Türkei erlässt Haftbefehl gegen zwei Saudis

  05 Dezember 2018    Gelesen: 454
Türkei erlässt Haftbefehl gegen zwei Saudis

Sie gelten als Planer der Ermordung des Journalisten Khashoggi. Nun versucht die Türkei ihrer habhaft zu werden: Ein ehemaliger Vize-Geheimdienstchef und ein Berater des saudischen Kronprinzen sollen verhaftet werden. Das Problem: Beide sind derzeit in Saudi-Arabien.

Der Istanbuler Generalstaatsanwalt hat im Fall des ermordeten saudischen Regierungskritikers Jamal Khashoggi Haftbefehle für zwei hochrangige saudische Beamte ausgestellt. Einer von beiden sei Saud al-Kahtani, einer der engsten Berater von Kronprinz Mohammed bin Salman, wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Offiziellen Angaben aus Riad zufolge ist er mittlerweile entlassen worden. Der andere Haftbefehl erging demnach gegen den ehemaligen Vize-Chef des Geheimdienstes Ahmed al-Asiri. Beide Männer halten sich in Saudi-Arabien auf.

"Angesichts der Informationen, die die Justiz im Zuge ihrer Ermittlungen vom Königreich Saudi-Arabien erhalten hat, ist die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss gekommen, dass es den starken Verdacht gibt, dass Ahmad al-Asiri und Saud al-Kahtani zu den Planern des Vorfalls gehörten", hieß es im Antrag des zuständigen Staatsanwalts Hasan Yilmaz mit Blick auf die Tötung von Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul am 2. Oktober.

Ein mit den Ermittlungen vertrauter türkischer Regierungsvertreter erklärte, die Beantragung der Haftbefehle "spiegelt die Ansicht wider, dass die saudi-arabischen Behörden nicht gegen diese Personen vorgehen werden". Die Staatengemeinschaft bezweifle die Entschlossenheit Saudi-Arabiens, das Verbrechen aufzuklären. Durch die Auslieferung der Verdächtigen an die Türkei könnten diese Zweifel beseitigt werden, erklärte der Regierungsvertreter.

Riad soll 18 Verdächtige ausliefern

Der Journalist Khashoggi war am 2. Oktober ins Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul gegangen und nicht wieder aufgetaucht. Unter internationalem Druck gab Riad nach wochenlangen Dementis zu, dass der Kritiker von Kronprinz Mohammed bin Salman in der diplomatischen Vertretung von einem saudischen Kommando getötet wurde. Das Königreich bestreitet aber weiter, dass der Thronfolger den Auftrag gab.

Nach Darstellung Riads ordneten al-Asiri und al-Kahtani eigenmächtig den Einsatz an, um den im US-Exil lebenden Journalisten in sein Heimatland zurückzuholen. Der Einsatzleiter habe dann in Istanbul eigenmächtig entschieden, den 59-Jährigen zu töten. Al-Asiri und Al-Kahtani wurden ihrer Posten enthoben und 21 Verdächtige festgenommen, von denen fünf die Todesstrafe droht. Namen wurden jedoch nicht genannt.

Die Türkei fordert seit Wochen von Riad die Auslieferung von 18 Verdächtigen, um ihnen in Istanbul den Prozess zu machen. Zwar hat die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan bisher vermieden, den saudischen Thronfolger direkt für das Verbrechen verantwortlich zu machen. Doch hält sie den Druck auf ihn aufrecht, indem sie über die Medien Informationen aus den Ermittlungen streut, die den Kronprinzen belasten.

Quelle: n-tv.de


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