Lukaschenko spricht vage von Abschied

  28 November 2020    Gelesen: 148
  Lukaschenko spricht vage von Abschied

Seit der umstrittenen Wahl Anfang August kommt es in Belarus zu Massenprotesten gegen Machthaber Lukaschenko. Der spricht nun von einem möglichen Abgang. Kritiker halten das für ein Manöver.

Nach einem Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow in Belarus hat Präsident Alexander Lukaschenko die Pläne für eine neue Verfassung bekräftigt und auch seinen Abschied in Aussicht gestellt. »Mit der neuen Verfassung werde ich schon nicht mehr als Präsident arbeiten«, sagte Lukaschenko der Staatsagentur Belta zufolge in Minsk.

Der belarussische Machthaber ließ allerdings offen, wann das sein wird. Lawrow hatte am Donnerstag in Minsk darauf gedrungen, die Reformen anzugehen. Wann Lukaschenko diese konkret umsetzen will, ist ebenfalls unklar. Immer wieder spricht er von Verfassungsreformen, einen konkreten Zeitplan nannte er bisher aber nicht.

Lukaschenko sicherte nun zu, dass die neue Verfassung die bisher fast unbegrenzten Vollmachten des Präsidenten einschränken werde. Gestärkt werden sollen dafür die Rollen des Parlaments und der Regierung. Kritisch äußerte er sich zur Gründung neuer Parteien und zu einer Parlamentswahl nach Parteilisten. Das führe nur zur Bildung von Interessensgruppen und zu einer Spaltung der Gesellschaft.

Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl am 9. August, nach der er sich nach 26 Jahren im Amt wieder zum Sieger erklären ließ, gibt es Massenproteste und Streiks gegen ihn. Einen Rücktritt oder eine Machtübergabe hatte Lukaschenko wiederholt abgelehnt.

Der Minsker Politologe Waleri Karbelewitsch glaubt, dass Lukaschenko sich weiterhin alle Optionen offen halte. »Die Ankündigung, nach der neuen Verfassung nicht wieder zur Wahl anzutreten, ist eine Nebelkerze«, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. »Lukaschenko lässt offen, wann es diese Verfassungsreform gibt und wer sie umsetzt.«

Lukaschenko laviere seit Monaten und habe fest den Wahltermin 2025 im Blick. Bis dahin wolle er weiter regieren. Alles, was bisher über die bisher »geheimen Pläne zur Verfassungsänderung« bekannt sei, laufe nicht auf einen Wandel hinaus, betonte Karbelewitsch.

Die Demokratiebewegung mit der 38-jährigen Swetlana Tichanowskaja an der Spitze fordert weiter den Rücktritt Lukaschenkos, ein Ende der Polizeigewalt, die Freilassung aller politischen Gefangenen und baldige Neuwahlen. Tichanowskaja, die im Exil in der EU ist und von vielen als wahre Siegerin der Präsidentenwahl gesehen wird, rief zu neuen Protesten auf. An diesem Sonntag sind in Minsk und anderen Städten wieder Aktionen gegen Lukaschenko geplant.

spiegel


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