Lindner: "Es gibt Chancen für neuen Wohlstand"

  13 Mai 2022    Gelesen: 333
Lindner: "Es gibt Chancen für neuen Wohlstand"

Deutschland ist im Krisenmodus: Krieg, Embargo, Inflation. Die Gäste bei Maybrit Illner diskutieren, wie das Land damit umgehen soll. Die wichtigste Erkenntnis: Durch einen Wandel in der Wirtschaft könnte Deutschland als Gewinner aus den Krisen hervorgehen.

Die Inflation hat Deutschland fest im Griff. Das Ergebnis: Innerhalb eines Jahres sind die Kosten für Lebensmittel im Durchschnitt um sechs Prozent gestiegen, Strom wurde um 18 Prozent teurer, Gaspreise stiegen um 29 Prozent an. Laut einer aktuellen Forbes-Statistik hat der Preis für Heizöl innerhalb eines Jahres gar um gut 140 Prozent zugelegt.

Grund dafür sind die Krisen der vergangenen Monate: Corona und der Krieg in der Ukraine. Lieferketten sind unterbrochen. Hinzu kommt, dass Deutschland so schnell wie möglich neue Lieferanten für fossile Brennstoffe finden muss, um sich von Russland unabhängig zu machen. Die aktuellen Krisen müssen bewältigt werden, vor allem die Inflation. In der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" haben sich Gäste aus Politik und Wirtschaft am Donnerstagabend darüber unterhalten, wie das gelingen kann.

Inflation nicht über Löhne abfedern

Während der Präsident des Arbeitgeber-Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, Karl Haeusgen, eine Chance zur Bewältigung der Inflation in den aktuellen Konjunkturprogrammen der USA und der EU sieht, ist die Wirtschaftsweise Monika Grimm skeptisch. Sie rechnet mit Blick auf die demnächst beginnenden Tarifverhandlungen mit höheren Lohnabschlüssen, die zu weiteren Kostensteigerungen führen könnten. Es könnte eine Lohn-Preis-Spirale entstehen, sagen einige Fachleute.

Das weist die neue DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi zurück. "Es gibt diese Lohn-Preis-Spirale so nicht, weil die Inflation sich nicht aufgrund der Löhne entwickelt, sondern aufgrund der Preissituation." Geplante Investitionen der Wirtschaft dürften nicht auf Kosten der Gehälter der Beschäftigten gehen, fordert sie. "Jetzt die Inflation austragen zu wollen auf dem Rücken der Beschäftigten durch Reallohneinbußen würde nichts anderes heißen, als erneut durch eine Krise zu gehen mit einem Management, das am Ende sagt: Wir müssen über die Löhne abfedern, was es jetzt zu schultern gilt. Das werden wir nicht mitmachen." Fahimi setzt sich für eine Anhebung der Löhne ein, um die Kaufkraft und damit die Wirtschaft zu stärken. Und sie mahnt mit Blick auf Finanzminister Lindner: "Der Staat darf nicht als Kämmerer daherkommen. Er muss jetzt als Investor in diese Krise einsteigen."

Lindners Entlastungsprogramm

"Wir müssen als Staat etwas tun", sagt auch Finanzminister Christian Lindner, der die Bundesregierung in der Runde vertritt. Deswegen versuche die Ampelregierung, durch staatliche Entlastungspakete den Verlust an Kaufkraft zu dämpfen, "damit die Gewerkschaften nicht komplett über Tarifforderungen zulasten der Unternehmen und ihrer Wettbewerbsfähigkeit die Lasten der Inflation bekämpfen müssen."

Die Bundesregierung habe außerdem viel Geld an öffentlichen Investitionsmitteln vorgesehen: Bis 2026 seien es 350 Milliarden Euro. "Das Problem wird sein, dieses Geld vernünftig einzusetzen, weil in Deutschland durch Bürokratismus Planungs- und Genehmigungsverfahren zu lange dauern", fürchtet Lindner. Einige seiner Ziele: Bürokratieabbau, neue Handelspartner auf der ganzen Welt und eine Transformation hin zu "sauberer" Technologie. "Dann haben wir auch eine Chance, gestärkt aus dieser Krise herauszukommen."

"Bürgern sagen, was sie erwartet"

Monika Grimm ist von diesen Vorschlägen angetan. "Wir müssen den Bürgern sagen, was sie erwartet, aber auch die Chancen nennen", sagt sie. Geschäftsmodelle vieler Unternehmen müssten sich ändern, aber auch viele Beschäftigte müssten sich umstellen, zum Beispiel durch Weiterbildung. Lindner ist genau der gleichen Meinung. Er fasst das so zusammen: "Ich erwarte von politischer Führung, dass sie nicht die Ängste der Menschen vergrößert. Meine Botschaft ist: Es gibt Chancen für neuen Wohlstand und neue soziale Sicherheit, wenn wir uns verändern."

Quelle: ntv.de


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