Royal Knatsch

  19 Mai 2018    Gelesen: 606
Royal Knatsch

Die USA waren immer schon fasziniert vom Treiben der früheren Kolonialherren. Doch die königliche Hochzeit löst ganz besonderen Wirbel aus - auch dank Meghan Markles US-Familie.

 

Amerikas Klatschzeitschriften haben eine neue Obsession. Nicht abgestürzte Hollywood-Stars, rivalisierende Rapper oder die Kapriolen des Kardashian-Clans - sondern die Royal Wedding. Genauer gesagt: das transatlantische Melodrama drumherum.

"Meghan Markles traurige Hochzeitsprobe - die Inside-Story!", plärrte der "National Enquirer". "Wird Dad sie zum Altar führen?", bangte die "Sun" . Die Paparazzi-Website "TMZ", sonst kein Hort aristokratischer Leidenschaft, widmet der US-britischen Vermählung eine laute Schlagzeile nach der anderen: "Königliche Hochzeitskrise", "Dad kommt nicht", "Yoga-Mom kommt dafür".

Amerika war immer schon seltsam fasziniert vom Treiben seiner früheren Kolonialherren. Doch die Vermählung des US-Starlets Meghan Markle mit Prinz Harry, dem Enkel der Queen, sorgt für einen Wirbel, wie es ihn hier lange nicht mehr gab in der "special relationship" beider Staaten.

Das liegt daran, dass die Braut die erste Amerikanerin, Schauspielerin und Person mit einem schwarzen Elternteil ist, die ins Königshaus einheiratet. Aber auch an Markles Familie, die teils nicht minder schrill ist als die Royals, doch völlig unvorbereitet darauf, wie gnadenlos die Medien sie durch den Schmutz ziehen - eine Tradition der britischen Yellow Press, der sich deren US-Cousins jetzt gierig anschließen.

Während sich Markles schwarze Verwandtschaft vornehm im Hintergrund hält, liefert der weiße Zweig der Familie saftige Schlagzeilen - und nicht immer unverschuldet. Ihr Vater verhökerte Paparazzi-Bilder und bleibt der Hochzeit nun wegen Herzproblemen fern. Ihre Stiefschwester hört nicht auf, unratsame Interviews zu geben. Ihr Stiefbruder nannte die Heirat in einem Brief voller Schreibfehler ein "Fake-Märchen" und riet Harry zur Flucht: "Es ist noch nicht zu spät."

Dass die New-Age-Idylle der Markles da schon lange beendet war, war bisher freilich eine Privatangelegenheit gewesen. Der Beleuchter Thomas Markle und die Maskenbildnerin Doria Ragland hatten sich am Set der Seifenoper "General Hospital" kennengelernt. Markle stammte aus einer weißen Arbeiterfamilie, Raglands Vorfahren waren Sklaven. Meghan wurde 1981 geboren, doch schon zwei Jahre später trennten sich die Eltern, 1987 wurden sie geschieden.

Thomas Markle, 73, lebt heute in Mexiko, "als Einsiedler", wie es die "New York Times" beschreibt. Seine angeblich prekären finanziellen Umstände kamen aber erst unter die Lupe, als die Verlobung seiner Tochter offiziell wurde. Die soll lange keinen Kontakt zu ihm gehabt haben. Was an ihrem Erfolg in der Fernsehserie "Suits" gelegen haben könnte, deren siebte Staffel und Markles Rolle (Achtung, Spoiler) mit ihrer TV-Hochzeit endete.


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