Kaffee offiziell als lebensnotwendiges Gut anerkannt – Schweiz behält Vorräte für Krisen

  12 November 2019    Gelesen: 709
    Kaffee offiziell als lebensnotwendiges Gut anerkannt   – Schweiz behält Vorräte für Krisen

Ist Kaffee eine Art Luxusgut, auf das in Krisensituationen ruhig verzichtet werden kann, oder ist er doch lebensnotwendig und muss daher tonnenweise für die Bevölkerung vorrätig gehalten werden? In der Schweiz scheint die politische Entscheidung dazu gefallen zu sein. Kaffee-Liebhaber dürfte das freuen.

Wie der schweizerische „Tages-Anzeiger“ unter Berufung auf „zwei gut informierte Quellen“ berichtet, bleiben Kaffeebohnen auf der Liste der lebensnotwendigen Nahrungsmittel, die für den Notfall eingelagert werden müssen.

Damit muss auch im Krisenfall die Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit Koffein gewährleistet werden. Ob dies notwendig ist, hatte zuletzt der schweizerische Bundesrat angezweifelt, konnte sich allerdings anscheinend nicht durchsetzen.

Den Meldungen zufolge hat das Mitglied des Schweizerischen Bundesrates, Guy Parmelin, dessen Departement für das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung zuständig ist, entsprechende Pläne des Verzichts auf Kaffee zurückgezogen. Der SVP-Politiker soll die Recherchen des „Tages-Anzeiger“ mit den Worten „Espresso, what else?“ bestätigt haben.

Konkret ging es bei dem Gezeter um die „Verordnung über die Pflichtlagerhaltung von Nahrungs- und Futtermitteln“. Diese regelt, welche Güter in der Schweiz für Krisensituationen dauerhaft eingelagert werden müssen.

Zurzeit zählen dazu beispielsweise Zucker, Reis, Speiseöl und Speisefett, Getreide – und eben auch Kaffeebohnen.

Laut dem „Tages-Anzeiger“ werden davon zurzeit rund 15.000 Tonnen in verschiedenen Lagern rund um die Schweiz bereitgehalten, um im Falle einer Krise, sei es Krieg oder Naturkatastrophe, an die Bevölkerung ausgegeben zu werden.

Streit um Kaffee als Krisengut
Was sich gut anhört, kostet allerdings auch etwas. So soll diese koffeinhaltige Notfallreserve rund 2,5 Millionen Franken jährlich kosten – finanziert durch verschiedene Abgaben.

Der Kostenfaktor dürfte sicherlich eine Rolle gespielt haben, als das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung den Sinn dieser Kaffeelagerung anzweifelte. Kaffee könne „aus ernährungsphysiologischer Sicht aufgrund seines fehlenden Nährwerts keinen Beitrag zur Nahrungsenergieversorgung leisten“.

Kaffee sei kein „lebensnotwendiges Gut“, so das Amt.
Doch diese Einschätzung bekam ordentlich Kritik. Die „Interessengruppe Kaffee Schweiz“ erklärte, dass Kaffee als „Motivator und Leistungsförderer“ wichtig für die Schweizer Bevölkerung sei und daher nicht von der Liste der zu bevorratenden Lebensmittel gestrichen werden dürfte.

„Das Pflichtlager Kaffee erlaubt eine Systemstabilität im Krisenfall – nicht nur in der Schweiz, aber auch in den exportierenden Ländern, wo jederzeit logistische Verzögerungen und Probleme durch politische oder klimatische Gründe auftauchen können“, heißt es dazu in einem Dokument.
In der Tat, der Kaffeeverbrauch der Schweiz lässt sich sehen. Laut der Interessenvereinigung Procafé verbraucht jeder Schweizer im Schnitt acht Kilogramm Rohkaffee pro Jahr – nur die skandinavischen Länder sowie Österreich trinken weltweit mehr davon.

Offenbar ist die Politik dieser Argumentation gefolgt. Kaffee bleibt in schweizerischen Lagern für Krisenfälle vorhanden.

sputniknews


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