den Drohnenangriff zwischenzeitlich um bis zu 20 Prozent, sanken dann aber wieder. Der Preis der Nordseesorte Brent erhöhte sich zwischenzeitlich um 6,60 Dollar auf 66,82 Dollar, also um etwa 11 Prozent. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate stieg um 5,34 Dollar auf 60,19 Dollar, als um knapp 10 Prozent.

Der Präsident des Forschungsinstituts Ifo, Clemens Fuest, geht davon aus, dass sich der Ölpreis schnell wieder normalisieren wird. Dauerhaft steigende Ölpreise und eine Belastung für die Konjunktur seien nur zu erwarten, wenn das Ölangebot auch dauerhaft verknappt werde, erklärte er im Interview mit dpa.

Mele Kari, Chef des staatlichen nigerianischen Ölförderers Nigerian National Petroleum Corporation, schätzt die Lage deutlich ernster ein. Er sprach von einer „großen Herausforderung für den Ölmarkt“.

Wer steht hinter den Drohnenangriffen?

Die Huthi-Rebellen im Jemen haben sich zu dem Angriff bekannt. Es handele sich um eine „legitime Antwort“ auf die Militärpräsenz Saudi-Arabiens im Jemen. Saudi-Arabien steht an der Spitze einer von den USA unterstützen Militärkoalition, die gegen die Huthis kämpft. Die Rebellen-Organisation kontrolliert große Teile des Nordjemens, inklusive der Hauptstadt Sanaa. Sie wird vom Iran unterstützt. In den vergangenen Monaten hatten die Huthis schon mehrfach Ölpipelines und Flughäfen in Saudi-Arabien mit Drohnen angegriffen.

US-Außenminister Pompeo machte dagegen den Iran für die Angriffe verantwortlich. Auf Twitter schrieb er, der Iran habe einen „beispiellosen Angriff auf die Weltenergieversorgung ausgeübt“. Es gebe „keine Beweise“, dass die Angriffe aus dem Jemen kamen, so Pompeo weiter.

US-Präsident Trump twitterte als Reaktion, man glaube zu wissen, wer der Schuldige sei. Die USA seien „locked and loaded“ – und warteten nun auf Meldung aus Saudi-Arabien, wen das Königreich als Verursacher der Attacke ausmache.

Welche Reaktionen gibt es bislang auf internationaler Ebene?

Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Mogherini verurteilte die Angriffe auf die Raffinerien und sprach von einer „realen Bedrohung“ der Sicherheit in der Region. Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Griffiths, warnte vor einer Eskalation auf der arabischen Halbinsel. Auch eine Sprecherin des Auswärtigen Amts erklärte, die Attacken seien durch nichts zu rechtfertigen. Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit bezeichnete die Angriffe als terroristischen Akt.

deutschlandfunk


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