Peinlicher Regelbruch entnervt Hamilton

  27 September 2020    Gelesen: 146
  Peinlicher Regelbruch entnervt Hamilton

Zwei Zeitstrafen durchkreuzen den Rekord-Plan von Lewis Hamilton. Beim Großen Preis von Russland fährt der Mercedes-Pilot nur als Dritter über die Ziellinie, sein Teamkollege Valtteri Bottas siegt überlegen. Sebastian Vettel kann sich nicht verbessern.

Rekord vertagt, Sieg verschenkt: Lewis Hamilton schimpfte wie ein Rohrspatz, doch an Michael Schumacher kam er am Sonntag nicht vorbei. Ein folgenschwerer Patzer seines Mercedes-Teams bremste den Formel-1-König beim russischen Grand Prix in Sotschi auf der Jagd nach den 91 Siegen des Rekordweltmeisters aus. Am Ende rettete Hamilton Platz drei ins Ziel, seine Führung in der WM-Wertung war zu keiner Zeit gefährdet. Nutznießer des Hamilton-Desasters war dessen siegreicher Teamkollege Valtteri Bottas.

"Das war nicht der tollste Tag für mich, aber was solls", sagte Hamilton anschließend schmallippig und wollte gar nicht mehr über die unerlaubten Probestarts vor dem Rennen reden, die ihm die Strafe eingebracht hatten: "Es ist nicht mehr wichtig. Ich nehme jetzt diese Punkte mit. Gratulation an Valtteri." Bottas setzte mit seinem zweiten Saisonsieg vor Max Verstappen im Red Bull die eindrucksvolle Serie der Sternfahrer in Sotschi fort: In den bisher sieben Rennen am Schwarzen Meer gewann stets ein Mercedes.

"Es ist super, endlich wieder vorne zu stehen, es war ja eine Weile her", sagte Bottas, bei dem sich offenbar einiges aufgestaut hatte: "An alle, die sich angesprochen fühlen: F**** euch", rief er nach der Zieldurchfahrt in den Boxenfunk in Richtung seiner Kritiker. Der Rückstand auf Hamilton im Klassement beträgt allerdings noch 44 WM-Punkte.

Pole-Mann Hamilton hatte vom Start weg mit immer neuen Bestzeiten die Führung behauptet, bis ihn die Rennleitung mit einer Zehn-Sekunden-Strafe einbremste. Auf der Einführungsrunde vor dem Rennen hatte der sechsmalige Weltmeister wie üblich Probestarts absolviert, allerdings an nicht dafür vorgesehenen Stellen - das Okay dafür hatte er sich von seiner Boxencrew geholt.

Hamilton kann nun erst im Oktober Schumachers 91 Siege egalisieren - ausgerechnet am Nürburgring. "Mann, das ist so lächerlich", schimpfte der Brite in den Boxenfunk: "Die tun alles, um mich einzubremsen." Er saß die kompletten zehn Sekunden beim Reifenwechsel ab, schimpfte auch hier ("Ihr habt mich viel zu früh reingeholt") und startete auf den harten Gummis seine Aufholjagd durch das Feld.

Spektakulärer Crash von Sainz

Für Ferrari war die Spitze erneut weit entfernt, Sebastian Vettel und Charles Leclerc hatten mit der Entscheidung nichts zu tun. Im Vorfeld seines 250. Grand Prix hatte Vettel vom Team eine üppige Torte bekommen, sportlich gab es für den viermaligen Weltmeister nichts zu feiern. Am Ende landete er als 13. weit außerhalb der Punkte, Leclerc machte es mit Platz sechs zumindest etwas besser.

Das Rennen hatte mit zwei spektakulären Crashs begonnen, schon in der ersten Runde kam das Safety-Car auf die Strecke. Carlos Sainz (McLaren) und wenig später Lance Stroll (Racing Point) kriegten buchstäblich die Kurve nicht. Stroll hatte die Kontrolle über sein Auto nach einer Berührung mit dem Ferrari von Leclerc verloren.

Zumindest einen Rekordmann gab es am Sonntag: Altmeister Kimi Räikkönen fuhr in Sotschi sein 322. Rennen und schloss damit zu dem Brasilianer Rubens Barrichello auf. Der ließ es sich nicht nehmen, via Twitter Glückwünsche zu schicken: "Willkommen bei der 322 - aber pass auf Alonso auf." Der Spanier feiert nach zwei Sabbatjahren 2021 sein Comeback bei Renault, er hat bislang 312 Grand-Prix-Starts absolviert.

Ob Mercedes auch in der kommenden Saison in der aktuellen Besetzung antritt, blieb auch in Sotschi ungeklärt. "Es sind schwierige Zeiten in der Welt, es ist nicht einfach, Verhandlungen zu führen", sagte Hamilton auf die Frage, warum er seinen Ende 2020 auslaufenden Vertrag noch nicht verlängert habe. Teamchef Toto Wolff sieht seinen Platz weiterhin bei Mercedes, aber "in welcher Funktion, weiß ich noch nicht". Es gehe darum, "wie ich diesen Job effektiv machen kann, denn ich möchte niemals von sehr gut auf gut runterrutschen".

Quelle: ntv.de, tsi/sid


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