Corona könnte Ungleichheit im Job fördern

  28 Februar 2021    Gelesen: 457
Corona könnte Ungleichheit im Job fördern

Einer neuen Studie zufolge betrifft die Corona-Krise erwerbstätige Frauen häufiger als Männer. Grund dafür ist die Reduzierung der Arbeitszeit zur Kinderbetreuung. Sollte es später dabei bleiben, würde das die Geschlechter-Ungleichheit im Berufsleben weiter vertiefen.

Die Folgen der Corona-Krise könnten die Ungleichheit zwischen erwerbstätigen Frauen und Männern langfristig verschärfen. Möglich sei vor allem eine "dauerhafte Verschlechterung der Arbeitszeit-Situation" von Frauen, heißt es in einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Daher müsse an dieser Stelle rechtzeitig gegengesteuert werden.

Der Studie zufolge waren vor allem im ersten Lockdown beide Geschlechter von einer Reduzierung der Arbeitszeit wegen der Kinderbetreuung betroffen - allerdings unterschiedlich stark. So gaben rund 24 Prozent der erwerbstätigen Mütter im April an, ihre Arbeitszeit wegen der Kinder reduziert zu haben, unter den Vätern waren es knapp 16 Prozent. Im November waren es bei den Müttern knapp zehn Prozent, bei den Männern knapp sechs Prozent.

Es bestehe nun die Gefahr, dass ein Teil dieser Reduzierungen auch nach dem Ende der Krise nicht zurückgenommen werden könne, da Arbeitgeber hier einen höheren Einfluss hätten, warnten die beiden Forscherinnen und Autorinnen des Reports, Yvonne Lott und Aline Zucco. Das sei bei der Kurzarbeit anders, denn hier passiere die Rückkehr zur vorherigen Arbeitszeit "automatisch". Der sogenannte Gender Time Gap drohe sich also zu verschlechtern.

Traditionelle Arbeitsteilung gewachsen

Wie die Studie weiter ergab, änderte sich an den Verhältnissen bei der unbezahlten Arbeit bei der Kinderbetreuung wenig, die nach wie vor in erster Linie von den Frauen übernommen werde. So gaben rund 75 Prozent der arbeitenden Eltern an, die Verteilung der Betreuungszeit sei im Vergleich zur Zeit vor Corona gleich geblieben. In gut sieben Prozent der Partnerschaften zeigte sich ein Wechsel zur traditionellen Arbeitsteilung: Die Frauen übernahmen den größten Anteil der zusätzlichen Sorgearbeit, obwohl diese vor der Krise einigermaßen gleich verteilt war.

Zugleich gaben fast zwölf Prozent der Befragten an, in ihrem Haushalt sei die Kinderbetreuung nun ausgeglichener verteilt. Bei weiteren knapp fünf Prozent sprachen die Forscherinnen von einer "umgekehrten Traditionalisierung" und sahen hier durchaus "Modernisierungspotenzial" bei der partnerschaftlichen Arbeitsteilung.

Zeitflexibles Arbeiten gefordert

Kurzfristig gesehen müssten unter anderem die Kinderbetreuung ausgebaut und betriebliche Angebote zu orts- und zeitflexiblem Arbeiten gestärkt werden, forderten die Autorinnen. Außerdem sei eine Aufwertung sozialer Dienstleistungsberufe nötig. Langfristig regte der Bericht etwa eine Reform des Ehegattensplittings und einen Ausbau der Partnermonate beim Elterngeld an.

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Elke Hannack, erklärte zu der Studie, es liege nun "in den Händen der Politik", ob Frauen beruflich wie privat "langfristig als Verliererinnen" aus der Krise gingen. Die Differenzen bei der Aufteilung der Sorgearbeit blieben trotz Verbesserungen groß und drohten sich zu vertiefen.

Auch Hannack zufolge ist es wichtig, Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und Pflegebedürftige auszubauen. Außerdem könnten staatliche Zuschüsse für haushaltsnahe Dienstleistungen bei der Vereinbarkeit helfen. Nicht zuletzt müsse die Relevanz frauendominierter Berufe mit höheren Löhnen anerkannt werden.

Quelle: ntv.de, nan/AFP


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