Hier sind Afrika und Europa nur 58 Kilometer voneinander entfernt

  15 März 2021    Gelesen: 235
Hier sind Afrika und Europa nur 58 Kilometer voneinander entfernt

An der Straße von Gibraltar trifft Afrika auf das europäische Festland. Die Meerenge ist auch ein Symbol für Migration – mit einer traurigen Bilanz.

Es sind nicht einmal 14 Kilometer, die Europa von Afrika trennen. Die kurze Distanz hält die beiden Kontinente auseinander, die zuletzt vor allem im Zusammenhang von Flüchtlingsbewegungen genannt wurden. An keiner Stelle lässt sich dieser Konflikt bildlicher darstellen, als an der Straße von Gibraltar. Der Ort, der das Mittelmeer und den Atlantik verbindet, ist ein Symbol der Migration – und immer wieder sterben hier Menschen.

Die Zahl derer, die ihre Heimat verlassen wollen, ist in Afrika in den letzten Jahren gestiegen. Laut der Uno-Flüchtlingshilfe waren es Ende 2019 etwa 6,3 Millionen. Allerdings gelangt nur ein Teil dieser Menschen nach Europa, viele bleiben in ihrer Heimatregion oder suchen Nachbarländer auf. Laut Schätzungen von Europas Grenzschutzagentur Frontex ging die Zahl der Menschen, die die Europäische Union erreichten, zuletzt zurück. Die riskante Route über das westliche Mittelmeer nehmen dabei wenige.

Die meisten Menschen, die über das Meer kommen, treten die Passage im östlichen Mittelmeer an. Auch im zentralen Mittelmeerraum sind die Zahlen zurückgegangen. Aber noch immer kommen die Menschen bei dem Versuch, das europäische Festland zu erreichen um. Allein dieses Jahr liegt die Zahl der bekannten Opfer bereits bei weit über 200 – die Dunkelziffer dürfte erheblich höher sein, denn viele werden nicht gefunden und versinken für immer in den Tiefen des Meeres.

Auf dem Satellitenbild oben liegen sich Spanien und Marokko gegenüber. Die engste Stelle des 58 Kilometer langen Kanals besteht zwischen dem spanischen Point Marroquí und Point Cires in Marokko. Mehrere prominente Städte sind im Bild in Grau zu sehen. Dazu gehört die Hafenstadt Tanger, die nur 27 Kilometer von der Südspitze Spaniens entfernt liegt. Am südlichen Ende der Iberischen Halbinsel ist die große Bucht von Gibraltar mit der gleichnamigen Stadt im Osten und der gegenüberliegenden Gemeinde Algeciras zu erkennen.

Das Bild haben die »Sentinel-2«-Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation Esa am 28. Oktober 2020 aufgenommen. Es ist aber keine Fotografie, sondern ein Falschfarbenbild. Die Aufnahme zeigt das elektromagnetische Spektrum im Infrarotbereich. Solche Bilder verwenden Umweltforscher häufig zur Beurteilung der Pflanzendichte, da Pflanzen Nahinfrarot und grünes Licht reflektieren, während sie rotes Licht absorbieren. Regionen, die von Pflanzen überwuchert werden, erscheinen in hellem Rot und sind so leichter zu erkennen.

Gewässer wie das Mittelmeer und der Atlantik sind dagegen dunkelblau oder schwarz dargestellt. Trübes Wasser, wie es entlang der spanischen Küste oben links im Bild sichtbar ist, erscheint in Cyan bis Hellblau. Vermutlich liegt das an sedimenthaltigem Wasser, das von Flüssen ins Meer fließt.

Auch wenn die Strecke zwischen Spanien und Marokko kurz erscheint, kommt es auch hier immer wieder zu Toten beim Überqueren der Meerenge. Hier herrscht starke Strömung und es wehen heftige Winde, die den Wellengang antreiben. Die oft überladenen und untauglichen Boote kentern und reißen die Menschen in den Tod.

Die Leichen werden manchmal an spanische Strände gespült. Wie viele Menschen hier sterben, weiß niemand genau. Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahl dreimal so hoch ist wie die der Angeschwemmten. Eine traurige Bilanz für die Straße von Gibraltar.

spiegel


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