Einreiseverbote sind absolut richtig

  30 Januar 2021    Gelesen: 355
Einreiseverbote sind absolut richtig

Nationale Alleingänge waren zu Beginn der Corona-Pandemie nicht hilfreich. Ein Einreiseverbot wird auch nicht verhindern, dass mutierte Viren nach Deutschland gelangen. Das ist jedoch kein Grund, auf das Verbot zu verzichten.

Die Schulen geschlossen, viele Beschäftigte im Homeoffice, private Kontakte eingeschränkt, Einzelhandel, Gastronomie und andere Betriebe seit Monaten dicht. Nur der Reiseverkehr läuft, obwohl sich Virus-Mutanten immer stärker in immer mehr Ländern ausbreiten? Diese Situation ist absurd. Dass die Bundesregierung hier etwas tut, war überfällig.

Natürlich können und sollten die Grenzen nicht einfach dicht gemacht werden; zu hoch wären die Kollateralschäden. Doch gerade bei Flugreisen scheint Deutschland in den vergangenen Monaten lange geschlafen zu haben: Während Passagiere nach ihrer Ankunft in anderen Ländern Tests nachweisen mussten oder sogar in Quarantäne gesteckt wurden, geschah hierzulande häufig nichts dergleichen.

Umso besser, wenn die Bundesregierung bei diesem Thema nicht auf die EU wartet, sondern selbst entscheidet. Sicher ist richtig, dass ein gemeinsames europäisches Vorgehen besser wäre. Richtig ist auch, dass die nationalen Alleingänge zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 keine Folge kluger Abwägung waren, sondern hastig und unüberlegt. Ebenso trifft es zu, dass es sicherlich nicht gelingen wird, alle Einreisen aus Mutationsgebieten zu stoppen.

Nichts davon ist jedoch ein Grund, zu warten, bis es zu spät ist. Wenn Einreisen aus den fünf Mutationsgebieten, aus Großbritannien, Irland, Portugal, Südafrika und Brasilien, auch nur reduziert werden können, dann ist schon viel gewonnen. Leider ist unklar, ob die Maßnahme zu spät kommt oder gerade noch rechtzeitig. Erst am Vortag sagte Virologin Melanie Brinkmann, noch immer werde in Deutschland nicht genug sequenziert und getestet, um zu wissen, wie verbreitet die neuen Virus-Varianten hierzulande sind. "Wir sind hier absolut im Blindflug", sagte sie. Da ist es doch besser, man hebt gar nicht erst ab.

Im Positionspapier, das Brinkmann und andere am Donnerstag vorstellten, wird die Reduzierung von Reisen im Inland und über Grenzen hinweg als eine von mehreren Maßnahmen empfohlen. Wenn grenzüberschreitend gereist wird, dann nur mit Tests und - bei Reisen aus Ländern mit hohen Infektionszahlen oder gefährlichen Virus-Varianten - klaren Quarantäneregeln. Bislang scheut sich die Bundesregierung davor, über langfristige Strategien zu sprechen. Aber dass die Wahrscheinlichkeit nahe null ist, dass in den kommenden Osterferien Flugreisen ohne langwierige Quarantäne möglich sind, sollte die Politik schon jetzt klar kommunizieren - auch wenn den meisten das ohnehin längst klar ist.

Quelle: ntv.de


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