Umwelthilfe wirft BMW Abgastrickserei vor

  05 Dezember 2017    Gelesen: 256
Umwelthilfe wirft BMW Abgastrickserei vor

Neue Runde im Dieselskandal? Als sich mehrere Autokonzerne den Vorwürfen der Verwendung illegaler Abschalteinrichtungen gegenübersehen, sagt BMW: Man verzichte grundsätzlich auf diese Technik. Neue Untersuchungen beweisen das Gegenteil.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft jetzt auch BMW vor, die Abgassoftware manipuliert und illegale Abschalteinrichtungen in die Abgasreinigung seiner Fahrzeuge eingebaut zu haben. Messungen der DUH hätten ergeben, dass die Emissionen von Stickoxiden (NOx) bei einem neuen BMW 320 Diesel bei Messungen auf der Straße bis zu sieben Mal so hoch lagen wie im Labortest nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ), berichteten "Tagesspiegel" und das ZDF.

Bei Überprüfungen der Motorsteuerung, auch mit Hilfe externer Experten, stellte sich den Angaben zufolge heraus, dass die Software offenbar so programmiert war, dass die Abgasrückführung bereits ab einer Drehzahl von 2000 Umdrehungen pro Minute reduziert und ab 3500 Umdrehungen komplett abgeschaltet wird. Das zeigten die Untersuchungsergebnisse der DUH.

Auffälliges Abgasverhalten

Die Vorwürfe sind für BMW brisant. Als ähnliche Anschuldigungen gegen VW, Audi und Daimler erhoben wurden, hatte BMW stets erklärt, man baue grundsätzlich keine Abschalteinrichtungen ein, die in der englischen Fachsprache "Defeat Device" genannt werden. Noch auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September hatte BMW-Vorstandschef Harald Krüger versichert: "Wir haben an den Fahrzeugen nicht manipuliert. Wir haben Diesel, die sind sauber. Und die sind die besten dieser Welt. Es gibt kein Defeat Device bei der BMW Group."

Die Messungen der DUH hätten hingegen ergeben, dass fünf Diesel-Pkw von BMW, davon vier mit dem gleichen Motor, alle das auffällige Abgasverhalten zeigten, so "Tagesspiegel" und ZDF. Die NOx-Werte seien auf einer Testrunde immer dann hochgeschossen, wenn die Drehzahl etwas erhöht wurde oder dem Motor ein Drehmoment von sehr gemäßigten 200 Newtonmetern abgefordert wurde. Die Geschwindigkeit im Autobahnteil hätte nur bei höchstens 120 Stundenkilometern gelegen.

Der BMW 320d sei im Durchschnitt dieser Messungen auf einen Wert von 470 Milligramm pro Kilometer gekommen. Der Grenzwert liegt bei 80 Milligramm. Die Messungen seien vom Tüv Nord bestätigt worden.

DUH: "Klare Indizien"

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sagte dem "Tagesspiegel": "Die vorliegenden Messergebnisse sind sehr klare Indizien dafür, dass hier Abschalteinrichtungen in der Motorsteuersoftware vorhanden sind." Diese müssten komplett entfernt werden. "Autos müssen in allen normalen Betriebssituationen eine voll funktionstüchtige Abgasreinigung haben."

Nach der Europäischen Verordnung EGV 715/2007 müssen Abgasreinigungsanlagen beim "normalen Gebrauch" des Autos funktionieren. Abschalteinrichtungen sind grundsätzlich verboten und können nur ausnahmsweise erlaubt werden. Eine solche Ausnahmegenehmigung liegt bei BMW nicht vor.

Der Münchner Autohersteller erklärte auf Anfrage des ZDF schriftlich, "vergleichbare Fahrzeugtypen" hätten bei einer von BMW veranlassten Untersuchung des Tüv Süd NOx-Werte erzielt, die "innerhalb der technisch erklärbaren sowie erwartbaren Toleranz" lägen. Weiter erklärte BMW, "dass Fahrbedingungen, die von der gesetzlich vorgeschriebenen NEFZ-Rollenprozedur abweichen, auch zu höheren Emissionen führen können und dürfen". Zu einer etwaigen Abschalteinrichtung sagte BMW nichts.

Keine Stellungnahme vom KBA

Weder der Tüv Nord noch der Tüv Süd hatten den Medienangaben zufolge jedoch die Software der Motorsteuerung ausgelesen. Das habe dann im Zuge der DUH-Untersuchung das Unternehmen DS Motorsport übernommen, das sich seit mehr als 30 Jahren mit der Leistungssteigerung von BMW-Modellen befasst. Der Tüv Nord habe beklagt, dass er keinen Zugang zur Software erhält.

Axel Friedrich, bei der DUH zuständig für die Emissionsmessung, habe demnach auch kritisiert, dass das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) "nicht richtig hingeschaut" habe. Das KBA gab dazu keine Stellungnahme ab.

Quelle: n-tv.de

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