Zeitumstellung: Wie die Abschaffung in Europa gelingen kann

  29 März 2024    Gelesen: 582
  Zeitumstellung: Wie die Abschaffung in Europa gelingen kann

Die Sommerzeit steht bevor. Doch eigentlich sollte das Umstellen der Zeit längst zur Vergangenheit gehören. Die Herausforderungen, die es innerhalb Europas dadurch gibt, könnten bewältigt werden. Ein Wirtschaftswissenschaftler erklärt, welche Maßnahmen dafür nötig wären.

Sonntagnacht werden die Uhren wieder auf Sommerzeit und damit eine Stunde vorgestellt. Den Tag im Sommerhalbjahr früher und im Winterhalbjahr später beginnen zu lassen, soll helfen, Energie zu sparen. Das war zumindest die Intention, als 1980 die Zeitumstellung in Europa als Nachwirkung der Energiekrise erneut eingeführt worden war. Doch Messungen ergaben, dass die Wirkung nur gering ist.

"Wir haben herausgefunden, dass Privathaushalte durch die Umstellung auf Sommerzeit tatsächlich weniger Strom verbrauchen. Doch die Wirkung ist gering. Privathaushalte verbrauchen am meisten Strom nach Feierabend. Morgens ist der Stromverbrauch hingegen das ganze Jahr über relativ konstant, da in der Frühstückszeit Toaster oder Kaffeemaschinen so oder so benutzt werden", erklärt Professor Korbinian von Blanckenburg laut Mitteilung der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe.

Abschaffung birgt Probleme

Die Abschaffung der Zeitumstellung wurde deshalb bereits 2019 mit großer Mehrheit von den Mitgliedsstaaten im EU-Parlament beschlossen. Dennoch wird weiter zweimal im Jahr an der Uhr gedreht. Zum einen können sich die Länder nicht auf eine einheitliche Zeit, also auf Sommer- oder Winterzeit, einigen. Zum anderen ist die europäische Zeitzone so groß, dass es in den Randgebieten zu verschiedenen Extremen kommen würde.

"Bei ganzjähriger Normal- beziehungsweise Winterzeit hätten wir zur Sommersonnenwende Mitte Juni in Ostpolen von 3 bis 20 Uhr Sonne, in Westspanien von 6 bis 21.30 Uhr", so von Blanckenburg. Doch wohl nur wenige Menschen würden sich über Sonnenlicht um 3 Uhr in der Früh freuen. "Würde man sich hingegen auf die Sommerzeit als neuen Standard festlegen, hätte man zur Wintersonnenwende Mitte Dezember in Westspanien Sonne von circa 10 bis 19 Uhr. In Deutschland von 9.15 Uhr bis 17 Uhr. Der späte Sonnenaufgang wird dabei von vielen Menschen als nicht optimal empfunden."

Sommer- oder Winterzeit in Deutschland?

Auch die Effekte durch die Freizeitgestaltung sollten nicht außer Acht gelassen werden. "Die Menschen sind länger draußen, wenn es länger hell ist, sitzen auf dem Balkon oder der Terrasse oder drehen noch eine Runde um den See, anstatt den Fernseher anzumachen." In der Sommerzeit werde also tatsächlich weniger Strom verbraucht, so von Blanckenburg.

"In der Bundesrepublik sind es nach unseren Berechnungen 0,8 Prozent. Bei den derzeitigen Strompreisen kommen so 600 bis 700 Millionen Euro jährlich zusammen. Bei einer Familie mit drei Kindern läge damit die Ersparnis bei nur rund zwölf Euro pro Jahr. Setzt man dies ins Verhältnis zu den negativen Folgen der Zeitumstellung - etwa Biorhythmus, Schlafzyklen - wird die Stromersparnis wohl weitestgehend relativiert. Würde die Sommerzeit auf das ganze Jahr ausgedehnt werden, sparten Haushalte in Deutschland immerhin rund 1,3 Prozent Strom gegenüber der ganzjährigen Winterzeit ein. Die Sommerzeit im Winter hätte also einen zusätzlichen Effekt von etwa 0,5 Prozent."

Doch besser die Winterzeit für Deutschland

Dem Wirtschaftswissenschaftler zufolge solle man sich jedoch nicht an den Möglichkeiten zur maximalen Stromersparnis orientieren, sondern daran, wie nah der Sonnenstand um 12 Uhr mittags tatsächlich am Zenit ist. Dann wäre für Deutschland die ganzjährige Winterzeit am besten. "Das bedeutet für Polen allerdings wie oben beschrieben, dass dort die Sonne im Sommer sehr früh und in Spanien im Winter recht spät aufgehen würde", fasst von Blanckenburg zusammen und präsentiert seinen Lösungsvorschlag: "Wir brauchen eine Neusortierung der Zeitzonen. Länder östlich von Deutschland wechseln in die Zeitzone 'GMT +2'. Und Spanien wechselt in die 'GMT' und wäre damit in derselben Zeitzone wie Portugal oder Großbritannien. Dann hätte man das Problem nicht, dass eine ganzjährige Sommer- oder Winterzeit die Spanier so extrem treffen würde."

Würden sich die Länder auf diese Neusortierung einlassen, dann könnte man am Tag der Sommersonnenwende, also am 21. Juni, in Ostpolen die Sonne von 4 bis 21 Uhr sehen, am 21. Dezember, am Tag der Wintersonnenwende von 8.30 bis 16 Uhr. Deutschland hätte dann zum Stichtag 21. Juni von 4 bis 20.30 Uhr und am 21. Dezember von 8.15 bis 16 Uhr Sonne. In Spanien könnte man am 21. Juni die Sonne von 5 bis 20.30 Uhr und am 21. Dezember von 8 bis 17 Uhr sehen. "Wann und ob eine Neuregelung kommt, kann ich natürlich nicht sagen. Aber wie man es auch dreht und wendet, sie ist längst überfällig", wird von Blanckenburg abschließend zitiert.

Quelle: ntv.de, jaz


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