Triumph Street Triple R 765 - Drilling mit Doppelleben

  04 Auqust 2020    Gelesen: 471
Triumph Street Triple R 765 - Drilling mit Doppelleben

Gemütlich langsam oder rasend schnell - die neue Triumph Street Triple R kann beides und vermittelt viel Motorradgefühl. An einigen Stellen hat der Hersteller allerdings gespart.

Der erste Eindruck: Das Motorrad wirkt zierlich, doch der grimmige Blick der Scheinwerfer darüber macht die Maschine geheimnisvoll. Ist sie Dr. Jekyll oder Mr. Hyde?

Das sagt der Hersteller: Willkommen in der Motorradmittelklasse mit ihren Maschinen unter 1000 ccm und um die 100 PS, die wenig wiegen und leicht zu fahren sind. Solche Motorräder spielen im Triumph-Produktportfolio eine erhebliche Rolle. Mit der Street Triple bedient die englische Marke die sportliche Kundschaft in dem Segment, 2007 brachte Triumph das Bike auf den Markt, seitdem liegt sie in den Verkaufszahlen der Firma immer unter den Top 3. Solche unverkleideten, dennoch sportlich-schnellen Motorräder kommen gut an, sie stehen für pure Motorradlust.

"Die Street Triple war das erste Naked Bike in der mittleren Hubraumklasse, das direkt von einem vollverkleideten Supersportler abstammt, der Daytona 675", sagt Triumph-Sprecher Uli Bonsels. Auf Naked Bikes trifft der Wind frontal auf den Helm und der Blick auf den Motor ist frei.

Im vergangenen Jahr verkaufte Triumph 510 Stück davon in Deutschland und 353 Speed Triple. Das ist die große Schwester mit 1050 ccm. "Die Kleine hat nur 765 ccm, lief im Verkauf aber immer besser, weil sie leichter, sportlicher und günstiger ist", sagt Bonsels. Die beiden optischen Schwestern haben Dreizylindermotoren, also einen ungewöhnlichen Antrieb. Von der Street Triple bietet Triumph mit den Modelle S, R und RS drei Varianten an. Wir sind die R gefahren.

Das ist uns aufgefallen: Die optisch und technisch überarbeitete Street Triple R hat nun LED-Lichter. Die sind heller und moderner als Halogenlampen. Über dem Doppelscheinwerfer sind auf beiden Seiten Tagfahrlichter eingebaut. Die wirken wie grimmig zusammengezogene Augenbrauen. Faszinierend, wie viel Design mit nützlicher Technik machbar ist. Quickshifter und Anti-Hopping-Kupplung sind nun Standard im neuen Modell. Beides bedingt sich geradezu. Der Schaltassistent lässt ein schnelles Hoch- und Runterschalten ohne Ziehen des Kupplungshebels zu. Die Anti-Hopping-Kupplung verhindert konsequent, dass das Hinterrad bei starkem Bremsen und gleichzeitig schnellem Herunterschalten hüpft ("stempelt") und das Motorrad instabil macht.

Der kleine Motor ist überraschend stark, und zwar bauartbedingt. Als Dreizylinder verbindet er Vorteile von Zwei- und Vier-Zylindern: Er ist aus niedrigen Drehzahlen kräftig wie ein Zweizylinder aber ohne dessen ruppigen Rundlauf, andererseits ebenso drehfreudig wie ein Vierzylinder. Hohe Drehzahlen sind bei dem kleinen Zylindervolumen allerdings auch notwendig, um die maximale Leistung zu entfalten, die bei 12.000 Umdrehungen pro Minute anliegt. Aus dem Stand geht bei der Street Triple nicht viel, bei hohen Geschwindigkeiten ist die Street Triple eine rasende Drehmaschine. Je höher der Motor dreht, umso mehr klingt er nach einem sanften Sechszylinder. Und so geschmeidig fährt sich das Motorrad auch.

Die Street Triple hat eine Leichtigkeit, die fasziniert. Man muss kein erfahrener Biker sein, um mit dem Motorrad auf Anhieb klarzukommen. Motor, Getriebe und Fahrwerk harmonieren, das gibt Sicherheit beim Fahren. Kein Teil ist überfordert, keines unterfordert, die Steet Triple wirkt wie aus einem Guss. Sie fährt unbeirrt durch Kurven, stur geradeaus und die Bremsen halten sie völlig in Zaum. Die Sitzposition ist leicht nach vorne geneigt, zwischen sportlicher und komfortabler Haltung. Es ist eine Art Lauerposition, wenn aus dem angesehenen Arzt Dr. Jekyll nach Anbruch der Dunkelheit der brutale und ungehobelte Mr. Hyde wird.

Das muss man wissen: Die Street Triple R ist das Modell zwischen S und RS. Die drei Triple unterscheiden sich in Ausstattung und Leistung. Die S ist für Einsteiger und Wiedereinsteiger gedacht. Sie hat als einzige im Trio einen Motor mit 660 ccm, wird ab Werk mit 35 kW ausgeliefert und ist für Motorradeinsteiger gedacht. Die RS ist als rennstreckentaugliche Variante die Speerspitze der Street Triple Baureihe mit dem stärksten Motor, der 90 kW (123 PS) hat. Die R dazwischen ist weder aggressiv noch gezähmt - sie ist die goldene Mitte, mit kräftigem Motor, guter Serienausstattung und dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis des Triple-Trios. Ein Motorrad für alle Fälle.

Der Preis der R liegt mit knapp 10.000 Euro um rund 1000 Euro unter dem des Vorgängermodells. Mehr Motorrad für weniger Geld - geschafft hat das Triumph durch eine Umfrage unter potenziellen Kunden nach deren Ausstattungswünschen. Dabei stellte sich heraus, dass teure TFT-Displays unten auf der Wunschliste stehen. Die Konsequenz war, konventionelle und damit günstigere LCD-Anzeigen zu verbauen.

Keinesfalls preistreibend wirkt der Austritt Großbritanniens aus der EU. Fast alle Motorräder von Triumph werden in Thailand gebaut, Preiserhöhungen aufgrund von Brexit-bedingten Zöllen und Steuern sind ausgeschlossen. Nur noch die wenigen und exklusiven Sondermodelle Factory Custom stammen aus dem Stammwerk in Hinckley inmitten von England.

Hersteller:
Triumph Motorcycles
Typ:
Street Triple R
Karosserie:
Motorrad
Motor:
Dreizylinder-Reihenmotor
Getriebe:
Sechsgang mit Schaltassistent
Hubraum:
765 ccm
Leistung:
87 kW / 118 PS bei 12.000 U/min
Maximales Drehmoment:
77 Nm bei 9.400 U/min
Höchstgeschwindigkeit:
241 km/h
Gewicht:
168 kg, trocken
Tankinhalt:
17,4 l
Emissionen:
119 g/km CO2
Preis:
ab 9.450 Euro

Das werden wir nicht vergessen: Aus der sanften Street Triple wird ein schnelles Biest, sobald sich die Drehzahl dem fünfstelligen Bereich nähert. Dann geht es dermaßen zügig voran, dass einem klar wird, was Triumph mit dem Versprechen meint, die Street Triple sei ein Motorrad sowohl für die Straße als auch für die Rennstrecke. Überzeugt hat sie aufgrund ihrer Ausgeglichenheit bei jeder Drehzahl - als Dr. Jekyll und als Mr. Hyde.

spiegel


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