Redelings über den FCB-Präsident

  04 Dezember 2018    Gelesen: 1105
Redelings über den FCB-Präsident

Kennen Sie den Showmaster Heinz Wäscher aus dem Kerkeling-Film "Kein Pardon"? Der Wäscher dieser Tage ist Uli Hoeneß. Es ist traurig mitanzusehen, wie offenbar niemand ein offenes Wort mit dem Präsidenten des FC Bayern redet.

Hape Kerkeling könnte Uli Hoeneß im Moment wahrscheinlich am besten helfen. Bereits im Jahr 1993 hat das begnadete Allround-Talent seinen Film "Kein Pardon" gedreht. Darin gibt es die legendäre Szene mit dem Showmaster Heinz Wäscher - genial gespielt und interpretiert vom großen Heinz Schenk. Wäscher soll in der Probe eine Showtreppe herunterlaufen und das Begrüßungslied singen, doch alles geht schief. Wäscher macht falsch, was man nur falsch machen kann. Schuld ist jedoch nicht der Showmaster selbst, sondern alle anderen. Mal ist es der Mann vom Licht, mal das falsch mitsummende Showgirl im Hintergrund. Niemand sagt Heinz Wäscher, dass er es ist, der durch sein Verhalten die ganze Geschichte aus dem Konzept bringt. Im Gegenteil. Statt dem Showmaster offen ins Gesicht zu sagen, welche Fehler er gemacht hat, bauchpinselt die Regie ihn lieber: "Heinz, du warst hervorragend, sensationell!"

Man kann sich bildlich vorstellen, wie sich der langjährige starke Mann des FC Bayern München, Uli Hoeneß, in den immer selben kleinen Kreisen bestätigen lässt, dass nicht er es ist, der etwas falsch gemacht hat, sondern immer die anderen. Wenn man Uli Hoeneß in den letzten Tagen und Wochen sieht, stellt sich immer wieder die eine Frage: Gibt es wirklich niemanden in seinem Umfeld, der er es gut mit ihm meint und deshalb das ehrliche Gespräch mit ihm sucht? Oder sind die Leute, mit denen er sich umgibt, in der identischen Blase gefangen wie er selbst? Immer, wenn Menschen von dieser Höhe öffentlich, vor aller Leute Augen und Ohren abstürzen, nimmt der Prozess tragisch-komische Züge an.

Als Bundeskanzler Gerhard Schröder 2005 seine Wahlniederlage gegen Angela Merkel nicht einsehen wollte, geriet die sogenannte Elefantenrunde im TV danach zur Slapstick-Einlage. Schröder gab hinterher wenigstens zu, dass er nicht mehr ganz nüchtern gewesen sei, als er sich uneinsichtig und überheblich im Fernsehen präsentierte.

Hoeneß merkt doch selbst, dass seine Zeit abläuft

Statt sich offen der Kritik zu stellen, ja, vielleicht sogar dankbar dafür zu sein, dass es Menschen gibt, die bestimmte Dinge einmal direkt und schonungslos ansprechen, kanzelte Uli Hoeneß die Sorgen und Einwände eines Vereinsmitglieds (!) nicht nur am Abend selbst von oben herab, sondern legte sogar mit zeitlichem Abstand noch einmal nach. Natürlich kann man auch Verständnis für Uli Hoeneß aufbringen, denn er selbst merkt, dass seine Zeit in führender Position beim FC Bayern unwiderruflich zu Ende geht.

Das muss hart sein - rechtfertigt aber in keiner Weise sein Verhalten der letzten Wochen. Man würde sich von Herzen wünschen, dass er selber erkennt, dass Menschen wie Johannes Bachmayr und andere es mit ihm selbst und vor allem mit dem FC Bayern nicht böse meinen, sondern im Grunde das Identische wollen wie er. Doch statt sich mit diesen Leuten an einen Tisch zu setzen, verstößt er sie. Wie seinen ehemaligen dicken wie streitbaren Kumpel Paul Breitner.

n-tv


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