Erste Box-Olympiasiegerin beendet Karriere - weil sie um ihr Augenlicht fürchtet

  06 November 2019    Gelesen: 408
  Erste Box-Olympiasiegerin beendet Karriere - weil sie um ihr Augenlicht fürchtet

Sie gewann zweimal Olympia-Gold und einen WM-Titel, doch nun ist Schluss: Die Boxerin Nicola Adams beendet ihre Karriere. Sie spricht von "irreparablen Schäden", die ihr drohten, würde sie weiterkämpfen.

Ihren wohl größten Moment als Sportlerin erlebte die Britin Nicola Adams am 9. August 2012. Bei den Olympischen Spielen in London siegte die Boxerin im Finale der Fliegengewichtsklasse vor einem begeisterten Heimpublikum gegen Ren Cancan und sicherte sich so die erste Goldmedaille, die bei Olympia an eine Frau vergeben wurde. Es waren die ersten Spiele, bei denen auch Frauen um Boxmedaillen kämpften.

Ihren Olympia-Triumph wiederholte sie vier Jahre später in Rio de Janeiro, zudem holte sie sich 2016 auch den WM-Titel. 2017 wurde sie Profi, aktuell hält sie den WBO-Titel im Fliegengewicht. Doch nun muss die 37-Jährige ihre Karriere beenden - um ihre Gesundheit zu schützen. In einem offenen Brief in der "Yorkshire Evening Post" schreibt sie, dass ihr der Verlust des Augenlichts drohe, sollte sie weiterkämpfen.

"Man hat mir gesagt, dass jede weitere Einwirkung auf mein Auge wahrscheinlich zu irreparablen Schäden und dem permanenten Verlust der Sehkraft führen würde", schrieb Adams. Sie sei stolz auf ihre Erfolge, aber diese hätten Spuren an ihrem Körper hinterlassen. Adams boxt seit ihrem zwölften Lebensjahr.

Die Themen Gesundheit und Sicherheit im Frauenboxen werden derzeit kontrovers diskutiert. Im Rahmenprogramm der Männer-WM zwischen Saúl "Canelo" Álvarez und Sergey Kovalev am vergangenen Wochenende in Las Vegas boxten die US-Amerikanerinnen Seniesa Estrada und Marlen Esparza über zehn Runden. Das Besondere: Die Runden waren wie bei den Männern auf drei Minuten angesetzt.

Üblicherweise boxen Frauen nur zwei Minuten pro Runde. Begründet wird die kürzere Kampfdauer mit medizinischen Studien, die besagen, dass Frauen eine schwächere Nackenmuskulatur haben und schneller dehydrieren als Männer. Dadurch haben sie ein höheres Risiko, bei längerer Kampfdauer Gehirnerschütterungen zu erleiden.

Vor dem Hintergrund der Häufung von Todesfällen im Männerboxen wurde die Entscheidung, Estrada und Esparza über zehnmal drei Minuten boxen zu lassen, von einigen Verbänden scharf kritisiert. Es gibt aber auch Aktive, Funktionäre und Fans, die im Sinne der Gleichberechtigung eine Anpassung der Rundenzeiten auf Männerniveau fordern.

Sie argumentieren, dass längere Kämpfe spektakulärer seien und sich besser vermarkten ließen, weil es dann vermutlich mehr K.o. gäbe. Dadurch könnten Frauen höhere Kampfbörsen einfordern. Bislang verdienen Boxerinnen im Schnitt deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen, weil Frauenkämpfe seltener im Fernsehen übertragen werden.

spiegel


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