ISW hält Verteidigung von Bachmut für sinnvoll

  22 Januar 2023    Gelesen: 309
  ISW hält Verteidigung von Bachmut für sinnvoll

Seit Monaten kämpfen ukrainische und russische Truppen erbittert um Bachmut. London und Washington zweifeln den Nutzen der ukrainischen Verteidigung in der Region bereits an. Das Institute for the Study of War sieht das anders: Die Chance sei groß, dass Russlands Offensive so langfristig geschwächt werde.

Die ukrainische Verteidigung von Bachmut ist nach Einschätzung des US-amerikanischen Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) trotz der hohen Kosten "wahrscheinlich eine strategisch sinnvolle Maßnahme". So habe die Verteidigung des Gebietes in der Ostukraine zwar "beträchtliche" Kosten und führe wohl auch zu Einschränkungen der Streitkräfte an anderer Stelle. Allerdings hätte die Ukraine auch einen hohen Preis gezahlt, wenn Russland Bachmut problemlos eingenommen hätte, schreibt das ISW in seinem jüngsten Lagebericht.

Die schnelle Einnahme der nun seit Monaten umkämpften Stadt hätte womöglich dazu geführt, dass die russischen Truppen die Ukraine schnell weit zurückdrängen. Die ukrainischen Streitkräfte wären dann laut ISW gezwungen gewesen, "übereilte Verteidigungsstellungen in weniger günstigem Terrain aufzubauen".

Eine solche Strategie der "Zermürbung" habe die Ukraine bereits zuvor angewandt. Beim Kampf um Sjewjerodonezk und Lyssytschansk im vergangenen Jahr habe Russland die Städte erst nach monatelangen Kämpfen einnehmen können. Zumindest die Eroberung von Lyssytschansk habe sich für Moskau schnell als operativ unbedeutend erwiesen. Durch die lange Verteidigung des Gebiets sei Russland zum Ende der Offensive in Luhansk gezwungen worden, was schlussendlich zur Stagnation der russischen Offensive im Donbass im Sommer und Herbst 2022 geführt habe, schreibt das ISW.

Zermürbung könnte erneut funktionieren

Die ukrainische Verteidigung von Bachmut werde "wahrscheinlich zu einem ähnlichen Ergebnis beitragen". Das Institut geht davon aus, dass die Ukraine mit der Verteidigung von Bachmut Russlands Kräfte bündelt und damit Offensiven in weiteren Gebieten verhindert. Dass die Ukraine derzeit keinen Vorteil daraus ziehen könne, russische Truppen in Bachmut zu binden, liege auch daran, dass der Westen die nötigen Waffensysteme nicht oder nur zögerlich liefere, so das ISW.

Ein ranghoher Vertreter der US-Regierung hatte zuvor von der Fixierung auf die Verteidigung von Bachmut abgeraten. Lieber sollten sich die ukrainischen Streitkräfte auf eine Gegenoffensive im Frühjahr vorbereiten. Im Kampf um Bachmut sei Russland auf lange Sicht schon wegen der zahlenmäßigen Überlegenheit der Truppen im Vorteil. Ähnliches prognostizierte das britische Verteidigungsministerium in seinem jüngsten Lagebericht. Demnach befinde sich der militärische Konflikt zwar in einer Sackgasse, "es besteht jedoch eine realistische Möglichkeit lokaler russischer Vorstöße um Bachmut".

Bei der Frage, ob die Ukraine Bachmut aufgeben sollte, dürfen allerdings weitere Überlegungen nicht vernachlässigt werden, wie das ISW schreibt. So besetzen russische Streitkräfte über 100.000 Quadratkilometer der Ukraine inklusive vieler Städte und "verüben Gräueltaten an ukrainischen Zivilisten". Es sei "nicht unvernünftig" für politische und militärische Entscheider, auch diesen Faktoren miteinzubeziehen.

Quelle: ntv.de, spl


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