Frankreich setzt Johnson & Johnson ein

  15 April 2021    Gelesen: 392
Frankreich setzt Johnson & Johnson ein

Noch ist unklar, ob der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson in seltenen Fällen gefährliche Blutgerinnsel verursacht. Die Europäische Arzneimittelbehörde will kommende Woche ihr Gutachten dazu vorstellen, auch die US-Behörden brauchen Zeit. Viele EU-Staaten warten deshalb ab, Frankreich geht ins Risiko.

Frankreich hält an der Impfung mit dem Präparat des Herstellers Johnson & Johnson fest. Es würden, wie geplant, Menschen im Alter von über 55 Jahren geimpft, erklärte Regierungssprecher Gabriel Attal nach einer Kabinettssitzung in Paris. Eine erste Lieferung mit rund 200.000 Impfdosen sei im Land bereits eingetroffen.

Andere EU-Staaten wie Italien, die Niederlande, Schweden und Dänemark werden das Mittel dagegen vorerst nicht anwenden. Sie wollen das abschließende Gutachten der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) abwarten, bevor sie ihre Impf-Kampagnen fortsetzen. Das Bundesgesundheitsministerium hat sich in der Frage noch nicht positioniert.

Der US-Pharmakonzern hatte am Dienstag mitgeteilt, dass er den Marktstart seines Impfstoffs in Europa verzögert. Man habe Berichte über Sinusvenenthrombosen erhalten und sich für die Verzögerung entschieden. Der Konzern stehe in engem Kontakt mit den zuständigen Gesundheitsbehörden. Er empfiehlt, bereits gelieferte Dosen vorerst nicht zu nutzen.

USA entscheiden frühestens nächste Woche

Die EMA will ihr Gutachten über Thrombosen, die mutmaßlich durch das Mittel von Johnson & Johnson verursacht werden, nächste Woche abgeben. Die Prüfung werde beschleunigt, teilte die Behörde in Amsterdam mit. Bis zu der Entscheidung könne der Impfstoff aber weiter uneingeschränkt eingesetzt werden. Die EMA hält ähnlich wie beim Mittel von Astrazeneca daran fest, dass die "Vorzüge des Impfstoffs, Covid-19 zu verhindern", höher zu bewerten sind als die Risiken von Nebenwirkungen.

Die EMA hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, dass sie sehr seltene Fälle von Blutgerinnseln in Hirnvenen nach Impfungen mit dem Mittel von Johnson & Johnson untersucht. Bisher sind ihr sechs Fälle bekannt. Alle traten in den USA auf, wo bereits rund 6,8 Millionen Personen mit dem Vakzin geimpft wurden. Die US-Behörden hatten am Dienstag die Nutzung ausgesetzt, bis ein Zusammenhang geklärt ist. In der EU ist der Impfstoff zwar zugelassen, die erste Lieferung aber erst in dieser Woche angekommen.

Auch die zuständige US-Behörde erwartet, dass die Pause noch mindestens eine Woche andauert. Das Beratungskomitee für Impfungen, Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP), verschob am Mittwoch seine Abstimmung darüber, wie mit dem Impfstoff weiter verfahren werden soll. Man habe noch nicht genug Informationen über das Risiko dieser ungewöhnlichen Nebenwirkungen, hieß es. Es könne daher noch nicht entschieden werden, ob Impfungen mit dem Mittel von Johnson & Johnson fortgesetzt, abgesetzt oder nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen empfohlen werden sollten. Das ACIP erwartet, sich in ein oder zwei Wochen zu treffen, um das Thema erneut zu besprechen.

Quelle: ntv.de, chr/dpa/DJ


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