US-Forscher hat das vermutlich älteste Brettspiel der Menschheit in Aserbaidschan entdeckt

  19 Dezember 2018    Gelesen: 861
 US-Forscher hat das vermutlich älteste Brettspiel der Menschheit in Aserbaidschan entdeckt

In einem Nationalpark in Aserbaidschan ist ein US-Archäologe auf rätselhafte Einkerbungen und Löcher gestoßen. Er vermutet, dass es sich dabei um das älteste Brettspiel der Welt handelt. Es soll einem Brettspiel von heute nicht unähnlich sein.

Der Qobustan-Nationalpark im Südwesten Aserbaidschans ist Unesco-Weltkulturerbe und für seine uralten Felsritzungen und Felszeichnungen bekannt. Als besonders rätselhaft gilt ein in den Steinboden eingekerbtes uraltes Muster, das auch „58 Löcher“ genannt wird. Es befindet sich im Schutz eines frei stehenden Felskolosses.

Laut Archäologe Walter Crist handelt es sich hierbei um ein 4000 Jahre altes Brettspiel.

Der Archäologe entdeckte in dem Muster eine deutliche Ähnlichkeit zu altägyptischen Brettspielen. Crist untersuchte die Felszeichnungen in der Nähe des Unterstandes. Schließlich konnte er die „58 Löcher“ auf das zweite Jahrtausend v. Chr. datieren. Vor 4000 Jahren lebten in diesem Teil Aserbaidschans nomadische Viehzüchter, so Crist.

Es ist also gut möglich, dass sich unter diesem Fels die Hirten vor Jahrtausenden auf eine Zockerpartie trafen.

Waren Wüstennomaden die ersten Gamer der Geschichte?

FÜR MICH BESTEHT KEIN ZWEIFEL. ALLEIN DIE MACHART DER SPIELFLÄCHE BEWEIST, DASS DIESE MINDESTENS 1500 JAHRE LANG REGELMÄSSIG GENUTZT WERDEN KONNTE  -  WALTER CRIST,Wissenschaftlicher Mitarbeiter des American Museum of Natural History, New York

Die „58 Löcher“ sind aber keinesfalls einzigartig auf der Welt. Auch im alten Ägypten waren Brettspiele offenbar beliebt. Sie werden manchmal auch „Hunde und Schakale“ genannt. Im Grab des Pharaos Amenemhet IV. wurde beispielsweise ein Spieleset mit Tierfiguren entdeckt.

Laut Crist ähneln sich die altägyptischen Muster mit denen des Felsbrettspiels aus Aserbaidschan.

Er beschreibt die Anordnung: „Es sind immer die fünften, zehnten, fünfzehnten und zwanzigsten Felder, die irgendwie markiert sind. Ein Loch an der Oberseite ist etwas größer als die anderen. Normalerweise gilt dies als Ziel oder Endpunkt eines Spiels.“

Die Theorie, dass das Spiel ein früher Vorfahre des modernen Backgammon sei, weist Crist zurück. Sie hätten zwar einige Gemeinsamkeiten, aber Backgammon wurde von dem viel späteren, römischen Spiel Tabula abgeleitet.

Die Spielregeln der „58 Löcher“ bleiben also unbekannt. Denkbar wäre, dass Figuren, Samen oder Steine auf dem Brett bewegt wurden, bis sie ein Ziel erreichten. Auch könnten Spieler Würfel oder Würfelstäbe benutzt haben, aber bisher wurde keinerlei Spielzubehör gefunden.

Fakt ist: Das Spiel war im gesamten alten Nahen Osten weitverbreitet, einschließlich Ägyptens, Mesopotamiens und Anatoliens.

DAS SPIEL ERSCHIEN PLÖTZLICH ÜBERALL ZUR GLEICHEN ZEIT. ES MUSS SICH SEHR SCHNELL VERBREITET HABEN - WALTER CRIST,Wissenschaftlicher Mitarbeiter des American Museum of Natural History, New York

Das Wichtigste für Crist: Die Verwendung solcher Spiele zeige, dass die Menschen in der Lage waren, kulturelle Grenzen zu überschreiten.

Fazit des Archäologen: „Steine auf einer leeren Fläche am Boden zu bewegen, hat keinen wirklichen Einfluss auf das tägliche Überleben. Aber der Mensch nutzt die Spiele, um mit anderen zu interagieren. Es ist eine einzigartige Fähigkeit – eine Art Abstraktion, eine Art gemeinsame Sprache aller Menschen.“

Quelle:  welt


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