Dahmen widerlegt und bestätigt Köpke

  01 Juni 2021    Gelesen: 667
  Dahmen widerlegt und bestätigt Köpke

Finn Dahmen ist der Matchwinner des EM-Viertelfinals gegen Dänemark. Gleich zwei Elfmeter hält der deutsche U21-Torwart. Der 23-Jährige wird just an jenem Tag zum Helden, an dem Bundestorwarttrainer Andreas Köpke mit der Zukunft seiner Zunft hadert. Alles widerlegt- oder?

In Elfmeterschießen werden Helden geboren. Natürlich nur aufseiten der Torhüter. Und so ein Held befindet sich im Kreis der deutschen U21-Nationalmannschaft. Finn Dahmen. Am späten Montagabend, kurz vor Mitternacht, hat er seinen letzten Einsatz im EM-Viertelfinale gegen Dänemark. Er springt ein letztes Mal auf seiner Torlinie ab. Er streckt sich nach rechts - und pariert den Schuss von Victor Kristiansen. Das Spiel ist aus: 5:6 im Elfmeterschießen (2:2, 1:1, 0:0) - Deutschlands Junioren stehen im Halbfinale der Europameisterschaft.

Ausgerechnet Dahmen. Der 23-Jährige macht im gesplitteten Turnier seinen Vorrunden-Patzer wett. Im zweiten Gruppenspiel gegen die Niederlande hatte er den 1:1-Ausgleich und damit das Remis verschuldet. Daran musste nach Abpfiff auch Bundestrainer Stefan Kuntz denken, wie er bei ProSieben sagte: "Finn hatte ja in der Gruppenphase den Klops drin. Dass er jetzt zum Helden wird - das sind so Geschichten, die der Fußball schreibt."

Und diese Geschichte geht sogar noch weiter. Damals traf Mannschaftskollege Jonathan Burkardt für das DFB-Team, nun vergab Burkhardt gleich den ersten Elfmeter der Deutschen. Konnte sich aber auf Dahmen und gleich zwei gehaltene Elfmeter verlassen. "Heute hat Finn den Johnny gerettet, damals war es umgekehrt", sagte Kuntz. Deutschlands Held Dahmen stimmte zu: "Ich habe damals gesagt, dass jeder für jeden da ist. Jeder darf Fehler machen, einer bügelt das dann aus. Heute war ich dran."

Dahmen gehört zu den Wenig-bis-nicht-Spielern

Die Einstellung, Mentalität und das Ergebnis stimmt. Und dabei musste Bundestorwarttrainer Andreas Köpke gerade am Montagmittag sich noch Fragen zur fragwürdigen Zukunft der deutschen Torhüter gefallen lassen. Immer waren sie da, sie sind eine eigene Erfolgsgeschichte in der Erfolgsgeschichte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Deutsche Torhüter - Legenden, ein Graus für die Gegner. Noch. Manuel Neuer, der aktuell verletzte Marc-André ter Stegen, Bernd Leno, Kevin Trapp. Vier Torhüter, die aktuell in der A-Nationalmannschaft spielen. Die alle Weltklasse oder mindestens sehr gute internationale Klasse haben.

Aber wer kommt nach? "Wir haben schon das ein oder andere Talent. Ich habe nur die Befürchtung, dass die Jungs zu wenig spielen", sagte Köpke bei der Pressekonferenz des DFB. "Das ist eine kleine Phase. Alex Nübel würde ich wünschen, dass er konstant spielt. Wir müssen aufpassen, dass diese Jungs Einsatzzeiten bekommen." Der 24-Jährige schmort beim FC Bayern hinter Neuer nur auf der Bank, strebt eine Leihe an. Die Heldengeschichte des Finn Dahmen vom Montagabend veranlasst zu glauben, dass alles prima ist. Deutschland hat doch schon wieder einen Nachwuchs der Torhüter-Helden. Und Köpke völlig recht, wenn er sagt: "Ich glaube, dass gar nicht so viel falsch gelaufen ist."

"Jetzt sind wir schon tot"

Nun, so einfach ist es natürlich nicht. Denn erstens macht ein Spiel bekanntermaßen noch keine Legende. Und zweitens gehört auch der 23-jährige Dahmen zu den Torhütern, die zu wenig spielen. Angestellt beim 1. FSV Mainz 05, listet der DFB ihn sogar nur in der Reserve auf. Dahmen machte in dieser Saison drei Spiele für das Bundesliga-Team. In der Hinrunde gegen den FC Bayern (2:5), und dann die letzten beiden Saisonspiele gegen Borussia Dortmund (1:3) und den VfL Wolfsburg (3:2). Zehn Gegentore in drei Spielen klingen nicht nach einer Bewerbung für höhere Aufgaben, auch wenn allein fünf vom FC Bayern kamen.

In Mainz kam er in der abgelaufenen Saison nicht an Robin Zentner vorbei. Ihre beiden Verträge laufen bis 2023 - eine Wachablösung kann also nur durch ein Umdenken des Trainers Bo Svensson, durch beständige Top-Leistung Dahmens geschehen. Oder durch einen Wechsel- die Position des Torhüters aber ist bekanntlich noch umkämpfter. Zudem sprechen die langen Mainzer Vergangenheiten - beide spielten schon in der Jugend für den Klub - gegen einen Transfer.

Für die U21 sind derlei Vereinsdinge freilich unerheblich. Dahmen ist Kuntz' Stammtorhüter. Er wird es auch am Donnerstag (21 Uhr/ProSieben) sein. Dann steht das Halbfinale gegen die Niederlande an. Und auch wenn Torhüter sich weniger verausgaben als ihre Vorderleute: Dahmen braucht Erholung. "Jetzt sind wir schon tot", bekannte er bei ProSieben. "Das war mein erstes Spiel über 120 Minuten. Es war brutal, was wir als Mannschaft geleistet haben. Sieben, acht Spieler hatten Krämpfe in den Beinen, wir sind trotzdem 120 Minuten marschiert. Riesenrespekt an unsere Leistung." Zwei Tage sind es bis zum nächsten K.o.-Duell. Und womöglich zwei Tage bis zu neuen Heldentaten. Heldentaten, die sich auch Andreas Köpke gern ansehen wird.

Quelle: ntv.de


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