Neues Natur-Antibiotikum in Russland entdeckt

  23 September 2020    Gelesen: 629
Neues Natur-Antibiotikum in Russland entdeckt

Wissenschaftler der Staatlichen Universität Tomsk haben zusammen mit Kollegen aus Russland ein universell wirkendes, natürliches Antibiotikum entdeckt, das die Resistenz der Pathogene gegen Medikamente überwindet. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift "Applied Biochemistry and Microbiology" veröffentlicht.

Laut Verfassern der Studie kann der entdeckte Stoff im Kampf gegen die meisten Infektionserkrankungen der Menschen und Tiere, die durch Bakterien und Pilze ausgelöst werden, helfen.

Laut den Wissenschaftlern der Universität besteht eine der Aufgaben der Pharmakologie in der Suche nach natürlichen Antibiotika, die Mikroorganismen bekämpfen können, die über eine Mehrfachresistenz (multi-drug resistant, MDR) bzw. absolute Resistenz (extreme-drug resistant, XDR) gegen die auf dem Markt üblichen Antibiotika verfügen.

Die Forscher aus Tomsk haben als Erste in der Welt die einzigartige Fähigkeit der Peptide Emericellipsin A nachgewiesen, die aus dem alkalophilen Mizellenpilz Emericellopsis alkalina gewonnen werden. Experten zufolge unterdrückt dieser Stoff die Fähigkeit der Bakterien, Biofilme zu bilden, wodurch die Resistenz dieser Pathogene gegen Antibiotika verschwindet.

Laut den Autoren der Studie ist die wichtigste therapeutische Besonderheit des Stoffs – die universelle Wirkung. Gegenüber Emericellipsin A sind nicht nur MDR- und XDR-Bakterien, sondern fast jede pathogene Eukaryoten schutzlos – z.B. Mizellenpilze und Hefepilze.

„Emericellipsin A beinflusst die Eukaryoten und Prokaryoten mithilfe verschiedener molekularer Mechanismen. Eukaryoten – Pilze und Tumorzellen – sterben durch die Zerstörung ihrer Zellmembrane durch Peptide, die Virulenz der Prokaryoten wird durch die Verhinderung der Bildung neuer Biofilme unterdrückt“, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter des Labors für Antimikroben-Resistenz X-BIO der Universität Tomsk, Jewgeni Rogoschin.

Den Wissenschaftlern zufolge sind unter den Pathologien, gegen die Emericellipsin A eingesetzt werden kann, Tumore sowie verschiedene bakterielle und Pilzinfektionen.

Emericellipsin A hat sowohl als selbstständiges Medikament als auch als Element von komplexen Medikamenten gute Aussichten. Die Therapie könne entweder durch Injektionen oder lokal – direkte Bearbeitung der betroffenen Stellen  - angewendet werden, so die Wissenschaftler.

Die Studie erfolgte in enger Kooperation mit Kollegen aus dem Georgi-Gause-Forschungsinstitut für Entwicklung neuer Antibiotika, dem Zentralen Forschungsinstitut für Epidemiologie bei der russischen Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor und  dem Schemjakin-Owtschinnikow-Institut für bioorganische Chemie der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Des Weiteren wollen die Wissenschaftler von der Arbeit mit Zellmodellen zu Labortests des Medikaments übergehen.

sputniknews


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