Harvard und Yale haben offenbar ausländische Zuwendungen nicht deklariert

  13 Februar 2020    Gelesen: 197
Harvard und Yale haben offenbar ausländische Zuwendungen nicht deklariert

Es geht um Hunderte Millionen Dollar: Das US-Bildungsministerium untersucht zwei Top-Universitäten, die fahrlässig mit Geschenken aus dem Ausland umgegangen sein sollen.

Kostspielige Geschenke und Verträge in Millionenhöhe: Seit Monaten untersuchen Mitarbeiter des US-Bildungsministeriums, wie Hochschulen des Landes mit Zuwendungen aller Art aus dem Ausland umgehen. Nun hat die Behörde zwei der weltweit renommiertesten Universitäten ins Visier genommen: Harvard und Yale.

Wie das "Wall Street Journal" zuerst berichtete, sollen die beiden Unis, die zur prestigeträchtigen Ivy League gehören, Geld von Ländern und Firmen bekommen haben, ohne dies ordnungsgemäß zu deklarieren. Nach dem US-Hochschulgesetz müssen amerikanische Top-Universitäten jedoch zweimal jährlich ausländische Geschenke und Verträge offenlegen, wenn sie eine Höhe von 250.000 US-Dollar übersteigen.

Allein im Fall der Yale-Universität geht es laut dem Ministerium um 375 Millionen US-Dollar. Das Ministerium forderte unter anderem Unterlagen zu Zuwendungen aus Saudi-Arabien, China oder der chinesischen Firma Huawei an. Bei Harvard nannte die Behörde keine Summe, wie die "New York Times" berichtet. Es gebe jedoch Hinweise, dass der Universität "institutionelle Kontrollen" fehlten, weshalb die gemeldeten Zuwendungen womöglich unvollständig seien

"Es geht um Transparenz", teilte US-Bildungsministerin Betsy DeVos dem Bericht zufolge mit. "Wenn Colleges und Universitäten Geschenke akzeptieren, dann haben Studenten, Spender und die Steuerzahler ein Recht darauf zu erfahren, von wem und wie viel."

Yale muss nun Dokumente zu den fraglichen Zuwendungen einreichen. Ein Sprecher der Hochschule sagte, man prüfe die Anfrage und bereite sich eine Antwort vor. Ähnlich äußerte sich ein Harvard-Sprecher in der "New York Times".

Renommierter Forscher im Visier
In Harvards Fall könnte die Untersuchung wegen einer Affäre um Charles Lieber ins Rollen gekommen sein. Lieber ist einer der führenden Wissenschaftler auf dem Feld der Nanotechnologie und Leiter der Fakultät Chemie. Ende Januar war er von der US-Bundesanwaltschaft angeklagt worden. Ihm wird laut "Bloomberg" vorgeworfen, seine Hochschule und Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums über Spenden aus China belogen zu haben. Harvard nannte die Vorwürfe "äußerst ernst" und beurlaubte Lieber auf unbestimmte Zeit; Liebers Anwalt gab keinen Kommentar ab.

Harvard und Yale sind nur die letzten einer Reihe von Universitäten, die unter Verdacht geraten sind, Zuwendungen aus dem Ausland nicht richtig deklariert zu haben. Ein Untersuchungsausschuss des US-Senats zum Einfluss Chinas auf das US-Bildungssystem kam zu dem Schluss, Zuwendungen an Hochschulen seien ein "schwarzes Loch". Die Institute missachteten regelmäßig das Gesetz.

Das US-Bildungsministerium durchleuchtet die Universitäten seit Juli 2019 - und seitdem wurden Zuwendungen in Höhe von 6,5 Milliarden US-Dollar nachgemeldet.

spiegel


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