Am schlimmsten traf es bisher Ungarn

  30 April 2021    Gelesen: 1996
Am schlimmsten traf es bisher Ungarn

Die weltweit erfassten Fälle der Corona-Infektionen überschreiten die Marke von 150 Millionen. Ein Blick auf die Inzidenzen in den Ländern zeigt nicht nur, dass ein europäisches Land am härtesten getroffen wurde, sondern setzt auch die hohen Zahlen aus Indien und Brasilien in Relation.

Geht es darum, welche Länder am härtesten von der Corona-Pandemie getroffen wurden, wird selten Ungarn genannt. Dabei hat das Land auf seine Einwohnerzahl bezogen die meisten Todesfälle weltweit zu beklagen. Das zeigt eine ntv.de-Aufstellung mit Daten nationaler Behörden und der Johns-Hopkins-Universität im US-Bundesstaat Maryland. Die meisten Todesfälle wurden mit fast 575.000 zwar in den USA erfasst, allerdings hat Ungarn die höchste Inzidenz der Todesfälle je 100.000 Einwohner: Sie liegt derzeit bei 280 - in absoluten Zahlen stehen dahinter gut 27.000 Verstorbene. Zum Vergleich: In Deutschland starben bislang 99 Menschen je 100.000 Einwohnern an oder mit dem Coronavirus, was knapp 82.700 Menschen entspricht. Weltweit haben sich mittlerweile mehr als 150 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert.

Über die Lage in Ungarn wurde auch deswegen vergleichsweise wenig berichtet, weil die dortige Regierung um Ministerpräsident Viktor Orbán Medien systematisch daran gehindert hat. Es gab immer wieder Meldungen aus dem Land, wonach das Gesundheitssystem am Rande seiner Belastbarkeit stand und Intensivstationen überfüllt gewesen sein sollen. Die Regierung machte auch damit auf sich aufmerksam, dass sie im Alleingang den russischen Impfstoff Sputnik V zuließ, obwohl die europäische Arzneimittelbehörde EMA das bis heute nicht getan hat. Zuletzt wurden Lockdown-Maßnahmen wieder gelockert.

Wie die beistehende Grafik zeigt, weisen auch andere ostmitteleuropäische Länder wie Tschechien, die Slowakei und Slowenien besonders erhöhte Inzidenzen bei den Todesfällen auf - mit Werten die klar über denen aus Großbritannien (190,8) und Italien (199,9) und auch der USA (175,1) liegen, wobei letzteres oft als das "am härtesten getroffene Land" bezeichnet werden - das stimmt aber nur, wenn man die absoluten Zahlen zugrunde legt.

Brasilien und Indien noch mitten in Pandemie

Auch Brasilien weist mit mehr als 400.000 Todesfällen eine sehr hohe absolute Zahl auf, die entsprechende Inzidenz liegt aber mit 190,1 derzeit noch auf einem Niveau mit dem Vereinigten Königreich. Allerdings ist die Pandemie in Brasilien noch nicht vorbei, geimpft sind erst wenige. In Großbritannien sieht das anders aus. Dort gibt es angesichts des Impffortschritts berechtigte Hoffnungen, das Schlimmste hinter sich zu haben. Es ist zudem schwer einzuschätzen, wie vergleichbar diese Werte tatsächlich sind. So ist die Frage, ob in dem riesigen südamerikanischen Land angesichts der lückenhafteren Gesundheitsversorgung wirklich alle Todesfälle registriert werden. Die Dunkelziffer könnte also höher liegen als in Europa.

Das Gleiche gilt für die Zahlen aus Indien. Dort wurden zwar fast 19 Millionen Infektionen und mehr als 200.000 Tote registriert - doch angesichts der 1,3 Milliarden Einwohner sind diese Werte gering. Während uns zuletzt dramatische Berichte vom Subkontinent erreichten, liegt die Todesfallinzidenz bei 15,2. Doch auch dort könnte die Dunkelziffer deutlich höher liegen, da womöglich nicht alle Fälle erfasst werden konnten. Außerdem wurde vielfach betont, dass das Gesundheitssystem vor Ort nicht mit deutschen Standards vergleichbar sei und daher viel schneller überlastet werden könnte. Und wie auch in Brasilien gilt, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist, sondern sich das Virus weiterhin rasant ausbreitet.

Bleibt noch der Blick auf Deutschland, der trotz der vehementen Kritik am Corona-Management von Bund und Ländern recht positiv ausfällt - zumindest im Vergleich mit den anderen Ländern. Es wurde hierzulande bislang geschafft, die Todesfallinzidenz unter 100 zu halten. In vergleichbaren Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und den USA sieht die Lage ganz anders aus (s. Grafik). Aber auch die vergleichsweise guten deutschen Zahlen verblassen, wenn man sie China und auch Japan gegenüberstellt. In China stehen nur 0,3 Todesfälle pro 100.000 Einwohner zu Buche, in Japan sind es 8.

Quelle: ntv.de, vpe


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