Bundeswehr testet Diensthunde als Corona-Schnüffler

  06 Juli 2020    Gelesen: 226
Bundeswehr testet Diensthunde als Corona-Schnüffler

Spürhunde können an der molekularen Zusammensetzung eines Geruchs Krankheiten erschnüffeln. Diese Fähigkeit soll bald auch zur Identifizierung von Corona-Infizierten eingesetzt werden können.

Um Coronakranke zu identifizieren, könnten bald schon auch Hunde eingesetzt werden. Die Bundeswehr versucht, ihre Diensthunde auf das Erschnüffeln von Infizierten zu trainieren. Zehn Tiere der Diensthundeschule der Bundeswehr bei Ulmen in der Vulkaneifel nehmen bei dem Projekt von Streitkräften und der Stiftung Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover teil, wie die Dienststelle der Streitkräfte mitteilte. Zum Einsatz kommen sollen Schäferhunde, Spaniel und Retriever.

Spürhunde können an der molekularen Zusammensetzung eines Geruchs nicht nur Sprengstoffe oder Drogen wahrnehmen, sondern auch verschiedene Krebserkrankungen und die drohende Unterzuckerung von Diabetikern riechen. Auf dieser Grundlage ist auch die Idee für das Corona-Projekt entstanden.

"Mit einer Trefferquote von derzeit etwa 80 Prozent sind die Forscher in Ulmen auf dem besten Weg, das Projekt erfolgreich weiterzuführen", teilte die mitten im Wald liegende Diensthundeschule. In wenigen Wochen sollen belastbare Ergebnisse vorliegen.

Diskussion über Bundeswehr-Hund-Einsatz im Inneren?
Bislang schnuppern die Hunde an Speichelproben infizierter Menschen, in denen die Viren chemisch unschädlich gemacht wurden. Nach einem erfolgreichen Abschluss dieser Versuchsreihe käme die nächste Hürde: Klappt das Erschnüffeln auch bei aktiven Coronaviren in menschlichem Speichel? "Das muss dann unter ganz anderen Bedingungen stattfinden, schließlich müssen wir sicher sein, dass sich niemand an den hochinfektiösen Proben anstecken kann", sagte TiHo-Doktorandin Paula Jendrny.
Ansteckungsgefahr besteht hierbei potenziell auch für Hunde: In seltenen Fällen können sich auch die Haustiere mit dem Virus infizieren, wie zwei neue Studien zeigen - und das Virus kann dabei auch vom Menschen auf das Tier übertragen werden. Dennoch werden auch in anderen Ländern wie den USA, Finnland und Großbritannien Hunde darauf trainiert, eine Infektion mit dem Coronavirus zu erkennen. Neben Speichelproben gibt es auch Tests mit Urin und Schweiß - teils mit ermutigenden Ergebnissen.

Falls es gelingt, die Bundeswehr-Hunde zu Corona-Spürhunden zu trainieren, wird laut Diensthundeschule "eine Diskussion nötig sein, in welchen zivilen und militärischen Bereichen diese Hunde ihren Dienst verrichten sollen". Etwa 300 Hunde hat die Truppe weltweit im Einsatz. Andere Aufgaben haben die Tiere schon seit Jahrzehnten: Die Streitkräfte setzen sie als Schutz-, Sprengstoff-, Rauschgift-, Minen- und Kampfmittelspürhunde ein.

spiegel


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