Chinas Außenhandel legt unerwartet stark zu

  14 Juli 2020    Gelesen: 555
Chinas Außenhandel legt unerwartet stark zu

Die Wende nach dem Virus: Chinas Außenhandel zieht wieder an. Die Importe sind im Juni besonders stark gestiegen - ebenso wie die Exporte nach Deutschland.

Obwohl die Coronavirus-Pandemie noch immer globale Lieferketten beeinflusst, hat sich Chinas Außenhandel überraschend gut erholt. Exporte und Importe der größten Handelsnation lagen im Juni erstmals wieder im Plus, wie Chinas Zoll mitteilte. Die Ausfuhren in US-Dollar stiegen um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Einfuhren wuchsen unerwartet stark um 2,7 Prozent. Eigentlich hatten Experten mit einem starken Minus der Importe gerechnet, ähnlich wie in den Vormonaten.

Der Außenhandel legte im Juni um 1,5 Prozent zu, muss aber in der ersten Jahreshälfte insgesamt noch ein Minus von 6,6 Prozent wegstecken. Nach dem starken Einbruch des Wachstums der zweitgrößten Volkswirtschaft im ersten Quartal um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist Chinas Wirtschaft damit gleichwohl auf gutem Wege, im zweiten Quartal wieder zu wachsen.

Chinesische Experten halten sogar ein wirtschaftliches Wachstum von bis zu drei Prozent im zweiten Quartal für möglich. Die australische ANZ-Bank schätzt die Erholung hingegen vorsichtiger auf ein Plus von 1,7 Prozent. Das Statistikamt will die neuen Wachstumszahlen an diesem Donnerstag vorlegen.

Handel zwischen China und Deutschland zieht wieder an
Die deutsche Exportindustrie kann daher mit Hoffnung auf einen ihrer wichtigsten Einzelmärkte blicken. Der Handel zwischen China und Deutschland legte bereits im Juni in US-Dollar berechnet um 3,9 Prozent zu - angetrieben von einem Zuwachs der chinesischen Exporte um 12,8 Prozent. Chinas Importe aus Deutschland lagen noch um rund drei Prozent im Minus. Insgesamt läuft der Handel der Deutschen mit China aber wieder deutlich besser als für den Rest der Europäer.

Im Dezember waren die ersten Fälle des neuen Coronavirus in China entdeckt worden. Das bevölkerungsreichste Land dämmte die Pandemie mit strikten Maßnahmen ein. Es gibt heute kaum noch neue Infektionen, sodass sich das Leben und die Wirtschaftstätigkeiten wieder normalisieren. Der Aufschwung in China wird angetrieben von der heimischen Nachfrage und einer Zunahme der Industrieproduktion und Dienstleistungen.

China importiert mehr aus den USA
Trotz der anhaltenden Handelsspannungen mit den USA stiegen Chinas Einfuhren amerikanischer Waren im Juni um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die chinesischen Ausfuhren in die besonders schwer von dem Virus heimgesuchte größte Volkswirtschaft hingegen legten im Juni nur leicht um 1,4 Prozent zu.

Trotz der Besserung müssen sich Chinas Exporteure auch künftig auf schwer kalkulierbare Risiken einstellen. Experten nennen die Ungewissheiten durch die Streitigkeiten zwischen den USA und China im Handel und im Technologiesektor sowie einen möglichen weiteren Rückgang der Weltwirtschaft. Gewarnt wird auch vor einer möglichen neuen Ausbreitung der Corona-Pandemie, wenn sich das Wetter im dritten und vierten Quartal des Jahres abkühlt.

Die Erholung im chinesischen Außenhandel macht es zudem unwahrscheinlich, dass die Regierung in Peking die Wirtschaft noch stärker ankurbeln wird. Wegen des jüngsten Booms an den Börsen der Volksrepublik und dem Anstieg der Immobiliengeschäfte sind die Behörden auch besorgt über wachsende finanzielle Risiken durch eine weitere Lockerung der Geldpolitik.

Gerade kleinere Unternehmen und Familien mit niedrigen Einkommen dürften im zweiten Halbjahr weiter leiden, sagte der Chefökonom der chinesischen Zhongyuan Bank, Wang Jun, der "China Daily". Die Politik müsse die finanzielle Unterstützung für große Projekte und zur Sicherung der grundlegenden Bedürfnisse der Menschen fortsetzen. Die Geldpolitik werde gezielter eingesetzt, um die Finanzierungskosten kleiner Unternehmen zu reduzieren.

spiegel


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